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Montag, 10. März 2008

Israel ist Schuld am Leid im Gaza-Streifen, denn einer muß ja Schuld sein

UPDATE vom 11.3.08 (s.u.)

Acht britische humanitäre Hilfsorganisationen beklagen das Leid der Palästinenser im Gaza-Streifen. Schuld daran ist natürlich ... Israel. Ein paar Fakten:

Humanitäre Hilfe für Gaza
Trotz der ständigen Raketenangriffe von Seiten palästinensischer Terroristen auf Ortschaften im westlichen Negev leistet Israel der Bevölkerung im Gaza-Streifen weiterhin in großem Ausmaß humanitäre Hilfe. Auch die Energiegrundversorgung ist gewährleistet. Im Folgenden einige aktuelle Angaben:

1. Strom:

Das Kraftwerk in Gaza liefert 60 Megawatt.
Die Umsetzung der ersten Kürzungsstufe in der Stromversorgung (die der Oberste Gerichtshof genehmigt hat) drückt sich in einer gegenwärtigen Verringerung von lediglich fünf Prozent der Strommenge aus, die durch eine von etwa zehn Stromleitungen fließt, durch die die Kraftwerke in Israel und Gaza miteinander verbunden sind.
Trotz der Kürzung können die Palästinenser den Strom in einer Weise weiterleiten, die die Versorgung lebenswichtiger Einrichtungen garantiert.

2. Treibstoff:

Der Oberste Gerichtshof hat für das humanitäre Minimum die folgenden Parameter festgelegt:

Industriebrennstoff für das Kraftwerk: 2.2 Millionen Liter pro Woche.
Gewöhnlicher Treibstoff: 800 000 Liter pro Woche.
Benzin: 75 400 Liter pro Woche.
Kochgas: Beinahe ohne Einschränkung.

Der Terminal in Nahal Oz ist geöffnet (außer im Falle direkten Beschusses oder von Drohungen) und der Gas- und Treibstofftransfer wird auf Handelsbasis (gemäß den Abwägungen des Versorgungsunternehmens) fortgesetzt.

Am 24.02 wurden 517 000 Liter Treibstoff und 281 Tonnen Heizgas geliefert.

3. Grenzübergänge:

Es muss hervorgehoben werden, dass die Übergänge im Schatten von täglichen Attacken mit Mörsergranaten, Scharfschützen und Kassam-Raketen arbeiten.

a.) Erez:

Der Übergang wird von Kranken und ihren Begleitern, Angehörigen internationaler Organisationen, Geschäftsleuten und anderen palästinensischen Bürgern passiert. Die Kriterien zum Passieren leiten sich aus dringenden humanitären Bedürfnissen ab.

Seit dem 16. Juni 2007 sind insgesamt 12 537 Kranke und Angehörige nach Israel eingereist, seit dem Grenzdurchbruch in Rafiah (18.01) 1766, am 24.02 waren es 77.
15 Angehörige internationaler Organisationen verließen am 24.02. den Gaza-Streifen, 25 reisten in ihn ein. Drei palästinensische Zivilisten reisten am selben Tag nach Israel, und drei ins Westjordanland ein.

b.) Übergänge zur Güterlieferung:

Insgesamt belief sich der Warentransfer seit dem 16. Juni auf 17 016 Lastwagen, die 391129 Tonnen von Gütern ausluden. In den vergangenen Monaten wurde wiederholt versucht, auf dem Weg der humanitären Lieferungen Material zu schmuggeln, das sich zur Herstellung von Kassam-Raketen eignet (z.B. Pottaschenitrat). Seitdem wurden die Kontrollen verschärft, was zu einem Rückgang der Lastwagenlieferungen geführt hat.

Kerem Shalom:
Dies ist der zentrale Übergang für den Warenverkehr zwischen Israel und dem Gaza-Streifen. Er befindet sich gänzlich auf israelischem Territorium und wurde als Verbindungspunkt zwischen Ägypten, Israel und Gaza errichtet.
Jüngst wurde der Übergang erweitert, um das Passieren von mehr als 100 Lastwagen täglich zu ermöglichen und den gesamten Transfer humanitärer Hilfslieferungen erledigen zu können. Der Übergang ist täglichem Beschuss ausgesetzt, weswegen er häufig kurzzeitig geschlossen werden muss (so am 24.01). Seit dem 16. Juni 2007 luden 4740 Lastwagen hier Waren für Gaza ab.

Sufa:
Dieser Alternativ-Übergang zu Kerem Shalom dient dem Transfer zusätzlicher Lastwagen nach Gaza und mitunter auch dem Warentransfer von dort. Am 24.02 wurden hier 56 Lastwagen abgefertigt. Seit dem 16. Juni 2007 luden 7914 Lastwagen Waren aus.

Karni:
Hier wurde ein Förderband eingerichtet für den Umschlag von Baumaterial und Aggregaten. Das Förderband wird - ohne dass beide Seiten direkt miteinander in Kontakt kommen - zur Einfuhr lebenswichtiger Güter nach Gaza eingesetzt, von Getreide und Tieren. Seit dem 16. Juli 2007 luden 3462 Lastwagen am Übergang Ware aus.

Bei den insgesamt gelieferten Gütern handelt es sich vorwiegend um Milchpulver und Babynahrung, getrocknete und frische Lebensmittel, Hygieneartikel, medizinisches Gerät und Medikamente, Tierfutter und Bestellungen der internationalen Organisationen, die sich um die Versorgung der Bevölkerung kümmern (wie UNRA, WHO, WFP, IRK u.a.).

Zusätzlich dazu prüft der Koordinator der israelischen Regierung in den Gebieten jede Woche die Bedürfnisse, wie sie von Vertretern der internationalen Organisationen präsentiert werden. Seine Empfehlungen werden an das Verteidigungsministerium weiter geleitet. Von der Stufe des Koordinierungs- und Verbindungsbüros in Gaza bis hinauf zum Verteidigungsminister ist Israel der Position des Obersten Gerichtshofs verpflichtet, der zufolge die Einfuhr grundlegender humanitärer Hilfe in den Gaza-Streifen gewährleistet sein muss. Dies schlägt sich vor Ort in den täglichen Entscheidungen über die Ausreise von Menschen und die Einfuhr von Waren nieder.

Der Durchbruch der Grenze zu Ägypten hat den Export landwirtschaftlicher Produkte (z.B. Blumen und Erdbeeren) aus dem Gaza-Streifen abgebrochen. Aufgrund der wachsenden Sorge vor der Ausbreitung von Tierkrankheiten hat das Landwirtschaftsministerium in Abstimmung mit dem Regierungskoordinator in den Gebieten beschlossen, 45 000 Impfungen gegen Tierkrankheiten wie die Maul- und Klauenseuche zu liefern.

UPDATE 11.03.2008
Ein weitere Einschätzung der Hintergründe, warum sich die 8 NGOs beschweren liefert folgende Website: http://spiritofentebbe.wordpress.com:
"Zu diesem Bericht [der 8 NGOs] nahmen heute auf Einladung der Jerusalemer Organisation Media Central der ehemalige Vorsitzende der Israel-Sektion von Amnesty International, Dr. Michael Ehrlich, und Professor Gerald Steinberg, Geschäftsführer von NGO Monitor (eine Organisation mit besten Referenzen) :-), bei einer Pressekonferenz Stellung."

Unglaublich, aber leider wahr: Hilfsorganisationen, denen per se ein gewisses Vertrauen entgegengebracht und denen Neutralität unterstellt wird, setzten auf Grund ihrer politischen Agenda irreführende Fakten in die Welt.

Unter www.ngo-monitor.org läßt sich übrigens etwas über diese NGOs und ihre Pressestimmen nachlesen.

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Donnerstag, 28. Februar 2008

Die Beschützer der "roten Heidi"

Von Ulrich W. Sahm

Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel erfährt keine derart offen getragene Ehre wie die Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Heidi Wieczorek-Zeul, beim Besuch im Heiligen Land. Drei deutsche Polizisten in voller Montur, mit grünen schusssicheren Jacken und aufgeklebtem "Polizei"-Schild in leuchtenden weißen Lettern sowie einer Pistole im Halfter boten der Ministerin den Personenschutz. Ein vierter unauffälliger Herr verneinte, mitgereister Journalist zu sein. "Ich bin vom BKA." Zur Frage, wieso er denn keine so auffällige schusssichere Jacke trage, klopfte er sich auf die Brust: "Die trage ich unter dem Hemd."

Zwei Männer mit kurzgeschorenen Haaren und eine junge Frau waren als Polizisten mitgereist, während sich Personenschützer der Bundeskanzlerin oder des Außenministers bei ihren Israel und Palästina-Besuchen mit ihren dunklen Anzügen unauffällig unter die Diplomaten und Beamten mischen können.

Die Polizistin trug zudem an ihrer grünen Jacke einen Metallabzeichen, das nicht zum Standard deutscher Uniformen zählt: überkreuzte Flaggen Deutschlands und Palästinas. "Bei unserem ersten Termin in Israel hatten wir vergessen, die Polizeischilder vom Rücken und der Brust abzunehmen. Danach hatten wir sie einfach draufgelassen", erzählt sie. Das offene Tragen der Dienstwaffe sei "abgesprochen". Doch bei einem Besuch in Pakistan seien sie und ihre Kollegen in ernsthafte Schwierigkeiten geraten. "Dort mussten wir die Waffe versteckt unter der Jacke tragen."

Entsprechend wohlgeschützt erschien die Ministerin im gepanzerten Mercedes der deutschen diplomatischen Repräsentanz in Ramallah beim Jerusalemer Ambassador-Hotel. "Gestern habe ich Israel besucht", hob die Ministerin an. "Heute ist Palästina an der Reihe", fuhr sie fort, während hinter ihr die deutsche, die europäische und die Flagge Palästinas aufgestellt waren. Die Bundesrepublik anerkennt zwar nicht die israelische Annexion des ehemals jordanischen Teils der Stadt Jerusalem. Aber noch gibt es keinen Staat Palästina mit Jerusalem als Hauptstadt. Unter dem Hoheitszeichen des künftigen Staates auf israelischem Territorium eine Pressekonferenz abzuhalten, zählt nicht zu den üblichen diplomatischen Gepflogenheiten.

