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Donnerstag, 28. Februar 2008

Beck vs. Parzany: Homosexualität und Christ(ival )

Seit Wochen tobt der Streit um den evangelikalen Jugendkongress Christival. Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen im Bundestag, Volker Beck (Berlin), hatte ihn mit seinem Protest an dem inzwischen abgesagten Seminar „Homosexualität verstehen – Chance zur Veränderung“ ausgelöst und mit seiner Fraktion sogar eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung mit z. T. kritischen Anfragen an die evangelikale Bewegung gestartet. Daraufhin schrieb der Leiter der Evangelisationsreihe ProChrist, Pfarrer Ulrich Parzany (Kassel), einen idea-Kommentar unter der Überschrift „Steht auf, wenn ihr Christen seid“. idea hat die beiden Kontrahenten nun in Berlin an einen Tisch gebracht.
Dort stritten sie, moderiert von idea-Reporter Marcus Mockler, über Meinungsfreiheit, Wissenschaft und das richtige Verständnis der Bibel.

idea: Herr Beck, wenn Sie einem Menschen begegnen, der sagt, er sei homosexuell, komme damit aber nicht zurecht und wolle sich ändern – was antworten Sie dem?
Beck: Ich sage ihm, dass er lernen sollte, sich selbst anzunehmen, wie er ist und wie ihn Gott geschaffen hat – und dass man ihm dabei helfen kann. Das ist auch der Erkenntnisstand der Humanwissenschaften. Die Bundesregierung hat in ihrer Antwort auf unsere Kleine Anfrage festgestellt: Homosexualität ist weder therapiebedürftig noch einer Therapie zugänglich. Es gibt dazu andere Auffassungen, aber die sind nicht wissenschaftlich anerkannt. Es ist sogar gefährlich, wenn Menschen sich auf antihomosexuelle Therapien einlassen.

idea: Aber es gibt doch Menschen, die von sich sagen, sie hätten eine Veränderung von der Homosexualität hin zur Heterosexualität erfahren. Täuschen die sich über sich selbst?
Beck: Es existieren keine wissenschaftlichen Untersuchungen, die belegen, dass es tatsächlich eine Möglichkeit gibt, homosexuelle Prägung oder auch heterosexuelle Prägung durch Therapie oder Willensentscheidung zu beeinflussen. Allenfalls gelingt es Bisexuellen, die also Neigungen zum eigenen wie zum anderen Geschlecht haben, ihre homosexuelle Komponente zeitweise zu unterdrücken. Aber Homosexualität ist eine Prägung, die ebenso wenig zu therapieren ist wie die Körpergröße eines Menschen. Hier zu behaupten, „da gibt es doch was von ratiopharm“, wäre Scharlatanerie.

idea: Herr Parzany, hat das Christival Scharlatanerie angeboten?
Parzany: Ich bedauere es, dass Herr Beck es nötig hat, mit solchen Ausdrücken die Leute zu verhauen. Wenn es wirklich um wissenschaftliche Erkenntnisse ginge, brauchte man nicht mit so beleidigenden Begriffen zu arbeiten. Selbstverständlich gibt es Fachleute, die die Möglichkeit sehen, dass Menschen ihre homosexuelle Neigung verändern und dass da Hilfe möglich ist. Mir geht’s aber vor allem um die Frage: Warum geben Sie, Herr Beck, diesen Freiraum nicht? Sie legen die Menschen fest und sagen, dem Homosexuellen, der seine Neigung in Frage stellt, könne nur dadurch geholfen, dass er sie annimmt. Und Sie gehen aggressiv gegen Hilfsangebote vor, die Menschen gemacht werden, die die Freiheit zur Veränderung wahrnehmen wollen ...

idea: ... was Herr Beck auch darauf zurückführt, dass Gott den Homosexuellen eben so geschaffen habe.
Parzany: Naja, diese Welt ist nach biblischer Sicht nicht mehr einfach Gottes gute Schöpfung. Was die Bibel Sünde, Trennung von Gott, nennt, durchzieht alle Bereiche – auch die Art und Weise, wie Menschen miteinander leben.

Beck: Ich will das hier mal klären: Selbstverständlich habe ich niemandem verboten, ein solches Seminar durchzuführen. Kritik heißt ja nicht Unterdrückung und Verbot! Nun hat diese Veranstaltung aber eine Bundesministerin als Schirmherrin und bekommt Zuschüsse aus Steuermitteln. Aufgabe von Abgeordneten ist es auch zu schauen, ob wir staatliche Gelder verantwortlich ausgeben. Die Bundesregierung ist mit mir einer Meinung, dass es sich im Blick auf das Konzept des Seminars um wissenschaftlich nicht haltbare Thesen und um gefährliche Therapien handelt. Die Bundesregierung weist auf die möglichen Folgen von Depressionen bis hin zum Suizid hin. Davor habe ich gewarnt.
Parzany: Ich bin Ihnen für Ihre Kritik insofern dankbar, da sie Christen zum Aufwachen bringt. Zum einen in der Behandlung des Themas Homosexualität, zum anderen in der Erkenntnis, was es bedeutet, öffentliche Zuschüsse anzunehmen. Wenn der Staat sich anmaßen würde, mit seinen Finanzen in christliche Veranstaltungen hineinzuregieren, müssen wir als Christen sehr sensibel werden.

Beck: Bei allen Nichtregierungsorganisationen knüpft der Staat an seine Zuwendungen Bedingungen. Beim Christival gelten die Bedingungen des Kinder- und Jugendplans ...
Parzany: ... und nichts bei dieser Veranstaltung widerspricht dem Kinder- und Jugendplan. Dennoch müssen Christen künftig bei der Annahme von Zuschüssen mehr aufpassen, damit nicht gilt „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“.

idea: Herr Parzany, sehen Sie sich in der Frage der Homosexualität in einer Minderheitenposition?
Parzany: Solche Positionen sind ganz breit in den Kirchen vertreten. So haben der Rat der EKD und die Kirchenkonferenz (der Zusammenschluss aller Kirchenleiter der EKD) 2002 eine Orientierungshilfe herausgegeben, die sehr deutlich den „biblischen Widerspruch gegen homosexuelle Praxis“ formuliert. Dort heißt es, es gebe keine biblischen Aussagen, die Homosexualität in positive Beziehung zum Willen Gottes setzen – im Gegenteil. Ehe und Familie seien die Leitbilder. Ist der Rat der EKD eine „fundamentalistische Randgruppe“, wenn er so etwas formuliert? Die Kritik an praktizierter Homosexualität hat übrigens mit Diskriminierung nichts zu tun. Die Kritik am Handeln eines Menschen ist zu verbinden mit der Wertschätzung der Person, die jedem Menschen gebührt. Das macht Paulus etwa im ersten Korintherbrief, Kapitel 6, deutlich.

Beck (holt eine Taschenbibel heraus): Wo steht das? Ich wusste bislang nur, dass im Römerbrief von Gleichgeschlechtlichem gesprochen wurde. (liest) „... Irrt euch nicht, weder Unzüchtige noch Götzendiener noch Ehebrecher noch Lustknaben noch Knabenschänder ... werden das Reich Gottes ererben.“ – Da lese ich nichts von Homosexualität.
Anmerkung von mir: Die Stelle, die Beck hier zitiert, ist aus 1.Kor. 6,9. Die Stelle aus dem Römerbrief ist aus Röm.1,27:
Ebenso haben die Männer die natürliche Beziehung zur Frau mit einer unnatürlichen vertauscht: Männer begehren Männer und lassen ihrer Lust freien Lauf. So erfahren sie die gerechte Strafe für ihren Götzendienst am eigenen Leib.

Klingt etwas deutlicher als Herr Beck sich das wünscht.


Parzany
: Doch, das ist hier gemeint.
Beck: Das ist die in der Antike als soziale Institution anerkannte Päderastie (Knabenliebe, d.Red.). Es geht hier um Verkehr von erwachsenen Männern mit Knaben, wie es ihn in der griechischen Gesellschaft gab. Das hat mit einvernehmlicher Sexualität zwischen zwei Erwachsenen gleichen Geschlechts überhaupt nichts zu tun und ist heute ein Straftatbestand. Dies gleichzusetzen ist diffamierend.
Parzany: Hier ist eindeutig aktive und passive Homosexualität gemeint. Das geht aus dem griechischen Urtext hervor.
Beck: Nein. Die hier verwendeten griechischen Begriffe haben nichts mit gleichgeschlechtlicher Liebe zu tun. Es geht um Päderastie und allenfalls heidnische Tempelprostitution.