Die Ministerin erzählte, am Dienstag den israelischen Präsidenten Schimon Peres getroffen und die von Raketen der Hamas beschossene Stadt Sderot nahe dem Gazastreifen besucht zu haben. Doch im Zentrum ihres Besuches stand eher "Palästina", wo sie im Flüchtlingslager Dschalasoun eine Mädchenschule und Entwicklungsprojekte besucht hat. Sie verkündete die Finanzierung palästinensischer "Reformprogramme" mit 200 Millionen Euro und hatte 200.000 Euro "Nahrungsmittelhilfe", der Flüchtlingshilfeorganisation UNWRA übergeben.

Ein Teil der neuen deutschen Hilfsgelder solle auch "zu den Menschen" in dem von der Hamas beherrschten Gazastreifen fließen. Der vermittelnde Partner sei die UNO-Organisation UNDP. Mit unverbindlichen diplomatischen Formeln pochte sie auf einer Fortsetzung des Friedensprozesses, der in Annapolis einen Anstoß erhalten habe. Beide Seiten müssten die Vorgaben der "Roadmap" erfüllen. Ausdrücklich erwähnte sie einen Baustopp der israelischen Siedlungen und den Abriss israelischer Straßensperren im Westjordanland, weil die eine wirtschaftliche Entwicklung der Palästinenser behindern.

Zwar sagte sie, dass die Palästinenser die "Sicherheit Israels" respektieren müssten, aber die Ursachen für die Errichtung der Straßensperren wie des Sperrwalls mitsamt Zaun und Mauer, ließ die Ministerin unerwähnt.

Vielmehr stellte sie eine bislang nicht gehörte Forderung in den Raum: Israel sollte heute schon den Palästinensern die "Sicherung der Grenzen Palästinas" überlassen.

Diese Linken, diese Träumer ... Oh man!

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Mittwoch, 27. Februar 2008

2-Klassen-Terror: sinnloser (Rest der Welt) und unvermeidbarer (Israel u.a. Besatzer)

So sieht er aus, der moderne Antisemitismus ...

Und nebenbei: Terror nach Sinnhaftigkeit zu unterscheiden, ist totaler Unsinn. Terror bleibt Terror. Unschuldige Menschen sterben, der Gegner soll eingeschüchtert und paralysiert werden.
Wenn Menschen "für eine gute Sache" umgebracht werden, sind sie genauso tot wie bei anderen Motiven. Wer definiert denn, was eine "gute Sache" ist?
Wer im Kampf gegen (auf seiner Sicht stattfindendes) Unrecht auf Terror setzt, setzt eine Eskalation in Gang, die meistens in einem sinnlosen Gemetzel endet, bei dem keiner mehr weiß, wer mehr Schuld auf sich geladen hat, in dem gelogen und betrogen (auch die eigenen Leute) wird und man sich nur noch - für seine eigene Rechtfertigung - darum streitet, wer angefangen hat.
Wo ist also bitteschön der Sinn einer Unterteilung in gerechten und ungerechten - darauf läuft es doch hinaus - Terror???

UN-Experte nennt palästinensischen Terror «unvermeidbar»

Ein UN-Menschenrechtsexperte hat den palästinensischen Terrorismus in einem Bericht als «unvermeidbare Folge» der israelischen Besatzung bezeichnet. Israels UN-Botschafter in Genf, Jizchak Levanon, kritisierte den Bericht scharf und warf dem Autor vor, den Hass zwischen Israelis und Palästinensern zu schüren.

Der im Auftrag des Uno-Menschenrechtsrats erstellte Report des südafrikanischen Anwalts John Dugard soll im März offiziell vorgelegt werden. Er wurde aber bereits am Dienstag auf der Website des Gremiums veröffentlicht.

Dugard schreibt in seinem Bericht, es müsse unterschieden werden zwischen sinnlosen Terrorakten etwa von der Kaida und Gewalttaten im Rahmen einen Befreiungskrieges gegen Kolonialherrschaft, Apartheid oder militärische Besatzung. Zwar seien die Terrorakte der Palästinenser zu verurteilen, sie müssten aber verstanden werden als «eine schmerzliche, aber unvermeidbare Folge» der israelischen Besatzung, heisst es in dem 25-seitigen Report.

Dugard hat bereits in den vergangenen Jahren das israelische Vorgehen in den palästinensischen Autonomiegebieten scharf kritisiert. Im vergangenen Jahr verglich er die israelische Politik dort mit der Apartheid in Südafrika. Dugard wurde 2001 von der UN-Menschenrechtskommission, dem Vorgänger des Menschenrechtsrats, mit der Untersuchung möglicher Verstösse in den palästinensischen Gebieten und Israel eingesetzt. Israel und die USA weisen seine Berichte regelmässig als einseitig zurück.

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Mittwoch, 20. Februar 2008

2 Freunde in Sderot und dem Gaza-Streifen

Ich möchte Euch einen englischsprachigen Blog empfehlen, der es in sich hat:
http://gaza-sderot.blogspot.com/

Dort schreiben ein ca. 30-jähriger Palästinenser (peace man), der in einem Flüchtlingslager lebt und ein ca. 40-jähriger Israeli (hope man) aus Sderot (beide wollen anonym bleiben) über ihren Alltag und ihre Erlebnisse.
Das Herausstechende dabei ist: Sie sind echte Freunde. Und sie schreiben Dinge, die man in den Medien nicht unbedingt liest.
Aber es wird auch eine gewisse Hilflosigkeit deutlich - genauso auch ein Mißtrauen gegenüber den Politikern, den Medien und allen Umfragen, die jeder so interpretiert, wie er will.
So schreibt "peace man" in einem Kommentar: That’s what the media says ,but in fact is different ,am sorry I don’t believe the media in both side because thy have there own agenda .
I have read many poll ,and I never believe them and I said I don’t believe the media.


Auf der anderen Seite hat man keine Garantie, dass alles richtig ist, was die beiden dort schreiben.
Aber es ist trotzdem sehr interessant, auch mal Meinungen von direkt Betroffenen zu hören!

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Dienstag, 19. Februar 2008

Israel und Deutsche - Antisemitismus, Antizionismis oder vernünftige Kritik?

Eine Gruppe deutscher Akademiker hat die Bundesregierung aufgefordert, die "im Holocaust wurzelnde blinde Unterstützung für Israel" zu beenden. Die vier Wissenschaftler nahmen am Montag an einem Diskussionsabend in der israelischen Küstenstadt Netanja teil. Sie gehören zu den 25 Unterzeichnern eines israelkritischen Manifests, das nach dem Zweiten Libanonkrieg veröffentlicht wurde.

Die Diskussion, wie man als Mensch Israel und Juden gegenüber auftritt und sich äußert, ist schon an sich eine spannende.
Da wird auf der einen Seite der Antisemitismus als eine angeblich vernünftige Kritik oder als Antizionismus (Juden ja, Israel nein) getarnt.
Offen geäußerter Antisemitismus ist übrigens keine Seltenheit (siehe Irans Präsident Ahmadinedschad und die arabische Welt)! Aber viele versuchen ihn doch schamhaft zu verbergen (die deutsche Linke tarnt ihn gerne als Antizionismus).

Auf der anderen Seite gibt es - sagen wir mal sehr sensible - Juden wie auch Nichtjuden, die schnell den Antisemitismus wittern, wenn auch nur ein falsches Wort gesagt wird.
Vernünftige und konstruktive Kritik hat in dieser Konstellation einen schweren Stand.

Noch spannender wird es, wenn man ein Deutscher ist und dazu auch ein Christ. Denn Israel und Deutschland verbindet genauso eine besondere Beziehung wie Christen und Israel - im Guten wie im Schlechten.
Und auch hier wird polarisiert: Die einen werfen der Bundesregierung eine "blinde Unterstützung" vor und regen sich darüber auf, dass "deutsche Schuldgefühle hinsichtlich des Holocaust manipuliert [werden]", die anderen sehen Deutschland in einer ewigen Schuld gegenüber Israel und neigen zu einer wenig realitätsnahen Romantik.

Aber hier stellen sich 4 deutsche Wissenschaftler hin und verkünden auf einer Konferenz in! Israel, dass

  1. "die 'im Holocaust wurzelnde blinde Unterstützung für Israel' zu beenden" sei.
  2. die deutsche Verantwortung gegenüber den Palästinensern "eine Seite der Folgen des Holocaust [ist], die viel zu wenig Aufmerksamkeit erhält".
  3. ohne die Judenvernichtung der NS-Zeit Israel nach Auffassung der Unterzeichner nicht soviel materielle und politische Hilfe aus den USA erhalten hätte.
  4. wir "als Deutsche nicht nur eine Verantwortung für Israels Existenz teilen, sondern auch für die Lebensbedingungen des palästinensischen Volkes."
  5. der Holocaust werde von Israel und Deutschland zur politischen Manipulation verwendet werde.
Die Antwort der Israelis:
"Gleichzeitig ist dieses Manifest ein Versuch, deutsche Schuldgefühle hinsichtlich des Holocaust zu manipulieren, indem man sie auf die Palästinenser überträgt." Dabei sollten sich Deutsche, die sich schuldig fühlten, lieber an Polen, Niederländer und Juden wenden. "Es besteht kein Bedarf, so weit zu gehen, dass man sich für das schuldig fühlt, was mit den Palästinensern passiert."
Zu den vier deutschen Akademikern sagte der Israeli: "Sie sind in der Minderheit, aber sie lehren junge deutsche Geister, und wir können es uns nicht leisten, ihre Kritik als Antisemitismus abzutun. Wir müssen uns ihr entgegenstellen."

Ich habe selten die Ansicht angetroffen, dass wir als Deutsche Israel "blind" unterstützen. Davon kann hier keine Rede sein.
Im Gegenteil: Schaut man sich gewisse und durchaus einflußreiche Strömungen in Deutschland an, lebt der Antisemitismus in Deutschland und Israel kann sich weder über zu wenig Kritik und seltsam-romantisch Hinwendung mancher Deutscher zu den Palästinensern beklagen noch die Palästinenser über fehlende deutsche Solidarität (inklusive vieler €) und Blauäugigkeit.
Das einzige, was man sagen kann, ist: Der Antisemitismus zeigt sein Angesicht in Deutschland noch nicht so offenherzig wie in anderen Ländern dieser Welt.
Wenn sich 4 Wissenschaftler (philosophische Anthropologie / Frieden und Konfliktlösung) hinstellen und der deutschen Bundesregierung einerseits eine blinde Unterstützung für Israel vorwerfen und andererseits eine stärkere für die Palästinenser fordern, ist das unausgewogen und daher falsch.

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Sonntag, 10. Februar 2008

Olmert kommt nach Deutschland

Israels PM Olmert kommt nach Deutschland und natürlich beschäftigen sich deutsche und israelische Medien mit dem Besuch.

Was sind die kritischen Punkte?
1. Natürlich - der Nahost-Konflikt.

Interessanter sind aber vielleicht die anderen Themen:
2. Das iranische Atomprogramm und seine Drohungen gegen Israel
Die neue UN-Sanktionen, die möglicherweise gar nicht von allen im Sicherheitsrat angenommen werden, werden auf jeden Fall den florierenden Handel zwischen Deutschland und Iran nicht behindern . Deutschland war in der Europäische Union der größte Exporteur in den Iran und 2007 (3,5 Milliarden Euro Warenwert), verkauften sie für fast 1,5 Milliarden Euro Engineering-Produkte und High-Tech-Geräte, zwei Kategorien, die sich in der Grauzone von "Dual-use-Technologie" bewegen. Das ist "Made in Germany"-Ware, die entweder für eine nicht-militärische Nutzung oder für die Schaffung eines nuklearen Waffenarsenal angewendet werden können.
Ende Januar hat der deutsche Maschinenbau-Riese Siemens, der im "Dual-Use-Energie"- und im medizinischen Sektor im Iran aktiv ist, eingeräumt, dass er für 19 Millionen Euro iranische Amtsträger bestochen hat, um Geschäfte zu machen. Die genaue Art der quid pro quo im deutsch-iranischen Bestechungsskandal bleibt ein Geheimnis.)

Dieser Abschnitt stand übrigens nicht in der deutschen Zeitung!! 3,5 Milliarden €. Viel Geld. Kein Wunder, dass deutsche Politiker so zögerlich gegen den Iran vorgehen, oder?

3. Die Verwunderung der israelischen Seite, dass in Deutschland die Drohung des Irans, Israel von der Landkarte zu fegen, immer noch heruntergespielt wird. Gerade Deutschland sollte da etwas mehr Fantasie haben! Aber: Siehe Punkt 2.

4. Jährliche Konsultationen
Bei dem Besuch Olmerts in Berlin werden nach Merkels Worten die deutsch-israelischen Regierungskonsultationen im März dieses Jahres in Jerusalem vorbereitet. Anlässlich des 60. Gründungsjahrestages Israels solle mit jährlichen Beratungen begonnen werden.
Die Fachminister sollen eine Reihe von bilateralen Projekten beraten, «die ganz wesentlich auch in die Zukunft blicken».

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Palästinensische Selbstmordattentäterinnen - ein interessanter Einblick

Die israelische Regisseurin Natalie Assouline hat über zwei Jahre Palästinenserinnen begleitet, die nach gescheiterten Selbstmordanschlägen in Israel inhaftiert wurden. Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE spricht die Regisseurin über ihren Berlinale-Film "Shahida – Bräute Allahs".

Assouline: (...) Reue ist bei den Täterinnen kaum zu entwickeln. Im Gegenteil wird ihre religiöse Überzeugung, richtig gehandelt zu haben, unter ihresgleichen noch stärker. Sie fühlen sich im Gefängnis freier denn je, nicht mehr gesellschaftlich unterdrückt oder mit zu hohen Erwartungen konfrontiert. Manche Frauen haben mir gestanden, absichtlich die Verhaftung provoziert zu haben – nur um ihrem sozialen Umfeld zu entfliehen.

SPIEGEL ONLINE: Aus welchen gesellschaftlichen Schichten kommen die von Ihnen porträtierten Frauen?

Assouline: Sie kommen aus der Unter- und Mittelschicht. In einer Gesellschaft, die hohen Wert auf Anpassung legt und Frauen so gut wie keine Freiräume zugesteht passten die meisten von ihnen nicht in die weibliche Norm. Mit ihren Attentaten verbanden sie die Hoffnung auf größere Akzeptanz.

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Dienstag, 5. Februar 2008

Iran: Ungeschminkt - wie wir es schon kennen, aber es keiner hören will

Ayatollah Ahmad Jannati ist nicht irgendwer im Iran. Er ist Vorsitzender des totalitären Organs des Wächterrates. Er kritisierte die arabischen Regierungen, die den US-Präsidenten überhaupt einladen. In seinem Freitagsgebet am 25. Januar sagte er über den US-amerikanischen Präsidenten: „Dieser kleine Mann kommt in islamische Länder und anstatt dass ihr ihn mit einem Schwert köpft, gebt ihr ihm auch noch ein Schwert.“
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Ahmadinedschad propagiert den „Export der Kultur des Märtyrertodes für die ganze Welt.“ Dies ist nicht mehr und nicht weniger als dass ein Präsident eines UNO-Staates den Export des Terrorismus propagiert.

Iran: Der Ernstfall
von Wahied Wahdat-Hagh, Kolumnist für WELT DEBATTE

Zum ersten Mal hat ein Oberbefehlshaber der iranischen Revolutionsgarden ein Interview in einem ausländischen Fernsehsender gegeben. General Mohammad Ali Dschafari warnte die Vereinigten Staaten von Amerika. Die islamische Einheit könne die größte Macht der Welt erzeugen, sagte er in Al Jazeera.

Auf die Frage was General Dschafari vom Besuch des Präsidenten Bush Anfang Januar im Mittleren Osten halte, antwortete dieser: Die US-Regierung habe zunächst versucht Iran und seine muslimisch-arabischen Nachbarn zu spalten. Die Reisen des Präsidenten Ahmadinedschad haben aber dazu geführt, dass die Einheit des Iran und dessen Nachbarn gestärkt werde. Daher seien inzwischen die Sorgen der amerikanischen Regierung gestiegen. Der iranische General fährt fort: „Danach entschied sich der amerikanische Präsident die Region zu besuchen und seine Lügen, die wir seit 30 Jahren kennen, weiter zu verbreiten. Ohne Zweifel war das Ziel dieser Reise die Spaltung des Iran von den Ländern in der Region.“ Zudem habe der Präsident das „Jerusalem besetzende Regime“, gemeint ist Israel, unterstützen wollen.

General Dschafari geht davon aus, dass für den Iran infolge der Reise des amerikanischen Präsidenten „keine neuen Sicherheitsprobleme“ entstanden seien. Denn Iran sei ein zu mächtiger Staat. General Dschafari ist davon überzeugt, dass Bush nicht in den Mittleren Osten gereist sei, um einen Krieg vorzubereiten. Denn die US-Politik habe eine große Niederlage erlitten, wegen der Stellungnahmen der Internationalen Atomenergiebehörde, aber auch infolge des Berichtes der 16 US-amerikanischen Geheimdienste. Diese hatten berichtet, dass der Iran sein militärisches Atomprogramm gestoppt habe.

Dem iranischen General zufolge ginge es dem amerikanischen Präsidenten nicht um den Iran, aber eher um Israel. Präsident Bush habe das Ziel verfolgt die arabischen Regierungen unter Druck zu setzen, damit sie schweigen, wenn die Israelis den Gaza-Streifen „umzingeln.“
Dschafari wurde gefragt, wie sich die militärische Macht des Iran darstelle. Er wich aus und hob die „moralische Macht des Islam“ hervor, die unter Führung von Ayatollah Khomeini zur „Wachsamkeit“ der islamischen Welt geführt habe. Der General sagte: „Die islamische Einheit und die Wachsamkeit kann die größte Macht erzeugen, insbesondere wenn diese Macht sich im Rahmen einer Regierung, eines Herrschaftssystems und einer Ummat befindet.“ Der iranische General glaubt, dass der Westen deswegen seit dem Sieg der „Islamischen Revolution im Iran“ sehr besorgt sei.
Historische Fakten sprechen aber eine andere Sprache. Die Wahrscheinlichkeit, dass die islamische Welt unter die Führung des iranischen Regimes gerät, ist kaum gegeben.

Dschafari sagt, er würde nie von den „materiellen und militärischen Möglichkeiten des Iran und von dessen Waffen sprechen.“ Aber die Amerikaner würden stets ihre materielle und militärische Macht hervortun. Die US-Amerikaner seien „alte Feinde der islamischen Revolution.“ Aber die vermeintliche Masse der Anhänger der Islamischen Revolution spielt für den iranischen General eine unterstützende und erwähnenswerte Rolle. In der Tat könne eine große Macht aus dem Sieg der islamischen Revolution erwachsen. Denn die Unterstützer dieser Revolution seien vor allem die iranische Bevölkerung und hinzu kämen die Muslime anderer Regionen dieser Welt.