Parzany: Aber mir geht es ja um etwas ganz anderes: Die Kritik an der Praxis der Homosexualität ist in der Bibel immer verbunden mit der Einladung zur Gemeinschaft in die Gemeinde, denn der Text geht weiter „... solche sind etliche unter euch gewesen.“ (1.Kor. 6,11) Es gibt keine Ausgrenzung, keine Ablehnung. Man muss die biblische Kritik an homosexueller Praxis in der Öffentlichkeit sagen können, ohne dass sie als Diskriminierung von Menschen eingestuft wird.

idea: Herr Parzany, kann ein Christ gleichzeitig praktizierender Homosexueller sein? Oder ist das unmöglich?
Parzany: Es steht mir überhaupt nicht zu, solche Urteile zu fällen. Aber wir müssen grundsätzlich Menschen mit der biblischen Kritik an der homosexuellen Praxis konfrontieren können, so wie das ja auch der Rat der EKD getan hat.

Beck: Das finde ich gut, dass Sie keine Pauschalurteile fällen wollen. Denn diejenigen, die das Seminar beim Christival anbieten wollten, fällen solche Urteile. Die sagen, eine Gleichberechtigung der Homosexualität wird sich „zerstörerisch auf unsere Kinder und die nächste Generation auswirken“. Widersprechen muss ich Ihnen beim biblischen Befund. Ich bin wie Sie Christ, komme beim Lesen der Bibel aber zu einem anderen Ergebnis. Wenn Sie die ganze Bibel wörtlich nehmen, müssten Sie laut dem 3. Buch Mose eigentlich die Todesstrafe für Homosexuelle fordern. Also müssen wir mal sehen, in welchem Kontext solche Gebote stehen. Von den dortigen Gesetzen des Heiligkeitskodex halten wir Christen praktisch keine mehr für verbindlich. Wir essen Blutwurst und tragen Kleidung aus unterschiedlichen Stoffen, obwohl das dort verboten ist. Im Neuen Testament finden wir von Jesus kein Wort zum Thema Homosexualität und bei Paulus nur die eine Stelle im Römerbrief, die aber eher als Metapher für die Verkehrtheit der Welt zu deuten ist. Sie meint offenbar Heterosexuelle, die in Verkehrung ihrer Identität homosexuellen Praktiken nachgehen. Genauso hielte ich es für eine Verkehrung im Sinne des Römerbriefs, wenn ein Schwuler oder eine Lesbe zu heterosexuellen Beziehungen gedrängt würde. Die Bibel kennt Homosexualität überhaupt nicht, wie wir sie heute aus der Sozial- und Sexualwissenschaft verstehen.

Parzany: Der Schlüssel zum Umgang mit dem Heiligkeitsgesetz aus dem 3. Buch Mose ist die Bergpredigt. Jesus hat das Gesetz nicht aufgehoben. Mit seinem „Ich aber sage Euch“ hat er ein tieferes Verständnis dieses Gesetzes geschaffen, weshalb völlig klar ist, dass es heute die Todesstrafe nicht geben kann. Wir hatten in den letzten Jahrzehnten viele Debatten zum Thema Homosexualität, aber der Rat der EKD hat das schon richtig zusammengefasst: Der biblische Befund ist eindeutig!

Beck: Die rheinische Landeskirche bei mir zu Hause sieht das ganz anders. Die Bibel kennt keine Lesben und Schwulen, sagt nichts Eindeutiges zur Homosexualität als solcher.
Parzany: Ich komme auch aus der rheinischen Kirche.
Beck: Sie müssen sich schon entgegenhalten lassen, dass es unter Theologen und innerhalb der evangelischen Kirche unterschiedliche Auffassungen gibt. Aber ich lasse Ihnen ja Ihren Glauben, dass Homosexualität von Gott nicht gewollt ist. Sie müssen mir meinen Glauben lassen, dass Gott ein all-liebender und barmherziger Gott ist, der niemanden für etwas bestraft, wozu er ihn gemacht hat. Die Grenze zum Fundamentalismus wird allerdings überschritten, wenn Sie Ihren Glauben auf die wissenschaftliche Arbeit übertragen und sagen, Homosexualität sei eine Krankheit, die man heilen kann. Dabei sagen mehr als 99 Prozent der Wissenschaftler, die auf diesem Gebiet forschen: „Diese Auffassung ist widerlegt, Homosexualität ist keine Krankheit.“ Dann sagen manche, es muss aber anders sein, weil es in meiner Bibel anders steht.

Parzany: Nein, Wissenschaft ist kein Glaubensgegenstand, sondern eine Frage der Information. Es gibt durchaus Untersuchungen, die Homosexualität und ihre Veränderbarkeit anders beurteilen.
Beck: Aber das sind keine seriösen Studien.
Parzany: Das ist ein fragwürdiges Wissenschaftsbild, wenn Sie jeder Studie, die zu einem anderen Ergebnis kommt, die Seriosität absprechen.

idea: Herr Beck, wenn heute einer ein Forschungsprojekt vorschlüge, das Möglichkeiten der Veränderung von Homosexualität untersuchen wollte – der würde doch im gegenwärtigen gesellschaftlichen Klima überhaupt kein Geld für ein solches Projekt bekommen.
Beck: Es gibt Studien, die das untersucht haben; die kommen aber zu einem anderen Ergebnis, als sich Herr Parzany das wünscht. Und es gibt wissenschaftliche Standards, die von den „Ex-Schwulen“-Grüppchen einfach ignoriert werden. Es gibt hier auch keinen studienfreien Bereich – es wird heutzutage alles erforscht. Man sollte also nicht so tun, als würde politisch verhindert, dass irgendeine Wahrheit ans Licht kommt.
Parzany: Doch, genau so ist es. Diese Absicht beobachte ich bei Ihnen, und das wundert mich. Sie müssten doch solche Untersuchungen und einen alternativen Umgang mit Homosexualität nicht scheuen. Es nimmt Ihnen doch gar keiner die Freiheit, selbst damit umzugehen, wie Sie wollen.

idea: Herr Beck, was würden Sie denn mit einer neuen Untersuchung machen, die zum Ergebnis käme, es gebe doch Hinweise auf die Veränderbarkeit von Homosexualität?

Beck: Es wird keine wissenschaftliche Untersuchung geben, die zu diesem Ergebnis kommt. Der Autor der fragwürdigen Studie, die die Freunde von Herrn Parzany immer für sich in Anspruch nehmen, sagt selbst: Es wäre „Missbrauch der Forschungsergebnisse", wenn man daraus schließen wolle, „dass sie beweist: Veränderung einer homosexuellen Orientierung ist für die meisten hochmotivierten Personen möglich", und es wäre ein Missbrauch, wenn auf Grund der Studie den Homosexuellen „Bürgerrechte vorenthalten" würden. Um aber zum Auslöser dieses Gesprächs zurück zu kommen: Es ist erstmal klar, dass aus dem Bundeshaushalt nicht Gelder für die Diskriminierung und Verfolgung von Minderheiten ausgegeben werden dürfen. Wenn etwas angeboten worden wäre, das sich gegen Juden richtete, könnte die Regierung das auch nicht unterstützen...
Parzany: ...und das finde ich eine Unverschämtheit, dass Sie das Angebot des Christival nun in die Nähe des Antisemitismus rücken. Das ist beleidigend und diskriminierend.

Beck: Nein, das tue ich ja gar nicht. Aber warum ist die Herabsetzung von Juden etwas anderes als die Herabsetzung von Lesben und Schwulen? Sie sehen hier nur, wie sehr bestimmte Aussagen aus Ihrer Ecke Homosexuelle als Minderheit beleidigen. Auch von unserer Minderheit wurden zwischen 5.000 und 10.000 Menschen in die Konzentrationslager verschleppt. Die meisten wurden umgebracht. Viele wurden pseudomedizinischen Versuchen unterworfen, um mit Hormonen, Operationen und Kastrationen die Homosexualität aus ihnen herauszutherapieren. Ich fühle mich in meiner Menschenwürde angegriffen, wenn jemand sagt: „Du als homosexuell lebender Mensch bist eigentlich ein Kranker.“ Und trotzdem will ich solche Seminare, wie sie das Christival im Angebot hatte, nicht verbieten, weil auch das zur Meinungsfreiheit gehört. Deswegen ist Ihr Appell, Herr Parzany, „Steht auf, wenn ihr Christen seid“, völlig überzogen. Hier ist keine Freiheit gefährdet. Bei aller Kritik am Inhalt: Ich würde ihre Freiheit gegen jeden Repressionsversuch verteidigen!