Auf die Frage, was der Iran machen werde, falls die USA den Iran angreifen würden, erinnerte der iranische General an das Durchhaltevermögen der Iraner im achtjährigen Krieg gegen den Irak. Iran beherrsche zwar nicht die militärische Stärke des Westens, sei aber bereit sich um jeden Preis zu verteidigen. Dschafari antwortete auf die Frage, wie sich die iranische Regierung verhalte, falls die USA den Iran militärisch aus einem benachbarten Land angreifen würden, wie folgt: „Es ist unser natürliches Recht einen solchen Angriff zu beantworten. Ich kenne die Sorgen der Nachbarstaaten. Auf jeden Fall sind dort US-amerikanische Militärs stationiert. Es ist jedenfalls unser Recht mit allen Mitteln, ob mit Raketen oder anderen Waffen zu antworten.“

Das iranische Militär würde dennoch darauf achten die arabische Zivilbevölkerung zu schützen und nur amerikanische Ziele anvisieren. Die technologische Entwicklung der iranischen Armee würde den Iranern durchaus erlauben zielgenau zu treffen. Der General schloss das Interview mit folgendem Satz: „Wir alle glauben, dass Amerika der Feind aller Muslime ist und es ist unsere Pflicht uns gegen die Weltarroganz zu erheben und diese niederzuwerfen. Es ist auch die Pflicht aller Muslime jedem muslimischen Land zur Hilfe zu kommen, wenn dieses von Amerika angegriffen wird.“ Die Zeitschrift der iranischen Revolutionsgarden veröffentlichte das oben zusammengefasste Interview am 28. Januar.
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Ayatollah Ahmad Jannati ist nicht irgendwer im Iran. Er ist Vorsitzender des totalitären Organs des Wächterrates. Er kritisierte die arabischen Regierungen, die den US-Präsidenten überhaupt einladen. In seinem Freitagsgebet am 25. Januar sagte er über den US-amerikanischen Präsidenten: „Dieser kleine Mann kommt in islamische Länder und anstatt dass ihr ihn mit einem Schwert köpft, gebt ihr ihm auch noch ein Schwert.“

Und ein iranischer Militärexperte meint, dass im Ernstfall Iran kraft seiner Mittelstreckenraketen, die eine Reichweite zwischen 2500-3000 km haben mindestens die Hälfte von Israel zerstören könnte, zumal die Hisbollah dem Iran in einer kriegerischen Auseinandersetzung beistehen würde.

Immerhin ist sich auch der iranische Präsident Ahmadinedschad sicher, dass Israel es „nie wagen würde Iran anzugreifen.“ Denn solche Maßnahmen würden nicht den „Kollaps des zionistischen Regimes verhindern.“

Derselbe Präsident sprach erst am 29. Januar von einer „göttlichen Kultur des Märtyrertums“. Nur der Märtyrertod der Jihadisten hat nichts mit dem Martyrium von Urchristen zu tun. Denn Ahmadinedschad propagiert den „Export der Kultur des Märtyrertodes für die ganze Welt.“ Dies ist nicht mehr und nicht weniger als dass ein Präsident eines UNO-Staates den Export des Terrorismus propagiert.

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Donnerstag, 24. Januar 2008

Gaza-Streifen-Blockade - Inszenierung einer Krise

Seltsam. Warum hört man so etwas nicht in unseren Mainstream-Medien (ARD, ZDF, NDR, ...)?

Die Inszenierung war perfekt. Ein Palästinenser kommt mit einer brennenden Kerze in der einen Hand und einer brennenden Zigarette in der anderen aus seinem Haus, beleuchtet das Türschloss seines chromblitzenden Autos, dreht den Zündschlüssel herum und fährt davon. Besser hätte Al Dschasira die angebliche "humanitäre Krise" im Gazastreifen nicht darstellen und gleichzeitig beweisen können, dass Propaganda kurze Beine hat. Die Kerze war reine Show, denn der Stromausfall im Gazastreifen lag weder an den Israelis noch an einem Mangel an Diesel für das Kraftwerk in Gaza. Die brennende Zigarette zeigte, dass der Lieferstopp der Israelis keineswegs perfekt ist. Und wenn der Herr mit seinem Auto wegfahren konnte, scheint es doch mehr Benzin zu geben, als behauptet.

Inszenierung einer Krise

Von Ulrich W. Sahm

Festgefahrene Lage

Die Ereignisse rund um den Gazastreifen haben sich seit Donnerstag überschlagen, wobei Wirklichkeit und Wahrnehmung schwer auseinanderzuhalten sind. Nachdem israelische Tanklastwagen am Donnerstag früh die übliche Menge von zwei Millionen Litern Kraftstoff für die Stromherstellung, hunderte Tonnen Kochgas und eine reduzierte Menge Benzin beim Terminal Nachal Oz in den Gazastreifen fließen ließen, verkündete Israels Verteidigungsminister Ehud Barak eine Blockade. Beabsichtigt war, Druck auf die palästinensische Bevölkerung auszuüben, damit die Hamas den Raketenbeschuss auf die israelische Kleinstadt Sderot, auf Aschdod und grenznahe Kibbuzim einstellen möge. In letzter Zeit explodierten Salven mit bis zu 30 Raketen täglich in israelischen Grenzorten, während israelische Attacken auf Raketenschützen, Stellungen der Hamas und gezielte Tötungen palästinensischer Kämpfer mit über 300 Toten seit Jahresbeginn nur das Gegenteil bewirkten, nämlich noch mehr Raketenangriffe.

Über eine Großinvasion wird seit zwei Jahren geredet. Wahrscheinlich gibt es kein anderes wirksames Mittel gegen den Raketenbeschuss, solange eine "politische Lösung" ausgeschlossen ist. Doch kein Israeli will die Verantwortung für hunderte oder gar tausende Tote tragen, die ein massiver Einmarsch bedeuten würde. Und so blieb nur die Idee, die Hamas durch Stromausfall und Benzin-Kürzungen unter den Druck der eigenen Bevölkerung zu setzen, während Ministerpräsident Ehud Olmert wie eine Mantra wiederholte: "Wir werden eine humanitäre Krise im Gazastreifen nicht zulassen."

Es wird heißer gekocht

Freitags und samstags wird wegen Feiertag ohnehin nichts geliefert. Dennoch startete die Hamas schon am Sonntag früh mit dem Abschalten des Kraftwerks im Gazastreifen ihre konzertierte Kampagne des plötzlichen Notleidens der Menschen infolge der israelischen Blockade. Gleichwohl floss weiterhin israelischer Strom und deckte über 80 Prozent Bedarfs in Gaza. Und die Tanks des palästinensischen Kraftwerks waren doch erst am Donnerstag gefüllt worden. Pünktlich zu den Nachrichtensendungen in Israel und Europa, am Sonntag um 19:00 Uhr MEZ, standen in Gaza hunderte Kinder mit Kerzen bereit, als die Hamas den Strom ganz ausschaltete.

Gleichzeitig verschicken Menschenrechtsorganisationen, Caritas und Oxfam, Amnesty und Betzelem sowie Sprecher der UNO-Flüchtlingshilfeorganisationen tief besorgte Emails an die Presse. Sie "drohten" mit dem Ausbruch einer humanitären Krise "innerhalb von Tagen" oder "innerhalb von Wochen", falls Israel nicht sofort seine Blockade aufhebe. Verteidigungsminister Barak, dem schon als Premierminister eine unstete "Zickzack-Politik" vorgeworfen wurde, bekam kalte Füße und orderte am Dienstag die sofortige Lieferung von Kraftstoff für das Kraftwerk und eine reduzierte Menge Benzin. Die Lastwagen der UNO sollten wieder Mehl und Zucker austeilen können. Das Benzin wurde aber am Grenzterminal nicht abgeholt, "weil Israel nicht die volle Menge geliefert hat", protestierten Sprecher in Gaza.

Hamas verbucht politischen Sieg

Am Dienstagabend nutzte die Hamas die weltweite Welle des Mitgefühls, zumal Ägyptens Präsident Hosni Mubarak bei Olmert angerufen hatte, um eine Aufhebung der Blockade zu fordern. Tausende Demonstrantinnen von Hamas-Frauenorganisationen wurden zur ägyptischen Grenze bei Rafah vorgeschickt, um physisch die Blockade zu durchbrechen. Ägyptische Soldaten schossen mit scharfer Munition in die Menge. Mindestens eine Frau starb. Dutzende erlitten Verletzungen. Am Mittwochmorgen sprengte dann die Hamas (vor laufenden Kameras) die ehemals israelischen Grenzbefestigungen. Zehntausende Palästinenser, teilweise beladen mit schweren Koffern auf dem Rücken und Frauen mit Babys im Arm, strömten unkontrolliert von Gaza nach Ägypten.

Ratlos kommentierten israelische Experten das Geschehen an der einst schwer bewachten Grenze, während Hamas einen weiteren politischen Sieg verbuchte. Die israelische Blockade hat Hamas mit ihrer Kampagne und dem Aufbrechen der Grenze wirkungslos gemacht. Gleichzeitig zwang sie den Ägyptern die undankbare Aufgabe auf, nun für den Gazastreifen die Verantwortung zu tragen. Aus Kairo kommt schon die erste Schuldzuweisung, gegen Israel natürlich: Nur weil Israel den Ägyptern die Verlegung von zusätzlichen 700 Soldaten an die Grenze bei Rafah verweigert habe, könne der unkontrollierbare Menschenstrom "verhungernder Palästinenser" (so Präsident Mubarak) nicht gestoppt werden.

Kommentar
Die Palästinenser im Gazastreifen schwelgen nicht im Überfluss. Kein Zweifel. 79 Prozent Arbeitslosigkeit, abgeriegelte Grenzen und Mangel an Zigaretten machen das Leben schwer und unerträglich. Die "humanitäre Krise" wird bisher nur angedroht, also als politisches Brecheisen in einem globalen Chor von arabischen Politikern, UNO-Funktionären und friedliebenden Menschenrechtsorganisationen verwendet. Für die Nöte der Israelis in Reichweite der Hamas-Raketen ließen sie noch keine Tränen des Mitgefühls fließen.

Was sich auf dem Rücken der Menschen beiderseits der Grenze zum Gazastreifen abspielt, ist hohe Politik. Die islamistische Hamas-Organisation hat Israel, der Welt und der Autonomiebehörde in Ramallah bewiesen, dass sie die Politik mit Geschick und Gewalt bestimmen kann. Mit ihren Raketen auf Israel kann sie jegliche Friedenshoffnungen zerstören. Mit ihrer inszenierten Kampagne einer Instant-Krise, noch ehe Israels angekündigte Blockade überhaupt greifen konnte, machte sie Israels Politik lächerlich, weil ohne Biss.

Das von der Hamas grandios dirigierte weltweite Trommelfeuer der Kritik an Israel dürfte Jerusalem mehr schmerzen als die Raketen auf Sderot. Und jetzt hat sich die Hamas mit Erfolg auch noch über alle Abmachungen und Verträge zwischen Israel und Ägypten vor dem einseitigen israelischen Rückzug aus Gaza im Sommer 2005 hinweggesetzt.