Parzany: Dieser Appell ist nach innen gerichtet. Christen haben schon die Schere im Kopf und wagen es teilweise nicht mehr, bestimmte Dinge auszusprechen, weil das politisch nicht korrekt ist. Dass uns Christen der Wind schärfer ins Gesicht bläst, das ist nichts Schlimmes, das muss wohl so sein, obwohl wir uns an der Freiheit freuen und auch die der Andersdenkenden verteidigen. Jedenfalls dürfen wir eine biblische Wahrheit, die bestimmtes Verhalten von Menschen auch kritisch beleuchtet, nicht verschweigen.

Beck: Ob das die biblische Wahrheit ist, sehe ich mit vielen Theologen anders. Sie sprechen für einen Teil der Christen, ich gehöre zu einem anderen Teil. Vielleicht sind wir uns bei anderen Themen ja näher. Bei der aktuellen Debatte um die Forschung an embryonalen Stammzellen sehe ich bei Evangelikalen und katholischer Kirche ähnliche Argumente, wie auch ich sie vertrete. Embryonale Stammzellen werden durch das Töten von Embryonen, also das Vernichten menschlichen Lebens, gewonnen. Dieses Töten wird durch eine Änderung des Stichtages erneut legitimiert. Deshalb bin ich wie die Evangelikalen und die katholische Kirche dagegen. Beim Thema Homosexualität sind wir als Christen uneins. Aber man darf in unserer Gesellschaft ja glauben, woran man will – an Jehova, an keinen oder den dreieinigen Gott, an Allah oder an viele Gottheiten, aber auch an Abwegiges wie an die Veränderbarkeit von Homosexualität oder an das Spaghettimonster …

Parzany: ... warum reden Sie so diffamierend über die Leute, die eine andere Meinung haben als Sie? Ich empfinde solche Sätze als verachtend und beleidigend. Das haben Sie doch überhaupt nicht nötig.

Beck: Ich rede darüber nicht diffamierend. Sie teilen aus, würdigen Homosexuelle als quasi krank herab, fühlen sich aber von jedem meiner Sätze angegriffen oder verfolgt. Brauchen Sie diese Verfolgungsperspektive zur Mobilisierung in den eigenen Reihen?

idea: Herr Parzany, Sie werden beim Christival dabei sein. Herr Beck, Sie auch?
Beck: Ich gehöre nicht zum Zielpublikum, da es ein Jugendfestival ist, und man hat mich auch nicht eingeladen, dort etwas zu sagen. Sicher werde ich nicht hinfahren, um zu kontrollieren, was dort stattfindet.
Parzany: Ich werde dort ein Seminar zum Thema „Glauben wir alle an denselben Gott?“ halten. Das ist ebenfalls kein unverfängliches Thema.
idea: Wir danken Ihnen beiden für das Gespräch.

Leider versäumt es Ulrich Parzany hier, die falschen Sichtweisen von Herrn Beck stärker zu entkräften. Auch die falsch zitierte Bibelstelle hätte ihm eigentlich auffallen müssen. Er war anscheinend schlecht vorbereitet. Schade.
So kann sich Herr Beck als der Sieger dieses Streitgespräches fühlen. Ein rhetorisch besser beschlagener Interviewpartner hätte hier wesentlich mehr kontra bieten können.
In der Großen Anfrage zur Religions- und Glaubensfreiheit betonen Beck und die Grünen-Fraktion völlig zu recht, dass die Veränderung der religiösen Orientierung ein elementares Menschenrecht sei:
„Zur Religions- und Glaubensfreiheit gehört die Möglichkeit, seinen Glauben frei und ohne Zwang wechseln zu können.“ Da stellt sich die Frage, warum aus „grüner“ Sicht zwar der Wechsel der Religion als ein Menschenrecht anerkannt wird, aber nicht der Wechsel einer sexuellen Orientierung.
Genauer gesagt: Warum soll es einerseits in Ordnung sein, dass - wie zum Beispiel auf Evangelischen Kirchentagen - für einen homosexuellen Lebensstil geworben wird, andererseits aber verwerflich, dass ein Homosexueller heterosexuell werden will und er dabei Unterstützung in Anspruch nimmt?
Er argumentiert wie ein Muslim:
Er unterstellt, dass es - ohne seelischen Schaden - keine Abkehr von der Homosexualität geben kann, sie bestehen darauf, dass ein Muslim niemals - ungestraft - vom Glauben abfallen darf. Ganz ohne jede böse Absicht kann man sagen, dass Herr Beck und die Grünen-Fraktion mit zweierlei Maß messen.


Hier die Geschichte (bei Idea.de) zum Nachlesen:
Streit um Christival erhitzt weiter die Gemüter (27.02.08)
Keine Angst vor „Fanfarenstößen“ der Atheisten (24.02.08)
Landesbischof stellt sich vor Jugendkongress Christival (23.02.08)
Christival-Streit: Volker Beck weist Vorwürfe zurück (22.02.08)
Evangelische Allianz: Volker Beck verleumdet Christival (21.02.08)
Grüne werben um „humanistische Christen“ (20.02.08)
Einmal schwul - immer schwul? (20.02.08)
Solidarität mit Christival wächst (18.02.08)
Steht auf, wenn ihr Christen seid! (18.02.08)
EC-Verband wirft Grünen Kampagne gegen Christival vor (17.02.08)
Grüne weiten Kritik am Christival aus (14.02.08)
Streit um Christival: Intervenierte das Familienministerium? (13.02.08)
Kontroverse um Christival-Seminar wird schärfer (11.02.08)
Grüne legen in ihrer Kritik an Christival nach (31.01.08)
Christival: Roter Teppich für Mitarbeiter (28.01.08)
Kontroverse um Jugendkongress Christival (09.01.08)

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Dienstag, 26. Februar 2008

Wer wählt was und was hat das mit Politik zu tun?

Sehr interessanter Artikel über die "backstage"-Landschaft der politischen Parteien, deren Werte und Möglichkeiten, zusammenzuarbeiten - also Koalitionen zu bilden.
Werte spielen dabei eine ganz wichtige Rolle.

Für uns als Christen stellt sich immer die Fragen: Wen oder was können wir wählen? Wählen wir Parteien oder wählen wir Personen? Welche Werte vertreten sie?

Man ist ja inzwischen immer stärker geneigt, Personen zu wählen, da sie anscheinend die noch größere Stabilität garantieren. Eine Partei kann innerhalb weniger Stunden ihre Meinung ändern (so wie á la Kurt Beck: Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?)
Aber in der politischen Auseinandersetzung gehen die Werte immer weiter unter - zugunsten der politischen Machterhaltung. Da koaliert eine SPD lieber mit den Linken (oder lässt sich von ihnen wählen...) als sich an ihr Wahlversprechen zu halten.
Denn so könnten sie die Ministerpräsidentin stellen.


Keiner kann mit keinem

von Klaus-Peter Schöppner, Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid

Nichts geht mehr nach den Landtagswahlen in Hessen.

Nach der Wahl ist vor der Wahl. Die Entscheidung für den richtigen Koalitionspartner ist – siehe Hessenwahl – oft die noch spannendere Wahl. Dabei wird so getan, als würden die Wähler alle Koalitionskakophonien widerstandsfrei akzeptieren. Oft allerdings wird zusammengehörig gemacht, was nicht zusammengehört. Ein Blick hinter die Wertestruktur einzelner Wählergruppen zeigt klar, was bündnistechnisch möglich ist: Fast nichts!

Die Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen haben zumindest eines belegt: Deutschland hat kleine große und große kleine Parteien. Und ein Fünfparteiensystem, das es notwendig macht, über neue, aufregendere Parteienkonstellationen nachzudenken.
Die Phase der Koalitionsverhandlung ist inzwischen die Zeit der Wundertütenpolitik: Nie war der Wähler unsicherer, was er letztlich gewählt hat. Wer SPD ankreuzt, kann Rot-Schwarz, aber auch Rot-Dunkelrot gewählt haben, die Sozialdemokraten koalieren derzeit mit jeder Partei. Und CDU-Wähler finden sich statt mit der FDP plötzlich in einem Bündnis mit der SPD wieder. Die Nachwahlzeit dominiert das „Toyota-Syndrom“: Nichts ist unmöglich…

Doch im „Anything goes“ ist der Koalitionsstreit gleich miteinprogrammiert. Je stärker Machtinteressen dominieren, desto weniger wird auf das „Passt schon“ bei der Bildung von Bündnissen Wert gelegt. Obwohl Politiker genau wissen, dass für erfolgreiche Koalitionen ähnliche Wertemuster ihrer Wähler unverzichtbar sind, spielen diese bei der Partnerwahl keine Rolle. Ärger, Streit, oft sogar das Aufkünden sind die Folgen.
Notwendig ist also, möglichst gut über das Wertebild der eigenen und der Wähler möglicher Koalitionspartner informiert zu sein. Schließlich sind Werte Vorstellungen der Politwünsche, die Einstellungen, Verhalten, letztlich also die Stabilität von Regierungen bedingen. Koalitionen funktionieren nur dann, wenn sie das Wertemapping ihrer Wähler angemessen berücksichtigen.
Dazu hat TNS Emnid das Modell „Semiometrie“ („Wörtermessung“) entwickelt. Dieses misst die Wertestruktur von Wählern anhand von 210 Begriffen, die sich in 14 Wertedimensionen zusammenfassen lassen. Diese Grundwerte wiederum sind als Position in einem zweidimensionalen Raum darstellbar, deren Achsen die Endpunkte sozial versus individual sowie Pflicht versus Lebensfreude definieren.
Die Sympathiemessung dieser Begriffe identifiziert also die Wertestruktur unterschiedlicher Wählergruppen. Und beantwortet brennend aktuelle Fragen wie: Geht Schwarz-Grün? Wie differieren deren Wähler? Und sind diese überbrückbar? Wie nah liegt Rot-Dunkelrot beieinander? Und ähneln die FDP- eher den CDU- oder SPD-Wählern? Wie gut repräsentieren Kurt Beck oder Angela Merkel die eigenen Anhänger? Und ist es ein Nachteil für die SPD, auf Müntefering verzichten zu müssen?
Antwort auf diese Fragen liefert das Profil der verschiedenen Anhängerschaften: Welche Werte charakterisieren welche Wähler?

Die CDU/CSU-Wähler sind konservativ – homogen! Sie eint ihr Werte- und Pflichtbewusstsein, ihre Traditionsverbundenheit, andererseits nur geringer Hedonismus und Abenteuerlust. Keine Partei kann ihre Wähler gezielter und einheitlicher ansprechen.

Ganz anders der SPD-Wähler, den es im Grunde nicht gibt; es gibt gleich zwei Typen: einerseits den pflichtbewussten, redlichen, gewerkschaftlich orientierten Arbeiter. Genauso häufig den intellektuellen, kulturell interessierten Akademiker. Beide passen nicht zusammen. Für die SPD gilt wie für keine andere: „Ich bin zwei Parteien!“

Die FDP-Anhänger charakterisieren sich durch Machtstreben und Hierarchiebewusstsein, Solidarität und Familienorientierung sind eher Fremdbegriffe.

Der typische Grüne ist idealistisch, intellektuell und emotional. Dagegen kaum traditionsverbunden, pflichtbewusst, materiell und konfliktfreudig.

Viel schwammiger dagegen ist das Profil der Linken. Hauptcharakteristikum ist deren Pragmatismus: Sie handeln nicht nach Idealen, schon gar nicht im Wunsch, die Gesellschaft sozial zu verändern. Sie einen persönliche Vorteile, die sie durch Politagitation erreichen können. Linkswähler sind stramme Egoisten.

Das prägnantste Profil haben die rechten Wähler: Kritisch, kämpferisch und dominant sind sie wie keine andere Wählergruppe. Pflichtbewusstsein, Werte und Intellekt sind ihnen dagegen fremd. Die Wähler von Rechtsparteien identifizieren sich nicht über Inhalte noch politische Ziele. Sie verbindet ihr gefährlicher Wille zur Macht.

Was nun sind die Konsequenzen dieses Wertemappings für den politischen Alltag im Fünfparteien-Deutschland? Wenn Dreierkoalitionen zur Regel werden? Was geht, was unter Qualen, welche Bündnisse nicht?

Schwarz-Grün respektiert in keiner Weise das Werteprofil ihrer Wähler, zwischen ihnen gibt es keinerlei Parallelität. Die Zeit ist längst nicht reif für Schwarz-Grün: Wo die CDU Traditions-, Pflicht- und Wertebewusstsein hat, orientieren sich Grüne an Emotionen und Sinnlichkeit. Was den Union-Sympathisanten wiederum ziemlich fremd ist.

Genauso schwer wäre für die SPD die Koalition mit den Linken, den Lafontaine-Faktor nicht einmal eingerechnet, zu ertragen: Vor allem das „alte“ Arbeitermilieu kann gar nichts anfangen mit den politisch eher desinteressierten, dafür aber stark egozentrierten Dunkelroten.

Auch Koalitionen mit der viel umworbenen FDP gestalten sich schwieriger als gedacht: Gerade in ihrer „unsozialen“ Haltung „passen“ FDP-Partnerschaften nicht wirklich, schon gar nicht zu SPD und Grün. Eine Ampel erlaubt das Werteprofil nicht, eine „Schwampel“ kaum.

Die Wunschkoalition der Deutschen ist die „Große“, zumindest solange bei der SPD der Wertekern erhalten bleibt. Schwarz-rote Wähler eint Pflichtbewusstsein und Moral – keine schlechte Voraussetzung in einer Zeit, in der der Werteverfall in der Gesellschaft mit Recht beklagt wird.

Weil die Unterscheidbarkeit der Parteien – inzwischen halten fast 80 Prozent die Parteiprogramme der Großen für austauschbar – extrem nachlässt, kann die Bedeutung der Spitzenkandidaten, wie Hessen und Niedersachsen gezeigt hat, nicht überschätzt werden. Neben Sympathie und Kompetenz dominiert dabei die Adäquanz. Die Frage also, wer zum Werteprofil der Wähler „passt“.
Um Erfolg zu haben, sollten Partei- und Politikerprofil die gleichen Wähler ansprechen. Wo trifft das zu, wo nicht?

Für die CDU-Wähler verkörpert Wolfgang Schäuble am ehesten deren Wertevorstellungen. Angela Merkel ist vielen zu rational, außerdem traditionsfremd. Schäuble verkörpert dagegen Union-Tradition und deren konservatives Weltbild. Eine unter Politikern seltene Identität ist zwischen der Kanzlerin und Ursula von der Leyen zu finden.
Bei der SPD ist der Wertesteckbrief Kurt Becks am weitesten vom SPD-Bild entfernt. Passender Kandidat ist Außenminister Steinmeier, er symbolisiert Pflichtbewusstsein und Disziplin am ehesten. Ein gemeinsames Manko von Beck und Steinmeier: Keiner bedient den „Stallgeruch“, den meisten sind sie zu rational und pragmatisch. Das Resümee: Beck verkörpert das Profil der SPD-Wähler schlechter als Merkel das der CDU-Anhänger.
Links-Wähler identifizieren sich weit stärker mit Gregor Gysi als mit Oskar Lafontaine. Grund ist der hohe PDS-Anteil, also die Dominanz ostdeutscher Werte innerhalb der Linken. Daher gilt der Westdeutsche als zu konfliktfreudig, Gysi bedient dagegen deren atheistische Grundhaltung.
FDP-Anhänger und Parteichef Guido Westerwelle wollen ebenfalls nicht recht zusammenpassen: FDP-Anhänger bemängeln sein zu soziales und werteorientiertes Auftreten sowie seine zu geringe Kampfbereitschaft.

Wie in den Märkten gilt auch in der Politik: Die Wähler werden immer beweglicher und anspruchsvoller, der Wettbewerb um das richtige Kreuzchen immer intensiver und zielgruppenfokussierter. Was Wähler wirklich wollen, ist nicht nur durch Angebot, Argument und Aktualität bestimmt, Wollen, Wünsche, Werte spielen eine ähnlich wichtige Rolle: Werte selektieren, strukturieren, stabilisieren und konformisieren den Wählerwillen. Nur durch sie kann der Wechselbereitschaft Einhalt geboten werden.
Die Qual der Wahl, ob vor dem Kreuz mit dem Kreuzchen für die Wähler oder nachher für die Parteien: Es gewinnt zumeist der, der weiß, wie Wähler ticken.

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Dienstag, 15. Januar 2008

Österreicher - mal ganz anders

Oft sind ja die Österreicher Gegenstand des Spottes. Manchmal schauen wir eher von oben auf die "Schluchtis" herab und ärgern uns auch über ihre Borniertheit oder ihre Minderwertigkeitskomplexe.