Die Grenze zwischen Gaza und Sinai wurde kamerawirksam gesprengt und dann mit Bulldozern beiseite geräumt. Hiermit wischte Hamas die Osloer Verträge beiseite, die Grundlage der palästinensischen Selbstverwaltung, die Existenzberechtigung der Autonomie-Regierung in Ramallah und die vertragliche Abmachung, wonach Israel alle Außengrenzen kontrolliere. Zugleich rächte sich Hamas an der Weigerung von Anwar el Sadat, im Rahmen des Friedensvertrags mit Israel den Gazastreifen wieder von Ägypten verwalten zu lassen.

Fortan muss Ägypten zwangsweise schauen, wie es seine "grenzenlosen" Beziehungen mit den Brüdern der ägyptischen Moslembrüder in dem von Hamas beherrschten Gazastreifen gestaltet. Gleichzeitig wird sich die israelische Regierung fragen müssen, wie dumm sie nur sein konnte, eine Blockadepolitik zu beschließen, die erfahrungsgemäß zu einem Schuss ins eigene Knie werden musste.

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Sonntag, 20. Januar 2008

Obsession - The movie

Eine Doku über den Krieg des Islam gegen die "westliche" Welt und ihre Werte.
Mit vielen Beispielen aus Originalquellen wie dem arabischen, palästinensischen und iranischen Fernsehen. Interviews mit einem ehemaligem PLO-Kämpfer, der Tochter eines Selbstmordattentäters und vielen anderen interessanten Leuten.

Hier wird gezeigt, wie Kinder systematisch zum Hass und zum Töten bzw. Tod erzogen und gedrillt werden.

Sehr sehenswert.

Teil 1



Teil 2


Teil 3


Teil 4


Teil 5

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Sonntag, 13. Januar 2008

Nachrichten dieser Zeit

Die Nachrichtenindustrie schafft eine künstliche Medienwelt, die nichts mit der realten Welt gemeinsam hat, meint der holländische Auslandsreporter Joris Luyendijk:
"Die palästinensischen Steinewerfer sind mein Lieblingsbeispiel. Als ich damals in Beirut wohnte, bat mich meine Redaktion, nach Ramallah zu fahren. Ich hatte im Fernsehen Bilder von Steinewerfern gesehen, und diese Szenen sahen wirklich furchtbar aus. Ich dachte, jetzt gehe ich in den Krieg. Als ich dann endlich in Ramallah ankam, war es dort so friedlich wie in Köln oder Amsterdam: Kinder kamen aus der Schule, Busse fuhren ihre Runden, die Tomaten waren im Sonderangebot. Als ich dann nach den Steinewerfern fragte, antwortete man mir: Immer geradeaus, dann nach links. Dort finden Sie jeden Tag nach zwei Uhr die Steinewerfer. Und tatsächlich, am nächsten Tag habe ich dort dann die Steinewerfer angetroffen. Die Bilder auf CNN hatten ein völlig verzerrtes Bild geliefert."

Fallschirm-Journalisten

"Schon unser Vokabular ist parteiisch"

Die Nachrichtenindustrie schafft eine künstliche Medienwelt, die nichts mit der realten Welt gemeinsam hat, meint der holländische Auslandsreporter Joris Luyendijk.

taz: Herr Luyendijk, als Sie Korrespondent für die arabische Welt wurden: Was hat Sie anfangs am meisten überrascht?

Joris Luyendijk: Dass die Mehrheit der Auslandskorrespondenten kein Arabisch spricht! Ob man nun die New York Times, Newsweek oder die Süddeutsche Zeitung nimmt - selbst der berühmte britische Journalist Robert Fisk spricht kein Arabisch. Ich finde das immer noch unglaublich.

An welchem Punkt haben Sie Ihr Vertrauen in die gängige Berichterstattung verloren?

Das Schüsselereignis war der 11. September 2001. Mich hat bestürzt, dass es über die jahrzehntelange Unterstützung arabischer Diktaturen durch den Westen anfangs überhaupt keine Debatte gab. Das war wie ein Tabu, wie eine geheime Verschwörung: Wir sprechen jetzt einfach nicht über den weißen Elefanten im Raum. Wir können über alles andere reden: den Lärm, den Dreck, die Scheiße des Elefanten - aber nicht über den Elefanten selbst. Dass dieser weiße Elefant eine Diktatur ist. Und dass diese Diktatur nur dank unserer Unterstützung überlebt.

Sie eröffnen Ihr Buch mit einem Zitat aus einem Song von Leonhard Cohen: Es gibt einen Krieg zwischen denen, die sagen, es ist Krieg, und denen, die sagen, da ist keiner. Ist das die Grundthese Ihres Buches?

Ich glaube, als Journalist kann man nicht wirklich objektiv sein. Nehmen wir etwa den Nahostkonflikt. Wir Journalisten geben da immer den Radikalen das Wort. Die radikalen Israelis sagen, der Terror der Palästinenser beweist, dass sie keinen Frieden wollen. Und die radikalen Palästinenser sagen, nein, die israelische Regierung ist der wirkliche Verbrecher. Würden wir einem Aktivisten der Friedensbewegung das Wort geben, dann bekämen wir ein ganz anderes Bild.

In Ihrem Buch schreiben Sie über medial bedingte Missverständnisse. Haben Sie dafür ein prägnantes Bespiel?

Die palästinensischen Steinewerfer sind mein Lieblingsbeispiel. Als ich damals in Beirut wohnte, bat mich meine Redaktion, nach Ramallah zu fahren. Ich hatte im Fernsehen Bilder von Steinewerfern gesehen, und diese Szenen sahen wirklich furchtbar aus. Ich dachte, jetzt gehe ich in den Krieg. Als ich dann endlich in Ramallah ankam, war es dort so friedlich wie in Köln oder Amsterdam: Kinder kamen aus der Schule, Busse fuhren ihre Runden, die Tomaten waren im Sonderangebot. Als ich dann nach den Steinewerfern fragte, antwortete man mir: Immer geradeaus, dann nach links. Dort finden Sie jeden Tag nach zwei Uhr die Steinewerfer. Und tatsächlich, am nächsten Tag habe ich dort dann die Steinewerfer angetroffen. Die Bilder auf CNN hatten ein völlig verzerrtes Bild geliefert.

Woran lag das?

An den Nahaufnahmen. Wenn man eine andere Kameraperspektive gewählt hätte, dann hätte man erkennen können, dass es da auch Zuschauer gab, die in Ruhe ihren Falafel aßen. Wenn man einen anderen Blickwinkel gewählt hätte, dann hätten die Bilder aber eben auch nicht halb so dramatisch gewirkt.

Was kann man gegen solche Verzerrungen tun?

Wir müssen die Auswahl dessen, worüber berichtet wird, besser prüfen. Ein Beispiel: Wenn israelische Regierungen in einem Jahr zwischen 1.000 und 3.000 Palästinenser ermorden, dann bekommt das sehr viel Aufmerksamkeit. Aber wenn Russland in Tschetschenien 100.000 Leute ermordet, dann wird darüber kaum berichtet, denn es ist für einen Journalisten praktisch unmöglich, nach Tschetschenien zu gehen. Im Laufe eines Jahres finden sich in unseren Medien deshalb vielleicht drei oder vier Berichte über Tschetschenien - und 25 über Israel. Deshalb denken die Zuschauer, dass Israel wirklich ein schrecklicher Staat ist. Dabei ist Israel im Vergleich noch ein sehr anständiger Staat.

Sie beschreiben in Ihrem Buch, wie Korrespondenten vor Ort arbeiten. Wie sieht das aus?

Ich dachte einmal, ein Journalist sei jemand, der einfach aufschreibt, was geschieht. Dann habe ich gelernt, wie der heutige Fallschirm-Journalismus funktioniert: Man macht eine Punktlandung, wie mit einem Fallschirm. Und wenn man ankommt, braucht man vor Ort einen Dolmetscher und einen "Fixer", der einem die Termine "fixt" - das ist jemand, der einem in Gaza-Stadt eine Witwe organisiert, die bei einem israelischen Angriff ihren Mann verloren hat. So ein Fixer hat meist ein ganzes Portefeuille solcher Kontakte parat, aus denen ich dann auswählen kann. Der gleiche Fixer arbeitet auch für die New York Times, die BBC und die Süddeutsche Zeitung. Und er weiß, wie wichtig vor allem fürs Fernsehen die Originalzitate sind, die sogenannten O-Töne.

Was ist daran so besonders?

Im Fernsehen hat man im Schnitt nur 12 Sekunden für einen O-Ton. Man braucht also in der Regel einen Interviewpartner, der versteht, dass er nur 12 Sekunden hat - und keine 12 Minuten. Diese Fixer haben meist eine Liste von solchen "Talking Heads" bereit. Es ist dabei nicht wirklich wichtig, ob ein solcher "Experte" auch wirklich ein Experte ist: Wenn er nur oft genug auf CNN erscheint, dann wird er wichtig. So bekommt man eine künstliche Medienwelt, die meilenweit entfernt ist von der realen Welt. Da gibt es Experten, bei denen alle wirklichen Kenner die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und sagen: Das ist doch ein Vollidiot! Aber der wird dann zu einem Selbstläufer.

Ist ein Hauptproblem im Journalismus also die Zeit?

Ja. Die Nachrichtenindustrie verkauft die Illusion, dass es ein Verstehen auf Knopfdruck gibt. Aber es ist einfach unmöglich, ein komplexes Problem in ein paar Sekunden zu erklären. Alle Experten, die vor dem Irakkrieg erklärt haben, warum das, was die USA im Irak versuchen, unmöglich funktionieren könne, haben dafür fünf Minuten gebraucht. Man kann der Ambiguität dieser Welt nicht in zwölf Sekunden gerecht werden. Dafür bräuchte es einen völlig neuen Nachrichtenjournalismus.

Unsere Wahrnehmung wird durch unsere Sprache geprägt. Welcher Sprache bedienen sich die Medien?

Es ist ein asymmetrisches Vokabular. Für die wichtigsten Dinge gibt es keine unparteiischen Begriffe. Wenn etwa die Haltung des syrischen Präsidenten den Interessen des Westens widerspricht, dann sagt man, er sei "antiwestlich". Von einen US-Präsidenten heißt es dagegen nie, er sei "antiarabisch" oder "antiiranisch". "Anti" heißt: Er hasst uns. Wenn nicht, ist er gemäßigt. Ich bin kein Neonazi. Aber nennt man mich darum einen "gemäßigten Europäer"? Doch ein Muslim, der kein Dschihadist ist, wird als "gemäßigter Muslim" bezeichnet. Das impliziert, dass er als Extremist geboren wurde, aber diesen Extremismus hat er zum Glück gemildert.