Aber in letzter Zeit habe ich 3 gute Aktionen von Österreichern gefunden:
http://www.europe4christ.net
http://www.christianophobia.eu
Hier geht es um einen Zusammenschluß europäischer Christen zum täglichen Gebet.
Auf der 2.Seite kann man melden, wenn man als Christ in irgendeiner Weise benachteiligt oder attackiert wird.

www.blazinggrace.de
www.nacktetatsachen.at
Hier geht es um ein "heißes" Thema, oft verschwiegen, aber doch sehr präsent - im Verborgenen: Pornographie unter Christen. Wichtiges Thema, das weit mehr Relevanz hat, als man annehmen würde.

www.stopthebomb.net

Österreicher und Deutsche machen immer noch sehr gerne Millionen-Geschäfte mit dem iransichen Regime - trotz aller internationalen Proteste gegen den Bau von Nuklearwaffen und den Drohungen von Präsident Ahmadinedschad gegen Israel.
Hier kann man einen Aufruf unterschreiben, diese Art von Geschäften gegen alle Ethik zu stoppen.

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Menschen müssen nicht mehr "gerade stehen" - denken einige

Selbstmordattentäter, die sich ins Jenseits sprengen und dabei Menschen mitnehmen, die gerne ihren Pfefferminztee in Ruhe zu Ende getrunken hätten, sind verzweifelte Opfer der Umstände, unter denen sie aufwachsen mußten.
Rabiate Moslems, die ihre Geiseln enthaupten, zahlen es dem Imperialismus heim. Migrantenkinder, die ihre Lehrer verhauen, wehren sich gegen ihre Ghettoisierung. Analphabeten, die Bücher verbrennen, weil sie sich von deren Inhalt beleidigt fühlen, suchen den Dialog mit den arroganten Dichtern. Alles schön und gut.
Aber das hier, das übertrifft alles. Zwei junge Schläger, die sich gegen einen Rentner gewehrt haben, der sie “angemacht” hatte. Das konnten sie ihm nicht durchgehen lassen. Der legte sich dann zehn Tage in die Klinik, nur um seinen Opfern eine Mordanklage anhängen zu können.

UPDATED am 16.01.2008

Die Menschen, die glauben, dass man alles erklären kann und dass niemand für nichts gerade zu stehen hat, was er getan hat, sind zweierlei: Verführte und Verführer.
Jeder Mensch muss vor Gott für das Rechenschaft ablegen, was er getan hat. Und dann ist da Vergebung möglich, wenn man seine Schuld bekennt.
Aber dieses reflexartige "der kann doch gar nicht dafür" und "der andere hat ihn doch böse provoziert und ist selbst schuld", ist in diesem Fall absolut unangebracht.

Kostprobe?
Da waren sie wieder diese urdeutschen Verhaltensmuster, diese notorische Anmache ihnen nicht bekannter Menschen, diese penetranten Belehrungen über den Lauf der Dinge und der Welt, dieses Zuständig-Sein für Alles und Jeden, diese Mischung aus Oberlehrer, Blockwart und Polizist, dieser Versuch des zielgerichteten psychischen (und später physischen) Niedermachens. Und da war sie auch, jene Grenze, die der Andere nicht überschreiten dürfte: Keinen Zeigefinger mehr! Keine Disziplinierung! Keine dumme Anmache mehr! Serkan und Spyros kamen der Aufforderung des Ex-Lehrers nicht nach. Stattdessen schlugen sie zu.

Wie kann man so ein Verhalten ent-"schuldigen"???
So flieht der Mensch vor der Verantwortung, die er hat. Schiebt sämtliche Schuld von sich auf Andere und hält sich sauber.
Nicht akzeptabel.

UPDATE:
aus http://www.faz.net
Eine der größten Leistungen der deutschen Nachkriegsgesellschaft war es, den „inneren Feind“ nicht zu postulieren, trotz aller Konflikte und Kontroversen nicht. Umso bedauerlicher, dass es jetzt ein geschätzter Kollege tut, und zwar mit den Mitteln jener Gesellschaftskritik der sechziger Jahre, die in jedem Hausmeister den Nazi und in jedem Rentner den Kleinbürger sah. Der Kollege Jens Jessen, Feuilletonchef der „Zeit“, vertritt in einem Videoblog seiner Zeitung, mit Blick auf den U-Bahn-Überfall in München, eine neue These. Er fragt, ob der Rentner, der in der U-Bahn sich das Rauchen verbat, nicht nur das letzte Glied einer Kette „unzähliger Gängelungen und Ermahnungen“ sei, die Ausländer in Deutschland zu erleiden haben und in diesem Fall das Fass zum Überlaufen brachte.

Vielleicht, so Jessen, kam es deshalb zu der - auch von ihm so bezeichneten - unentschuldbaren Tat. Das widerspricht zwar seiner späteren Pointe, dass es sich in München in erster Linie um gleichsam internationale Berufskriminelle handele, aber es dringt vor zur Schlussfolgerung: Er stelle die Frage, so Jessen, ob unser Problem in Wahrheit nicht darin bestehe, „dass es zu viele besserwisserische deutsche Rentner gibt, die den Ausländern hier das Leben zur Hölle machen und vielen Deutschen auch“.

Da das Video gestattet, in Jessens Gesicht zu lesen, spricht wenig dafür, dass er das ironisch meint. Vermutlich meint er es ernst...

http://www.zeit.de/online/2008/03/intoleranz-video-leserbeitraege

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Sonntag, 16. Dezember 2007

Vorauseilender Gehorsam - Abbau der eigenen Kultur + Werte

Keine Worte mehr ...

B r ü s s e l (idea) – In Europas Hauptstadt Brüssel gibt es in diesem Jahr in einigen öffentlichen Gebäuden keine Weihnachtsdekoration. Der Grund: Muslime könnten sich in ihren religiösen Empfindungen gestört fühlen.
Das geht aus einem Bericht der belgischen Zeitung „Dernière Heure“ (Brüssel) hervor. So hätten Mitarbeiter des Empfangs im Brüsseler Justizpalast Krippen, Weihnachtsbaumkugeln oder Girlanden, mit denen sie ihren Arbeitsplatz geschmückt hatten, abnehmen müssen. „Man hat uns gebeten, alles zu entfernen, um einen Teil der Bevölkerung, die das Gebäude betritt, nicht zu schockieren“, so ein Angestellter. Man müsse für Muslime neutral bleiben. Von den rund 10 Millionen Einwohnern Belgiens sind etwa 400.000 Muslime. Damit ist der Islam zweitgrößte Religionsgemeinschaft im Land. Etwa 40 Prozent der Muslime wohnen in der Hauptstadt Brüssel, wo sie 17 Prozent der Bevölkerung darstellen.

Update:
Wie ein Sprecher des Justizpalastes idea auf Nachfrage sagte, habe man sich nach einigen Beschwerden aber entschieden, Weihnachtsdekorationen doch zu erlauben.

Es bringt also doch was, nicht alles hinzunehmen :-)

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Donnerstag, 13. Dezember 2007

Türkei: Eklat wegen Kreuz auf Fussballtrikots

Der geplante EU-Beitritt der Türkei löst ja durchaus gemischte Gefühle aus. Einige sagen, die Türkei passt nicht in unseren Kulturkreis, andere wiederum möchten sie gerade deshalb dabeihaben - wohl auch, um ein totales Abdriften in ein islamisches Land zu verhindern.

Letztens habe ich einen schönen Cartoon - in dem allerdings unschönem Kontext der Haft des 17-jährigen Marco aus Uelzen - gesehen:
Da steht BuKa Merkel mit der Handtasche vor der Brust in der Tür zu einem türkischen Amtszimmer und fragt schüchtern wie ein Schulmädchen: "Kommt Marco denn Weihnachten nach Hause?"
Die Antwort des entrüsteten Beamten: "Das ist eine Beleidigung! Wir feiern in der Türkei kein Weihnachten!"

Nun - etwas Ähnliches hat sich gerade zugetragen: Da hat sich der Fußballverein Inter Mailand zu seinem 100-jährigen Bestehen ein neues Trikot gegönnt - ein weißes Trikot mit einem großen rotem Kreuz darauf - das Wappen der lombardischen Hauptstadt Mailand.

Dies hat nun in der Türkei zu großer Aufregung geführt, denn das "... das Kreuz erinnere an die blutigen Tage der Vergangenheit, meinte Rechtsanwalt Baris Kaska aus Izmir. Als er das Champions-League-Rückspiel Fenerbahce Istanbul gegen Inter Mailand gesehen habe, habe er "einen schrecklichen Schmerz in der Seele verspürt", sagte er gegenüber der spanischen Zeitung "La Vanguardia". Mit dem Tragen des vermeintlichen Kreuzritter-Zeichens werde die "rassistische Überlegenheit einer Religion gezeigt". Das habe der Fussball-Weltverband zu verantworten.
Der
Anwalt aus Izmir erstattete Anzeige gegen Fifa und Uefa wegen Rassimus.

Nur damit das klar ist: Wir reden hier von dem Spiel in Mailand!
Denn für das Hinspiel in Istanbul hat Inter Mailand extra auf diese Trikots verzichtet, um Provokationen zu vermeiden.
Die türkische Presse hat diesen Vorfall gerne aufgegriffen und neben dem Trikot Kreuzfahrer aus dem 11.Jahrhundert abgebildet.

Wenn man sich dann vergegenwärtigt, dass
es in der Türkei die Christen "nicht besonders leicht" haben (siehe der Fall der 3 gefolterten und ermordeten christlichen Missionare und der Fall Marco) und hier in Deutschland große Moscheen gebaut werden, deren Größe durchaus einen politischen Anspruch darstellen, dann wundert man sich schon über diese Vorgehensweise.
Oder ist es doch nur die Trauer über das mit 0:3 verloren gegangene Spiel? Dann wäre das aber doch ein recht seltsamer Ausdruck derselben.

siehe auch: http://www.spiegel.de

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Dienstag, 4. Dezember 2007

Abtreibung oder Kündigung?

4 Hebammen aus Sachsen. Sie sind überzeugte Christen. Sie kündigen ihre (unbefristeten!) Arbeitsstellen.
Hä???
Sind die verrückt?? In der heutigen Zeit, in den neuen Bundesländern, eine davon ist allein erziehende Mutter.

Diese Frauen haben einen Schritt gewagt, den viele sich nicht mehr trauen: Aus dem Glauben an Gott haben sie ihrem Gewissen gehorcht und haben ihre Stellen gekündigt. Das war vor 1 Jahr.
IDEA zeichnet den Weg nach, den diese Frauen genommen haben.

Alle haben wieder Arbeit, alle sind versorgt, allen geht es besser als vorher, wo sie Spätabtreibungen wegen (angeblicher, aber diagnostizierter) Behinderungen des Kindes mit durchführen mussten.

Eine berichtet: Das Kind bewegte sich noch, als es zur Welt kam. In der Regel wird in solchen Fällen in Deutschland das Baby in eine Plastikschüssel gelegt, zugedeckt und in einen Nebenraum gebracht. Ich bitte an diesem Tag, kurz Pause machen zu dürfen, um das Baby nicht alleine lassen zu müssen. Ich habe es in meinen Händen gehalten, mit ihm gebetet und geweint bis es sich nicht mehr bewegt hat. Es sind diese Erlebnisse, die mir meinen Traumberuf schwer machen. Ich bitte Gott um ein eindeutiges Zeichen. Das bekomme ich am darauf folgenden Sonntag im Gottesdienst. In der Predigt liest der Pfarrer aus dem Jesajabuch: Weh denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis machen. Das hat mich tief getroffen, denn genau das versuchte ich gerade. In diesem Augenblick war für mich klar, dass ich kündigen muss.

Was für ein Zeugnis, was für ein Mut, was für eine Konsequenz!!! Hut ab.

aus IDEA.de Ihr Kinderlein kommet ...

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Sonntag, 18. November 2007

Es gab nicht nur Auschwitz, sondern auch den Gulag

Wenn man sich heutzutage anschaut, was heute in der Menschheit als verabscheuenswürdig gilt, dann ist die Nazizeit in Deutschland sicherlich immer unter den TOP3, bestimmt auch zu 90% auf Platz 1.
Und so ist die Weltsicht auch einfach. Aber was ist, wenn man feststellt, das es da noch andere gab, die es noch schlimmer getrieben haben?
Nun schreibt sich sowas als Deutscher immer schwer, denn man gerät schnell unter den Verdacht, das "eigene" Verbrechen relativieren zu wollen.
Ich bin so aufgewachsen, dass die Deutschen das "weltschlimmste" Verbrechen begangen haben. Und dann auch noch gegen das Volk Gottes! Das macht es für einen Christen noch schwerer.

Und damit das hier keiner falsch versteht, was ich schreibe und noch schreiben werde: Die Nazizeit war eine schreckliche und das, was dort geschehen ist, absolut falsch! Und das ist und bleibt auch so, wenn man sich andere Verbrechen anschaut.

Aber trotzdem kann man - auch als Deutscher - sagen: es gab noch andere, schlimme Verbrechen gegen die Menschheit, gegen die Juden.
Unter Stalin wurden ca. 4mal mehr Menschen (ca. 22Millionen) umgebracht, als im gesamten 2.Weltkrieg.
Der Chinese Mao hat wahrscheinlich die allermeisten Menschen umbringen lassen, die je ein Mensch hat umbringen lassen (ca. 35Millionen).

Schlimm - neben diesen schrecklichen, unvorstellbaren Opferzahlen, den einzelnen Schicksalen und die teilweise völlige Unberechenbarkeit der Auswahl der Todesopfer - daran ist, dass diese Zeiten niemals aufgearbeitet wurden.
Die Nazizeit wurde in Deutschland - zum Glück - relativ gut aufgearbeitet. Aber das, was durch die Sowjetunion oder durch China passiert ist, wurde nicht nur nicht aufgearbeitet, sondern wird - auch heute noch - teilweise verharmlost und verniedlicht. Es gibt genug Mao- und Stalin-Anhänger, auch Leute, die die Mao-Bibel immer noch - gerne - lesen.

siehe dazu IDEA.de Es gab nicht nur Auschwitz, sondern auch den Gulag

Und so bleibt die Erkenntnis: Was ungerecht bzw. gerecht ist, was gesellschaftsfähig und was nicht, bestimmen immer noch sehr "eigenartige Mechanismen", um das mal so auszudrücken. Und als Christ kann man wirklich nur sagen: Gerechtigkeit gibt es hier nicht, nur einer kann gerecht sein. Aber trotzdem werden wir weiter dafür einstehen.

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Samstag, 10. November 2007

Albert Einstein

'The world is a dangerous place,
not because of those who do evil,
but because of those who look on and do nothing.'

Die Welt ist ein gefährlicher Ort,
nicht wegen denen, die schlimme Dinge tun,
sondern wegen denen, die das sehen und nichts tun.

** Albert Einstein **

Er hat absolut recht.

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Mittwoch, 7. November 2007

"Der Zivildienst ist kontraproduktiv."

Man, war das ein Thema Anfang der 80'er, als ich mich entscheiden musste:
Wehr- oder Zivildienst?
Zivildienst war für mich relativ schnell klar, aber es wurde schwierig, das auch durchzubekommen. Seitenlange Begründungen musste ich schreiben, viele Gespräche führen und 3 Verhandlungen überstehen, bis ich in Rotenburg a.d.Wümme im Krankenhaus im November '84 meinen Zivildienst antreten konnte.
Aber dieses Procedere hat mich auch gefordert und gestärkt, ich musste mich mit vielen, auch fiesen Fragen (ja, es gab sie wirklich: Freundin wird von einem bewaffneten Mann bedroht, sie haben eine Waffe: was tun sie???) auseinandersetzen.

Heute steht der Zivildienst vor allem auf Grund seiner kurzen Dauer und auch der Kosten in der Debatte. Stattdessen bekommen die freiwilligen Dienste einen Aufschwung. Diese Annahme wird abgeleitet aus den Erfahrungen mit dem freiwillig sozialen Jahr und dem freiwillig ökologischen Jahr. Es gibt pro Jahr 5000 Plätze, die besetzt werden können. Es gibt aber weitaus mehr Nachfragen. Und das, obwohl wenig Werbung dafür gemacht wird.
Angenommen, die Bundesregierung und sämtliche Träger würden offensiv für solche freiwilligen Dienste werben; angenommen diese Freiwilligendienste würden dann im Studium bestimmte Anerkennungen bekommen, dann würden viele junge Menschen diese Gelegenheit nutzen. Sei es als Phase der Orientierung oder um etwas Neues kennen zu lernen.


aus glaube24.de "Der Zivildienst ist kontraproduktiv."