Welchen Ausweg sehen Sie aus diesem Dilemma?

Ich weiß auch nicht, wie man den Journalismus objektiver machen kann. Das ist ein altes Thema. Aber ich glaube, wir müssen offener mit den Problemen umgehen und dem Publikum klarer machen, dass wir nur eine Version der Wahrheit abbilden. Aber ist das Publikum wirklich bereit, das zu hören? Dass wir vielleicht von unserer eigenen Regierung manipuliert werden? Ich glaube, viele Leute schalten die Nachrichten ein, um zu hören, dass ihre Regierung letztendlich recht hat.


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Donnerstag, 10. Januar 2008

Lutz Huth, Juwelier in Hannover

"Aus Ihrem Gefasel spricht die typische Unwissenheit neudeutschen Gutmenschentums, was sich in Ihrem „allerschärfsten Protest und in Ihrem „Unverständnis“ manifestiert. Für Typen wie Sie, ist eine Meinung, die nicht kongruent, gar konträr zu der von dem Regime der indoktrinierten Masse verordnet worden ist, zu der auch Sie ganz offensichtlich gehören, „absolut unakzeptabel“, wahrscheinlich auch noch „unerträglich“, die andere oft benutzte Agitpropworthülse deutscher Devotisten."

Ich hatte Lutz Huth, einem Juwelier aus Hannover, nach meinem Blog über das Pali-Tuch folgende Email geschickt:

Sehr geehrter Herr Huth,

ich habe bei henryk-broder.com einen Leserkommentar gefunden, der mit Ihrem Namen unterzeichnet und auf ihre Homepage verlinkt ist.

(http://henryk-broder.com/2007/12/20/lesermeinung-zion-zieht-zu-felde/)

Falls Sie wirklich der Urheber dieser Unschrift sein sollten, möchten ich Ihnen hiemit meinen allerschärfsten Protest und mein absolutes Unverständnis mitteilen:

Dass Sie als Deutscher Geschäftsmann eine solche antisemitische und - nebenbei bemerkt - auch noch nicht den Fakten entsprechende Haltung und Meinung verbreiten, ist absolut unakzeptabel.

Wenn Sie wirklich diese Meinung vertreten sollten, werde ich entsprechende Schritte planen und ihr Geschäft in Zukunft meiden.

Markus Riedel, Hannover

Die Antwort kam heute:

Werter Herr Riedel!

Aus Ihrem Gefasel spricht die typische Unwissenheit neudeutschen Gutmenschentums, was sich in Ihrem „allerschärfsten Protest und in Ihrem „Unverständnis“ manifestiert. Für Typen wie Sie, ist eine Meinung, die nicht kongruent, gar konträr zu der von dem Regime der indoktrinierten Masse verordnet worden ist, zu der auch Sie ganz offensichtlich gehören, „absolut unakzeptabel“, wahrscheinlich auch noch „unerträglich“, die andere oft benutzte Agitpropworthülse deutscher Devotisten.

Wüßten Sie wovon Sie reden, was Sie ganz offensichtlich nicht tun, denn dann wüßten Sie, wer zu der Gemeinschaft der Semiten gehört und hätten sich nicht der zionistischen „Totschlagkeule“ Antisemitismus, sondern Judenaversion, Judenhaß oder ähnlichem bedient.

Aus Ihren Zeilen spricht der Kleingeist deutscher Nachkriegskastraten und deren Gutheißung des in der BRD, dank des §130 StGB (Volksverhetzung) ausgeübten Gesinnungsterrors, sowie eine Blockwartmentalität und das damit verbundene Denunziantentum, die sich in Ihrem Abschlußsatz potenzieren: „Wenn Sie wirklich diese Meinung vertreten sollten (merke: vertreten, nicht erst beim äußern), werde ich entsprechende Schritte planen“.

Was für Schritte wollen Sie denn planen? Mich bei den Gesinnungschnüfflern des Verfassungsschutzes denunzieren? Meine Schaufensterscheibe nachts heimlich einschmeißen? Linke Schläger der „Antifa“ vor meinem Geschäft postieren mit einem Schild, auf dem die Aufschrift prangt „Kauft nicht bei Rechten“, dieselbe Methode übrigens die es nach 1933 schon einmal gab, wie Sie sicherlich wissen, nur das auf den Schildern „Kauft nicht bei Juden“ damals prangte.

Ihren Vorsatz, mein Geschäft, es ist übrigens das Geschäft meiner türkischen Ehefrau, die obendrein auch noch Jüdin ist, nicht mehr betreten zu wollen, ist sicherlich eine begrüßenswerte Entscheidung Ihrerseits.

Lutz Huth


Was für ein Gerede, was für unbegründete Angriffe und Unterstellungen! Ich überlasse dem werten Leser, sich sein Bild über diesen Menschen zu machen.

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Freitag, 4. Januar 2008

»Nie wieder« oder »business as usual« ?

Differenziert man in Deutschland zwischen einem nichtakzeptabelem deutschen und einem akzeptabelem arabischen Antisemitismus?
Nach dem Motto: Wenn jüdische Schüler in deutschen Schulen beleidigt werden, geht das nicht, aber wenn ein iranischer Präsident oder die Hamas Israel drohen und beschimpfen, dann geht das in Ordnung? Zumindest anscheinend soweit, was die wirtschaftlichen Beziehungen z.B. zum Iran betrifft.

Differenziert man in Deutschland zwischen einem nichtakzeptabelem deutschen und einem akzeptabelem arabischen Antisemitismus?
Nach dem Motto: Wenn jüdische Schüler in deutschen Schulen beleidigt werden, geht das nicht, aber wenn ein iranischer Präsident oder die Hamas Israel drohen und beschimpfen, dann geht das in Ordnung? Zumindest anscheinend soweit, was die wirtschaftlichen Beziehungen z.B. zum Iran betrifft. Dies werden durch (fast) nichts getrübt.
Der Antisemitismus ist vielleicht schon größer - auch in Deutschland - als man denkt.

Ein paar Ausschnitte aus einem Buch von
Matthias Küntzel: Islamischer Antisemitismus und deutsche Politik – ›Heimliches Einverständnis‹? Lit-Verlag, Münster 2007
:

Im Deutschen Historischen Museum sammelte sich während einer Exkursion eine Gruppe muslimischer Jugendlicher vor der Nachbildung einer Gaskammer des Kon­zentrationslagers Auschwitz, um zu applaudieren. (...)
Antisemitische Karikaturen, Dissertationen, Program­me und Leitkommentare ergänzen das Bild. Die Machart dieser Agitation geht über das gewöhn­liche antisemitische Vorurteil, das Juden diskriminieren will, hinaus. Wir haben es mit einem extremen Antisemitismus zu tun, der Juden dehumanisiert und dämonisiert, um sie zu töten. (...)

(...) fördert das Innenministerium in Verbindung mit der Bundeszentrale für politische Bildung seit 2007 ein Projekt gegen den Antisemitismus unter muslimischen Jugendlichen, das mit »Mo­bilen Aktions- und Beratungsteams« sowie Leitfäden und Material für den Unterricht Abhilfe schaffen will. (...)
Die Bundesregierung lässt den Export antisemitischer Filme, Predigten oder Schriften aus Saudi-Arabien, Ägypten, der Türkei und dem Iran nach Europa und Berlin stillschweigend zu. Das ist, als würde das Innen­ministerium Anti-Heroin-Kampagnen an öffent­lichen Schulen inszenieren, während gleichzeitig das Außenministerium die Einfuhr von Heroin nach Deutschland legalisiert. (...)
Während »Mobile Beratungs­teams« erfolglos dem Antisemitismus unter ­jugendlichen Muslimen hinterherjagen, setzt die Hizbollah mithilfe von al-Manar die Rekrutierung neuer Antisemiten und Selbstmord-Ter­roristen in den einschlägigen Berliner Wohn­stu­ben ungestört und rund um die Uhr fort. (...)

So hatten beispielsweise die USA im März 2002 Saudi-Arabien und andere arabische Länder in einer per Rundfunk übertrage­nen Erklärung aufgefordert, »die antijüdische Hetze in Zeitungen sowie Rundfunk- und Fernsehsendern zu untersagen«.
(...)
Im Jahr 2004 wurde das Außenministerium der USA gesetzlich zur weltweiten Überprüfung aller antisemitischen Tendenzen und der dagegen unternommenen Regie­rungsmaßnahmen verpflichtet. (...)
Selbst das in seiner Außenpolitik betont araberfreundliche Frankreich wurde tätig. So setzte die Staatsanwaltschaft in Paris ein Verfahren gegen den Herausgeber der ägyptischen Tageszeitung Al-Ahram wegen Anstachelung zum Antisemitismus in Gang. Die französische Regierung hat für ein Verbot der Ausstrahlung des arabischen Senders al-Manar gesorgt und den Sender zumindest vom europäischen Satellitennetz ausgeschlossen. Spanien und die Niederlande schlossen sich diesen Maßnahmen an. (...)