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Montag, 5. November 2007

EKD-Synode in Dresden

Ich habe heute morgen einen guten Vers gelesen:
2.Kor.10,7:
Schaut auf das, was vor Augen liegt. Wenn jemand überzeugt ist, Christus zu gehören, dann soll er doch auch bedenken, dass nicht nur er, sondern auch wir Christus gehören.

Wenn die EKD also eine "innere Reformation" plant, sollte uns alle interessieren, was da passiert.

Daher hier ein paar Gedanken vom Ratsvorsitzenden der EKD, Bischof Wolfgang Huber:
Die evangelische Kirche bejahe die freie Religionsausübung von Muslimen, dies sei in letzter Zeit besonders an der Frage des Moscheebaus zu verdeutlichen gewesen. Allerdings "schließt das Ja zum Bau von Moscheen die kritische Auseinandersetzung über den Ort und die Größe, die Gestaltung oder die Anzahl nicht aus", so Huber. Der Ratsvorsitzende warnte davor, kritische Äußerungen in diesem Zusammenhang mit islamophoben oder sogar rechtsextremen Einstellungen in Verbindung zu bringen. Er halte es zudem für unangebracht, evangelikalen Christen eine übertrieben islamkritische Meinung zu attestieren.
Grundlegend sei die kirchliche Bejahung der religiösen Pluralität und Religionsfreiheit. Zwar mache die EKD ihr "Ja zur freien Religionsausübung von Muslimen nicht von der Frage abhängig, ob islamisch dominierte Länder den dort lebenden Christen Religionsfreiheit gewähren und auch den Übertritt zum Christentum als Ausdruck der Religionsfreiheit achten". Jedoch trete die evangelische Kirche "nachdrücklich für die Religionsfreiheit als universales Menschenrecht ein", so Huber in seinem Bericht. "Wir finden uns nicht damit ab, dass es insbesondere Christen sind, die in der heutigen Welt unter Einschränkungen und Verletzungen dieses Menschenrechts zu leiden haben."
Huber wies zudem die Kritik des Koordinierungsrates der Muslime als auch von Seiten der Wissenschaftler zurück, die die Handreichung "Klarheit und gute Nachbarschaft" als einen Versuch der EKD gedeutet haben, sich "gegen den Islam zu profilieren". Muslime hatten insbesondere die Aussagen der Handreichung zur Mission kritisiert.
Vom Koordinierungsrat der Muslime wurde gefordert, die EKD solle das Verhältnis zum Islam in Entsprechung zum jüdisch-christlichen Verhältnis betrachten und damit auf Mission verzichten. Dem erteilte Huber eine deutliche Absage. Das Verhältnis zwischen Christen und Juden sei einzigartig, wie dies von der Synode im Jahr 2000 ausgedrückt worden sei. "Unsere Erwählung in Christus ist Erwählung durch denselben Gott, der sein Volk Israel erwählt hat", heißt es in der Kundgebung. Diese Einzigartigkeit der Beziehung zwischen Christen und Juden sei nicht auf den Dialog mit Muslimen übertragbar. "Es trifft deshalb nicht zu", so Huber, " wenn das Verhältnis zwischen Christen und Juden zur Begründung dafür herangezogen wird, dass man auch im Dialog mit Muslimen das Christusbekenntnis und damit das trinitarische Gottesverständnis zurücktreten lassen müsse." (...)

Huber nahm in seinem Ratsbericht zudem ausführlich Stellung zum "Schöpfungsglaube als Thema neuer weltanschaulicher Konflikte". Der Ratsvorsitzende wies dabei die Auslegung und Ansicht von sich, die Schöpfung habe sich so ereignet wie in der Bibel beschrieben. Glaube und Wissenschaft könnten nicht gegeneinander ausgespielt werden, wie dies unter den Begriffen "Kreationismus" oder "Intelligent Design" geschehe. "Dabei wird mit biblischen Texten in einer Weise umgegangen, als habe es die Entwicklung der Theologie insbesondere in ihrer durch die Reformation angestoßenen wissenschaftlichen Gestalt nie gegeben", so Huber. Die biblischen Schöpfungsberichte könnten nicht zu einer "quasiwissenschaftlichen Welterklärungstheorie" gemacht werden.
Unter Berufung auf Aussagen des Evolutionsbiologen Ulrich Kutschera meinte Huber, Kreationisten hätten die Absicht, dass in Schulen nicht die Evolutionstheorie, sondern eine biblische Weltanschauung gelehrt werde. Der Glaube an den Schöpfer werde so jedoch zu einer pseudowissenschaftlichen Weltanschauung. In diesem Zusammenhang sieht Huber eine grundlegende Herausforderung etwa durch Publikationen erklärter Atheisten. Der Evolutionsbiologe und Autor Richard Dawkins habe sich mit seinem Buch "Der Gotteswahn" an die Spitze einer Bewegung gesetzt, die die Religion als ein Weltbild kritisiere, das einem vorwissenschaftlichen Zeitalter angehöre und mit dem "Siegeszug des wissenschaftlichen Bewusstseins" zum Verschwinden komme. "Weil sich dieses Verständnis nicht von selbst einstellt, muss es durch einen weltanschaulichen Kampf vorangetrieben werden", so Huber.
"Der grundlegende Fehler in dieser Debatte liegt darin, dass der Schöpfungsglaube nicht als Thema des Glaubens, sondern des Wissens angesehen wird." Glaube verleihe dem Leben Sinn und richte sich auf die Wirklichkeit im Ganzen. "Unter Wissen dagegen ist in solchen Fällen das Erfahrungswissen zu verstehen, das wir mit den Mitteln von Beobachtung und Experiment erwerben", so der Ratsvorsitzende. Glaube und Wissen stünden damit jedoch nicht beziehungslos gegenüber und würden nicht voneinander getrennt. Doch die Bibel sei kein Naturkundebuch und gleichzeitig könne die Naturwissenschaft keine Aussagen über Gott machen.
Einer "kommenden Debatte" mit Evangelikalen über den Standpunkt der EKD zum Verständnis der Entstehung der Welt steht Huber gelassen gegenüber. Im Gegenteil, der Ratsvorsitzende befürworte eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Schöpfungsglauben.

aus Medienmagazin "pro" Islam oder Kreationismus: Kirche gibt sich "unverzagt und ohne Grauen"

Ich finde diese Gedanken überwiegend positiv und freue mich über die klaren Worte und auch Positionen, die Bischof Huber bezieht und eben nicht in ein Multi-Kulti-wir-glauben-doch-alle-an-den-gleichen-Gott verfällt.

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Freitag, 2. November 2007

Magazin-Werbung: Grenze überschritten

Ein neues Lifestyle-Magazin namens "Deutsch" soll auf den Markt gebracht werden.
Wie kann die Werbeagentur dies am Besten tun? Richtig! Durch Provokation und Tabubruch.
Nur diesmal geht es so weit, dass einem was im Halse stecken bleibt.
Eine blonde Frau und ein Schäferhund in eindeutiger Postion. Die Werbeagentur dazu: "In der Kampagne sieht jeder, was er sehen will."

Unter den Reaktionen auf der Webseite von Jung von Matt/Neckar schreibt Katharina: „(...) trifft meine geheimsten Wünsche (...) das lässt auf die nächste sexuelle Revolution hoffen. Ich meine, wer sagt, dass Sodomie schlecht ist? Die Kirche? Na dann...“ Ein Hinweis am Rande: Für die Kampagne bei der Agentur verantwortlich sind mehrheitlich Frauen.

Abartig!!

aus factum-magazin.ch: Magazin-Werbung: Grenze überschritten
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Mittwoch, 31. Oktober 2007

Evangelikale Bewegung in den USA wird immer bunter

Auch ich habe längere Zeit gedacht, dass die Evangelikalen in den USA es ja ein wenig übertreiben. Vor allem das religiöse Gehabe eines amerikanischen Präsidenten ging mir ziemlich auf den Zeiger.

Aber ich bin einem Trend aufgesessen, der immer stärker wird: Alles in einen Topf zu werfen. Und außerdem sollten wir uns als Christen nicht auseinander dividieren lassen.