Und jetzt, wo die Vernichtung Israels nicht nur freimütig angekündigt, sondern konkret mithilfe von Urananreicherung und Plutoniumproduktion vorbereitet wird? Diesmal hat kein einziger Botschafter der EU, und sei es nur für einen Tag, Tehe­ran verlassen. Keine einzige iranische Industriemesse wurde mit einer Absage auch nur eines einzigen deutschen Ausstellers konfrontiert. Stattdessen hat die Bundesregierung in den Jah­ren 2006 und 2007 deutsche Neuinvestoren im Iran mit staatlichen Bürgschaften belohnt und so das Mullahregime und indirekt auch al-Manar gestärkt.
(...)
(...) weil es den deutschen Exportinteressen dient. Es nützt ihnen auf der einen Seite, wenn die Übergriffe auf Juden in Berlin unterbunden werden, könnten doch derartige Vorfälle, die an Vergangenes erinnern, die internationalen Geschäftsbeziehungen trüben. Es befördert ebenso das Geschäft, wenn man im Umgang mit den islamischen Handelspartnern gerade umgekehrt verfährt und sich die guten Gewinnchancen von den genozidalen Absichten und den antisemitischen Äußerungen eines Ahmadinejad nicht verderben lässt. Das Beispiel ist der Iran: Auch jetzt »bleibt Iran für deutsche Unternehmen ein wichtiger Markt im Nahen und Mittleren Osten«, wirbt im Juni 2007 die Homepage des Auswärtigen Amts. »2006 exportierte Deutschland Waren im Wert von über 4,11 Milliarden Euro nach Iran (- 7 % gegenüber 2005). Wichtigste Exportgüter waren – wie schon in den Vorjahren – Maschinen, Anlagen und Kfz-Teile und -Komponenten, Eisen- und Metallerzeugnisse und chemische Erzeugnisse.« (...)

Bekanntlich hat Ahmadinejad den Countdown für Israels Vernichtung schon angezählt, gleichwohl geht das Gros der Journalisten, Politiker, Zivilgesellschafter – von der politischen Linken ganz zu schweigen – darüber hinweg. Der Wider­spruch zwischen dem »Nie wieder« und dem »business as usual« scheint ihnen nicht einmal ins Bewusstsein zu gelangen, ist nicht einmal Gegenstand der Diskussion. (...)
(...) im Jahr 2003 hatten 59 Prozent der Europäer in einer Umfrage der Europäischen Kommission erklärt, dass Israel »die größte Bedrohung für den Frieden in der Welt« sei – vor Iran, Syrien, Nordkorea oder den USA. In Deutschland und Österreich war der Anteil derer, die den Staat Israel als die größte Gefährdung für den Frieden betrachteten, mit 65 und 69 Prozent besonders hoch. (...)
Veränderte sich dieses Image, nachdem Israel den Gaza-Streifen im Sommer 2005 hatte räumen lassen? Keineswegs. Im November 2006 ließ die BBC 28 000 Menschen in 27 Ländern fra­gen, welches Land die Weltpolitik am negativsten beeinflusse. Auch auf dieser Liste landete Is­rael mit 56 Prozent der Stimmen vor dem Iran, den USA und Nordkorea auf dem ersten Platz. In Deutschland war der Anteil derer, die Israel ankreuzten, mit 77 Prozent erneut besonders hoch. (...)
Wer Israel zum Bösen stempelt, nimmt den Antisemitismus der Islamisten nicht wirklich wahr. Wer den Antisemitismus der Hiz­bollah und der Hamas aber nicht wahrnimmt, verkennt das Motiv ihrer Angriffe auf Israel und wird dazu neigen, selbst noch Selbst­mordatten­tate zu »Verzweiflungstaten« zu verklären. Wer Israel aber für den Selbstmordterror und die An­griffe mit Kassam-Raketen verantwort­lich macht, wird mit jeder Eskalation dieses Terrors den jüdischen Staat um so mehr verurteilen und somit immer tiefer in das Denkgebäude des Antisemitismus hineingezogen werden, was die Chance, den Antisemitismus als das eskalierende Moment zu identifizieren, wei­ter reduziert und so weiter und so fort. Der entscheidende Grund für diese fortgesetzte Ignoranz ist ein Zerrbild von Israel, das sich in den Massenmedien längst verselbständigt hat. (...)
So hatte Volker Perthes, der Direktor der einflussreichen Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), die die Bundesregierung und den Bundestag in außenpolitischen Fragen berät, im Juli 2006 in einem Rundfunkinterview kurz nach Beginn des Libanonkriegs zwischen den Kriegsakten der Hizbollah und denen Israels sorgfältig differenziert: Was im südlichen Libanon passiere – die Konterangriffe Israels –, sei »natürlich Krieg«, so Per­thes, während, »was im Norden Israels ge­schieht, … möglicherweise mehr eine Art von Kleinkrieg ist, an den sich Bürger gewöhnt haben«.  Raketen auf Israel werden hier als gewöhnlich bewertet, Raketen aus Israel aber als Krieg. Dass Perthes in diesem Interview den Antisemitismus der Hizbollah ausblendet und diese Organisation stattdessen gleich drei Mal nacheinander als »nationale Befreiungsorganisation« würdigt, ergänzt das parteiische Bild. (...)
Ein Iran mit Atomwaffen, erklärt beispielsweise Udo Steinbach, der Direktor des Hamburger Orient-Instituts, sei »nicht ipso facto eine Bedrohung … sondern das Land bekäme international einen neuen Status. … Europa wäre sicher das letzte Ziel, das dem Iran einfallen würde«, beruhigt uns der Islamwissenschaftler, wäre doch die Bombe eher »für seine Nachbarn« ein Problem, »für eine säkulare Türkei und natürlich für Israel«. (...)
Genauso wenig, wie es für muslimische Jugendliche in Berlin ein vernünftiges Motiv gibt, jüdische Mitschüler anzugreifen, genauso wenig gibt es für den Iran ein vernünftiges Motiv, Israel zu bedrohen. Der eigentliche Antrieb ist in beiden Fällen antisemitischer Natur – ein Anti­semitismus, von dem der Hamburger Orient­wissenschaftler ebenso wie das Auswärtige Amt nichts wissen will, ein Antisemitismus, der Berliner Juden einschüchtert und quält, während er Israel und die Welt gefährdet.

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Montag, 24. Dezember 2007

Hannoverscher Juwelier verteidigt das "Pali"-Tuch

Lutz Huth, seines Zeichens Juwelier und Uhrmacher in der Kröpckepassage aus Hannover, schreibt in einem Internetblog bei henryk-broder.com:

Haben die religiös-rassistischen Usurpatoren den Palästinensern schon alles genommen, was man einem Volk nehmen kann, ihr Land, ihren Besitz und ihre Lebensmöglichkeiten, so will man ihnen jetzt auch noch das Symbol ihrer Identität stehlen, das “Pali-Tuch”. Mit dem Tragen des “Pali-Tuches” demonstrieren die Deutschen ihre Verbundenheit mit dem palästinensischen Volk. Es ist uns Deutschen lieb und teuer geworden und ans Herz gewachsen. Es ist zur Zeit noch das einzige Symbol was “Rechts” und “Links” gemeinsam tragen. Dieses Tuch ist kein modisches Akzessoir wie es diffamierend hinstellt wird, es ist das Symbol des Kampfes des palästinensischen Volkes gegen seine unmenschlichen Unterdrücker und chauvinistischen Okkupanten, die sich über alle Menschenrechtsgebote stellen – und dies schon seit mehr als 2000 Jahre – diese verachten und mit Füßen treten. Mit diesem Freiheitskampf solidarisieren sich immer mehr Deutsche, trotz des permanent zunehmenden weltweiten Trommelfeuers der zionistischen Welteinheitspresse und dem damit verbundenen Gesinnungsterror, der in einem zunehmenden Maße im zionistischen Protektorat “Deitschland” praktiziert wird.
Lutz Huth, Hannover

das schreibt wikipedia.de zu der Kufiya (wie das "Palituch" offiziell heißt):
Abseits seiner eigentlichen politischen Bedeutung wird das Palästinensertuch in Deutschland in der Jugendkultur auch gerne als Modeaccessoire ohne unmittelbar politischen Symbolgehalt verwendet – die Kufiya hat somit Einzug in die linke oder vermeintlich linke Popkultur erhalten. Das Spektrum des mit dem Tragen des Schals verbundenen Ausdrucks reicht vom eher diffusen „Widerstand“ bis hin zur Solidarisierung mit den Palästinensern.
Die Kufiya wird seit Ende der 1990er Jahre zunehmend auch von Rechtsextremisten und Neonazis (siehe zum Beispiel die Freie Kameradschaften) getragen. Dies geschieht zum einen im Rahmen des Verwendens linker Symbole, das seit den späten 1990er Jahren häufig in der rechtsextremistischen Szene zu beobachten ist, um auf das Sozialistische (oder Revolutionäre) hinzuweisen, ist aber andererseits auch Ausdruck einer antiisraelisch oder schlicht antisemitisch motivierten Parteinahme für die Palästinenser im Nahost-Konflikt.
Insbesondere die antideutsche Linke und Teile der antinationalen Linken kritisieren das Tragen der Kufiya als Symbol des Kampfes gegen Israel.

Hmm ... Wie kann ein deutscher Geschäftsmann so dermaßen verbohrt und verdreht sein? Unglaublich.

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Samstag, 15. Dezember 2007

Deutschland und Österreich schützen den Iran

Ein sehr lesenswerter und gut recherchierter Artikel über den Iran und den Atomkonflikt mit sehr vielen Quellenangaben. Sehr lesenswert, weil deutlich wird, was da im Hintergrund eigentlich passiert, wer da warum wie taktiert und warum Israel so scharf auf das iranischen Atomprogramm reagiert.
Man versteht danach den Konflikt wesentlich besser. Zu lesen unter matthiaskuentzel.de: Deutschland und Österreich schützen den Iran

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Matthias Küntzel (* 1955) ist ein deutscher Politikwissenschaftler und Journalist. Er ist assoziiertes Mitglied („research associate“) des Vidal Sassoon International Center for the Study of Antisemitism (SICSA) der Hebräischen Universität Jerusalem [...]
[Nach einer anfangs kommunistisch geprägten Laufbahn] promovierte 1991 Küntzel summa cum laude an der Universität Hamburg mit einer Arbeit zum Projekt einer deutschen Atombombe nach 1945. Seit 2001 sind seine vorrangigen Arbeitsgebiete der Nahostkonflikt und der Antisemitismus (Quelle: Wikipedia.de)

Gerade ist er mit seinem neuesten Buch "Jihad and Jew-Hatred: Islamism, Nazism, and the Roots of 9/11" als großer Preisträger des Londoner Buchpreises prämiert worden.

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Mittwoch, 28. November 2007

Die Fata Morgana der Palästinenser

Sehr guter Artikel aus dem Spiegel - von Henryk M. Broder - über den Palästinenserstaat und die Konferenz in Annapolis.

Was nützen all die Kommentare und Traumtänzer-Artikel über das böse Israel und die armen Palästinenser?
Hier wird endlich einmal klar aufgezeigt, was eigentlich läuft. Es tut gut, so klare, (scheinbar) unvoreingenommene Schilderungen zu lesen. Daher einige Auszüge:

Vor genau 60 Jahren beschlossen die Vereinten Nationen die Teilung Palästinas. Dass es bis heute keinen Staat für die Palästinenser gibt, liegt nicht nur an den widrigen Umständen, sondern auch am mangelnden Willen der Palästinenser selbst.
Egal wie es nach der Konferenz von Annapolis weiter geht , eines kann als sicher angenommen werden: Es wird auf absehbare Zeit keinen palästinensischen Staat geben
(...)
Das ist keine wilde Spekulation, es ist das logische Ergebnis von 60 Jahren Realitätsverleugnung, Wunschdenken und konsequenter Fehleinschätzung der eigenen Kraft.
(...)
Seitdem sind die Palästinenser nicht nur davon überzeugt, dass ihnen schweres Unrecht angetan wurde, sie glauben auch, dass sie in der Lage sind, die Geschichte zu korrigieren, den Status quo ante wiederherzustellen.
Die PLO wurde schon 1964 gegründet, mit dem klaren Ziel, die zionistische Besetzung Palästinas zu beenden. Damit waren nicht die "besetzten Gebiete", also die Westbank und der Gaza-Streifen gemeint, die erst 1967 von Israel erobert wurden, sondern "Israel proper", das Gebiet zwischen Eilat im Süden und Metulla im Norden, das an seiner schmalsten Stelle zwischen Netanya und Tulkarem gerade 14 Kilometer breit war. Der Gaza-Streifen wurde von Ägypten verwaltet, die Westbank gehörte zum jordanischen Hoheitsgebiet.
(...)
Auch nach dem Sechs-Tage-Krieg ging es nicht darum, den Palästinensern zu ihrem Recht zu verhelfen, sondern das "zionistische Gebilde" im Herzen der arabischen Nation verschwinden zu lassen, so wie man ein Krebsgeschwür aus einem Körper entfernt. Auf der Konferenz der Arabischen Liga, deren Vertreter in dieser Woche in Annapolis mit am Tisch saßen, im September 1967 in Khartum, wurden drei Nein zum politischen Programm erhoben: keine Anerkennung Israels, kein Frieden, keine Verhandlungen.
(...)
Umgekehrt verfielen auch die Israelis einem folgenschweren Irrtum: Man musste nur vollendete Tatsachen schaffen, möglichst viele Siedlungen in den besetzten Gebieten bauen, um die Palästinenser davon zu überzeugen, dass die zionistische Präsenz zu beiden Seiten der "Green Line" keine vorübergehende war. Weder die Westbank noch der Gaza-Streifen wurden formell annektiert.
(...)
Die Israelis redeten sich ein, der durch die Besatzung gestiegene Lebensstandard der "Palästinenser" würde deren nationale Ambitionen dämpfen.
(...)
Die Palästinenser ihrerseits weigerten sich, die Realität zur Kenntnis zu nehmen, dass die Israelis immer stärker wurden und dass die Solidaritätserklärungen der arabischen Staaten, die ihre eigenen Interessen verfolgten, nur Lippenbekenntnisse waren.
Als im ersten Camp-David-Abkommen von 1978 zwischen Israel und Ägypten Menachem Begin als erster israelischer Regierungschef "die legitimen Rechte des palästinensischen Volkes" anerkannte und einem Autonomiestatus für Gaza und die Westbank zustimmte, sahen die Palästinenser dies nicht als Chance und Fortschritt, sondern als einen Ausverkauf ihrer Interessen. Ägyptens Staatschef Anwar al-Sadat war ein Verräter, seine Ermordung drei Jahre später feierten die Palästinenser so ausgelassen, als hätten sie die Israelis im Kampf bezwungen.
(...)
Man muss schon ein sehr hart gesottener Optimist sein, um zu glauben, Mahmud Abbas und Ehud Olmert werde etwas gelingen, woran deren Vorgänger gescheitert sind. Nur einen Tag nach Annapolis hat Nabil Abu Rudeina, ehemaliger Chefberater von Arafat und in derselben Funktion für Präsident Abbas tätig, erklärt, "in Annapolis wurde nichts vereinbart, was die Palästinenser verpflichten würde".
Mag die Taktik inzwischen eine andere als vor 20 Jahren sein, die Palästinenser spielen noch immer das gleiche Spiel: alles oder nichts.

Die vage Aussicht, irgendwann einmal alles zu bekommen, hält sie davon ab, sich auf einen Kompromiss einzulassen, der nur einen Teil ihrer Forderungen erfüllen würde. Die Reden, die Arafat auf internationalen Konferenzen auf Englisch gehalten hat ("We are not asking for a place on the moon"), klangen ganz anders als die Reden, die er für den Hausgebrauch auf Arabisch hielt.
(...)
Schon möglich, dass Israel eines Tages von der Landkarte verschwindet, nur werden die Palästinenser die letzten sein, die davon profitieren werden.
(...)
(Die) Palästinenser ... haben sich in ihrem Status einigermaßen kommod eingerichtet. Es gibt derzeit etwa 20 Millionen Flüchtlinge auf der Welt, die vom Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen UNHCR betreut werden.
Keine Gruppe freilich wird so beachtet und versorgt wie die Palästinenser. Waren es ursprünglich etwa 800.000, die aus ihrer Heimat geflohen sind oder vertrieben wurden, so sind es heute etwa vier Millionen. Für sie ist das "Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten" zuständig. Die UNRWA, 1950 eingerichtet, unterhält Schulen, Sozialstationen, Krankenhäuser und Ambulanzen, beliefert Bedürftige mit Grundnahrungsmitteln und vergibt Kredite an Kleinunternehmen. Vor allem aber ist die UNRWA der größte Arbeitgeber in den palästinensischen Gebieten, sie beschäftigt rund 29.000 Mitarbeiter, die meisten von ihnen Palästinenser. Entsprechend hoch ist ihr Budget, im Jahre 2006 war es fast eine halbe Milliarde Dollar.
Inzwischen weiß man: Die UNRWA hat seit 1950 extrem viel Geld ausgegeben, um das Flüchtlingselend zu konservieren.
(...)
Und weil das alles noch nicht reicht, kümmern sich rund 1700 Hilfsorganisationen und Friedensgruppen in Gaza und Westbank um die Palästinenser. Deren Mitarbeiter treten sich buchstäblich gegenseitig auf die Füße.
(...)
Wo das Geld geblieben ist, wird man erst erfahren, wenn alle Konten der PLO und ihrer Unterorganisationen gefunden und überprüft worden sind.
(...)
Dennoch stehen Westbank und Gaza ständig am Rand einer "humanitären Katastrophe".
(...)
Was es nicht gibt, ist die Notwendigkeit, Verantwortung zu übernehmen und für die Finanzierung des Ganzen zu sorgen. Das besorgen die Amerikaner und die Europäer. Arafat fand es wichtiger, Todesurteile gegen Kollaborateure vollstrecken zu lassen, um seine Macht zu demonstrieren, als für eine ordentliche Müllabfuhr in Nablus zu sorgen. Dafür sind die NGOs da.

Und daran wird sich so bald nichts ändern. Es ist die gleiche Geschichte wie mit der Familie, die im Zug unterwegs ist und an jeder Station in lautes Jammern ausbricht. Bis der Schaffner schließlich wissen möchte, was denn los wäre. "Wir sitzen im falschen Zug", sagt der Familienvater, "und mit jeder Station wird die Rückreise länger."

[SIC]

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Donnerstag, 25. Oktober 2007

Israel Report von Livets Ord/Schweden

Sehr gute Hintergrundinformationen und Analysen liefert der wöchentlich erscheinende Israel-Report. Er wird auch ins Deutsche übersetzt und erscheint immer Freitags.

Hier findet man die aktuelle Liste aller Reporte.

Und hier kann man den Israel Report abonnieren.
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Dienstag, 16. Oktober 2007

Theodor Herzl und die Berufspolitiker

Ich lese gerade von Theodor Herzl "Der Judenstaat" und habe ein schönes Zitat gefunden:

"Die Demokratie ohne das nützliche Gegengewicht eines Monarchen ist maßlos in der Anerkennung und in der Verurteilung, führt zu Parlamentsgeschwätz und zur häßlichen Kategorie der Berufspolitiker."

Herzl schreibt außerdem: "Ich halte die demokratische Monarchie und die aristokratische Republik für die feinsten Formen des Staates."

Sätze aus einer völlig anderen Welt. Aber ich habe schon öfter gedacht, dass die Demokratie in der heutigen Form nicht die Krönung der Gesellschaftsformen ist.
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Donnerstag, 11. Oktober 2007

Israel nach Alaska oder doch Schleswig-Holstein?

Es hat schon mehrere "Ideen" und "Vorschläge" gegeben, wo die Juden leben sollen. Natürlich kamen diese eher von den judenfeindlichen Gruppierungen, aber auch Theodor Herzl macht sich in seinem Buch "De Judenstaat" (bekommt man hier als Word-Dokument) Gedanken, wo Israel sein Heimatland errichten soll. Für ihn kam auch Argentinien in Betracht.

Nun hat der iranische Präsident Ahmadinedschad das Thema neu aufgegriffen. Bei einer Ansprache anläßlich des alljährlichen Kuds-Tag, an dem Iraner ihre Solidarität mit den Palästinensern demonstrieren, sagte er:

"Die Welt solle nicht meinen, dass der Iran oder andere Länder "ihre Hände von der Kehle der Zionisten und ihrer Anhänger nehmen", so Ahmadinedschad. Er fügte hinzu: "Die Europäer wollen die zionistische Herrschaft in ihrer eigenen Region nicht ertragen, aber dem Nahen Osten aufzwingen. Gebt ihnen das weite Land von Kanada und Alaska, damit sie sich dort ansiedeln können."
Bereits früher hatte der iranische Präsident eine Verlegung des jüdischen Staates nach Schleswig-Holstein gefordert.

aus factum: Ahmadinedschad: Israel nach Alaska verlegen

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