Die Evangelikalen in den USA sind weit mehr als das, was uns die Schreiber aller möglichen
Feuilletons weismachen wollen. Die verfahren nach der beliebten Journalisten-Weise, wenn einem etwas nicht passt:
Greife die Extreme und Randerscheinungen heraus, ziehe es professionell ins Lächerliche und schon ist das ganze Thema für die meisten Leser abgehakt.
In den letzten Jahren hat sich bei uns sowieso eine USA-Feindlichkeit breit gemacht, die - bei aller Klarheit amerikanischer Politik-Fehler - übertrieben ist. Und da werden sie die "konservativen, ewig-gestrigen, bei Harry-Potter-Büchern-Schrei-Anfälle-bekommenden Evangelikalen" gleich mit verhackstückt. Das passt vielen Kräften und Strömungen unserer Gesellschaft gut ins Bild.

Zum Glück gibt es auch bei uns Menschen, die diese Masche durchschauen und auch dagegen angehen.
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Hermann Gröhe (Neuss), der auch dem Rat der EKD angehört, äußerte den Wunsch, dass man in Deutschland zu einem differenzierten Bild der US-Evangelikalen gelange. Man solle aufhören, die evangelikale Bewegung zu dämonisieren, wie dies vor allem aufgrund ungeschickter Äußerungen von US-Präsident George W. Bush nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in Mode gekommen sei. Deutschland habe die Religion als Thema der Politik zu lange ignoriert. Gröhe: „Die Gottvergessenheit galt bei uns lange Zeit als Ausdruck von Aufgeklärtheit.“ Mittlerweile werde immer deutlicher, dass, „wer keine Ahnung von Religion hat, die Welt nicht versteht“, so Gröhe. Das zeige sich nicht nur in den USA, sondern auch in Russland, Indien und vielen islamischen Ländern.

aus IDEA.de Evangelikale Bewegung in den USA wird immer bunter
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„Hassprediger“-Vorwurf: Einstweilige Verfügung gegen Beck

Volker Beck wurde vom Landgericht Köln gerichtlich untersagt, Kardinal Meisner als "Hassprediger" (siehe Blog vom 29.10.07) zu bezeichnen.

Beck hatte seine Äußerungen zuvor bedauert, blieb aber bei seiner inhaltlichen Kritik.

Die Bundestagsfraktionschefin der Grünen, Renate Künast, rief ihre Partei zur Mäßigung auf. Persönliche Auseinandersetzungen in der Öffentlichkeit machten keinen Sinn, sagte Künast dem „Rheinischen Merkur“. Künast forderte von Beck, er „sollte schauen, dass er jetzt das Gespräch mit der katholischen Kirche sucht“.

Im Gegensatz zu Künast und Bütikofer forderte der nordrhein- westfälische Landesvorsitzende der Grünen, Arndt Klocke, auch von den eigenen Spitzenleuten „scharfe und energische Worte gegen die Ausbrüche Meisners“. Wenn der Begriff „Hassprediger“ auch „überspitzt“ gewesen sei, so sei doch nicht Becks Kritik falsch, sondern „der kritiklose Umgang mit solch schwer erträglichem Unsinn“: „Wer Schwangerschaftsabbrüche mit dem Holocaust in einem Atemzug nennt und im Zusammenhang von moderner Kunst von Entartung spricht, muss sich schärfste Kritik gefallen lassen.“

aus FAZ.net „Hassprediger“-Vorwurf: Einstweilige Verfügung gegen Beck
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Montag, 29. Oktober 2007

Hassprediger"-Attacke: Bistum prüft Klage gegen Beck

Volker Beck, seines Zeichens der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion, hat den Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner einen "Hassprediger" genannt.

Dieser widerum hatte in einer Predigt davon gesprochen, dass "die so genannten alternativen Modelle menschlichen sexuellen Zusammenlebens unwahr sind und darum für den Menschen im Kern verderblich."

Beck darauf weiterhin: Meisner spreche "ganzen Gruppen von Menschen die Existenzberechtigung ab".


Das Erzbistum prüft laut "Focus" nun rechtliche Schritte. Ein Sprecher erklärte, Meisner habe niemandem das Existenzrecht abgesprochen, sondern die Bedeutung von Ehe und Familie für die Gesellschaft unterstrichen. "Dies ist die ureigenste Aufgabe eines katholischen Bischofs".

aus Medienmagazin "pro": Hassprediger"-Attacke: Bistum prüft Klage gegen Beck

Jemanden, der christliche Werte und Wahrheiten ausspricht, einen "Hassprediger" zu nennen, ist schon ein starkes Stück. Dass jemand das so unverwidersprochen tun darf - mehrere Politiker distanzierten sich von Meisner -, ist kein gutes Zeichen für unser Land.
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Samstag, 27. Oktober 2007

Über Kai Diekmanns "Der große Selbst-Betrug"

Der Chef-Redakteur der "BILD"-Zeitung, Europas größer Boulevard-Zeitung schreibt ein Buch über Werte mit dem Titel "Der große Selbst-Betrug".

Moment mal, der Chef der "BILD"? Mit den nackten Frauen, dem billigen Anbiedern an die einfache deutsche Seele, die Zeitung mit dieser fürchterlichen Sensationsgier?
Der schreibt ein Buch über Werte ???

Wir sollten es uns als Christen nicht zu einfach machen. Jeder Christ steht an seinem Platz und braucht unsere Unterstützung und Gebete anstatt unsere schnellen Vorurteile.

Das Buch scheint lesenswert zu sein. Ein paar Auszüge aus dem u.g. Artikel:

Diekmann geht es um die Förderung von Familien und die Unterstützung von Müttern, die ihre Kinder erziehen. Er kritisiert die Panikmache durch Zukunftsängste vor Waldsterben, Atomkrieg und Erderwärmung, die manchen Paaren jeglichen Willen nimmt, überhaupt noch Kinder in die Welt zu setzen. Überhaupt sei die Individualisierung so weit vorangeschritten, dass Nachwuchs und Familiengründung von zahlreichen Frauen und Männern erst gar nicht als eine Option in Betracht gezogen würden.
Diekmann plädiert daher nicht nur dafür, statt auf Zukunftsängste auf "Gottvertrauen" zu setzen, wobei er berechtigt fragt: "Woher soll es auch kommen, wenn man an keinen Gott mehr glaubt?" Er fordert auch konkrete "praktische Zeichen dafür, dass Kinder in unserer Gesellschaft einen Stellenwert haben und dass wir wertschätzen, was Eltern leisten".
Unterstützung für Familien könne neben Steuererleichterungen und "Extra-Urlaub" etwa darin bestehen, dass alle Kinderprodukte den ermäßigten Steuersatz von 7 Prozent haben – "denn noch wird Hundefutter niedriger besteuert als Windeln".


Treffend widmet sich Kai Diekmann auch den Fragen des (Un-)Glaubens. "Wir sind Papst – oder doch nicht? Wie die Deutschen vom Glauben abfallen" hat er ein Kapitel seines Buches überschrieben, in dem er die Glaubensmüdigkeit der Deutschen beschreibt – und die Konsequenzen aus dem Desinteresse an protestantischer und katholischer Kirche aufzeigt.
Zum Beschluss des Bundesverfassungsgerichtes, der 1995 die Kruzifixe aus bayerischen Unterrichtsräumen verbannt hat, schreibt Diekmann: "Begreift man das Kreuz ausschließlich als Symbol des Christentums, kann man zur Ansicht der Bundesverfassungsrichter kommen. Wer aber das Kreuz als Ausdruck der abendländischen Kultur, unseres Menschen- und Weltbildes ansieht, dürfte eher zu einer anderen Entscheidung kommen. … Das Christentum ist nicht nur Religion, es ist als Grundlage unserer Kultur auch Basis unserer Maßstäbe, vieler gesetzlicher Normen, von Anstand und Sitte."


Genau dies jedoch finde in der Gesellschaft immer weniger Akzeptanz, stattdessen erntet "bestenfalls ein müdes Lächeln", wer Themen wie Religion oder Christentum anspreche. Der "dramatische Mitgliederschwund der Kirchen" werde betrachtet "wie der Niedergang von Faustball- oder Rhönradvereinen, als Angelegenheit ohne Bedeutung, als gesellschaftspolitische Marginalie". Weder in der Politik noch in Medien habe der Glaube eine Heimat, auch nicht in Europa. "Wer Atombomben bauen, wer den Plan der Schöpfung genetisch entschlüsseln kann, braucht vor lauter Gottähnlichkeit wohl keinen Gott mehr", konstatiert Diekmann. Unser Land aber "steht auf christlichen Fundamenten – Punkt. Wer das nicht will, sollte sich über die Verluste im Klaren sein."

aus Medienmagazin "pro" Ausgerechnet er? Unsinn! Über Kai Diekmanns "Der große Selbst-Betrug"
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