UPDATE vom 11.3.08 (s.u.)
Acht britische humanitäre Hilfsorganisationen beklagen das Leid der Palästinenser im Gaza-Streifen. Schuld daran ist natürlich ... Israel. Ein paar Fakten:
Humanitäre Hilfe für Gaza
Trotz der ständigen Raketenangriffe von Seiten palästinensischer Terroristen auf Ortschaften im westlichen Negev leistet Israel der Bevölkerung im Gaza-Streifen weiterhin in großem Ausmaß humanitäre Hilfe. Auch die Energiegrundversorgung ist gewährleistet. Im Folgenden einige aktuelle Angaben:
1. Strom:
Das Kraftwerk in Gaza liefert 60 Megawatt.
Die Umsetzung der ersten Kürzungsstufe in der Stromversorgung (die der Oberste Gerichtshof genehmigt hat) drückt sich in einer gegenwärtigen Verringerung von lediglich fünf Prozent der Strommenge aus, die durch eine von etwa zehn Stromleitungen fließt, durch die die Kraftwerke in Israel und Gaza miteinander verbunden sind.
Trotz der Kürzung können die Palästinenser den Strom in einer Weise weiterleiten, die die Versorgung lebenswichtiger Einrichtungen garantiert.
2. Treibstoff:
Der Oberste Gerichtshof hat für das humanitäre Minimum die folgenden Parameter festgelegt:
Industriebrennstoff für das Kraftwerk: 2.2 Millionen Liter pro Woche.
Gewöhnlicher Treibstoff: 800 000 Liter pro Woche.
Benzin: 75 400 Liter pro Woche.
Kochgas: Beinahe ohne Einschränkung.
Der Terminal in Nahal Oz ist geöffnet (außer im Falle direkten Beschusses oder von Drohungen) und der Gas- und Treibstofftransfer wird auf Handelsbasis (gemäß den Abwägungen des Versorgungsunternehmens) fortgesetzt.
Am 24.02 wurden 517 000 Liter Treibstoff und 281 Tonnen Heizgas geliefert.
3. Grenzübergänge:
Es muss hervorgehoben werden, dass die Übergänge im Schatten von täglichen Attacken mit Mörsergranaten, Scharfschützen und Kassam-Raketen arbeiten.
a.) Erez:
Der Übergang wird von Kranken und ihren Begleitern, Angehörigen internationaler Organisationen, Geschäftsleuten und anderen palästinensischen Bürgern passiert. Die Kriterien zum Passieren leiten sich aus dringenden humanitären Bedürfnissen ab.
Seit dem 16. Juni 2007 sind insgesamt 12 537 Kranke und Angehörige nach Israel eingereist, seit dem Grenzdurchbruch in Rafiah (18.01) 1766, am 24.02 waren es 77.
15 Angehörige internationaler Organisationen verließen am 24.02. den Gaza-Streifen, 25 reisten in ihn ein. Drei palästinensische Zivilisten reisten am selben Tag nach Israel, und drei ins Westjordanland ein.
b.) Übergänge zur Güterlieferung:
Insgesamt belief sich der Warentransfer seit dem 16. Juni auf 17 016 Lastwagen, die 391129 Tonnen von Gütern ausluden. In den vergangenen Monaten wurde wiederholt versucht, auf dem Weg der humanitären Lieferungen Material zu schmuggeln, das sich zur Herstellung von Kassam-Raketen eignet (z.B. Pottaschenitrat). Seitdem wurden die Kontrollen verschärft, was zu einem Rückgang der Lastwagenlieferungen geführt hat.
Kerem Shalom:
Dies ist der zentrale Übergang für den Warenverkehr zwischen Israel und dem Gaza-Streifen. Er befindet sich gänzlich auf israelischem Territorium und wurde als Verbindungspunkt zwischen Ägypten, Israel und Gaza errichtet.
Jüngst wurde der Übergang erweitert, um das Passieren von mehr als 100 Lastwagen täglich zu ermöglichen und den gesamten Transfer humanitärer Hilfslieferungen erledigen zu können. Der Übergang ist täglichem Beschuss ausgesetzt, weswegen er häufig kurzzeitig geschlossen werden muss (so am 24.01). Seit dem 16. Juni 2007 luden 4740 Lastwagen hier Waren für Gaza ab.
Sufa:
Dieser Alternativ-Übergang zu Kerem Shalom dient dem Transfer zusätzlicher Lastwagen nach Gaza und mitunter auch dem Warentransfer von dort. Am 24.02 wurden hier 56 Lastwagen abgefertigt. Seit dem 16. Juni 2007 luden 7914 Lastwagen Waren aus.
Karni:
Hier wurde ein Förderband eingerichtet für den Umschlag von Baumaterial und Aggregaten. Das Förderband wird - ohne dass beide Seiten direkt miteinander in Kontakt kommen - zur Einfuhr lebenswichtiger Güter nach Gaza eingesetzt, von Getreide und Tieren. Seit dem 16. Juli 2007 luden 3462 Lastwagen am Übergang Ware aus.
Bei den insgesamt gelieferten Gütern handelt es sich vorwiegend um Milchpulver und Babynahrung, getrocknete und frische Lebensmittel, Hygieneartikel, medizinisches Gerät und Medikamente, Tierfutter und Bestellungen der internationalen Organisationen, die sich um die Versorgung der Bevölkerung kümmern (wie UNRA, WHO, WFP, IRK u.a.).
Zusätzlich dazu prüft der Koordinator der israelischen Regierung in den Gebieten jede Woche die Bedürfnisse, wie sie von Vertretern der internationalen Organisationen präsentiert werden. Seine Empfehlungen werden an das Verteidigungsministerium weiter geleitet. Von der Stufe des Koordinierungs- und Verbindungsbüros in Gaza bis hinauf zum Verteidigungsminister ist Israel der Position des Obersten Gerichtshofs verpflichtet, der zufolge die Einfuhr grundlegender humanitärer Hilfe in den Gaza-Streifen gewährleistet sein muss. Dies schlägt sich vor Ort in den täglichen Entscheidungen über die Ausreise von Menschen und die Einfuhr von Waren nieder.
Der Durchbruch der Grenze zu Ägypten hat den Export landwirtschaftlicher Produkte (z.B. Blumen und Erdbeeren) aus dem Gaza-Streifen abgebrochen. Aufgrund der wachsenden Sorge vor der Ausbreitung von Tierkrankheiten hat das Landwirtschaftsministerium in Abstimmung mit dem Regierungskoordinator in den Gebieten beschlossen, 45 000 Impfungen gegen Tierkrankheiten wie die Maul- und Klauenseuche zu liefern.
UPDATE 11.03.2008
Ein weitere Einschätzung der Hintergründe, warum sich die 8 NGOs beschweren liefert folgende Website: http://spiritofentebbe.wordpress.com:
"Zu diesem Bericht [der 8 NGOs] nahmen heute auf Einladung der Jerusalemer Organisation Media Central der ehemalige Vorsitzende der Israel-Sektion von Amnesty International, Dr. Michael Ehrlich, und Professor Gerald Steinberg, Geschäftsführer von NGO Monitor (eine Organisation mit besten Referenzen) :-), bei einer Pressekonferenz Stellung."
Unglaublich, aber leider wahr: Hilfsorganisationen, denen per se ein gewisses Vertrauen entgegengebracht und denen Neutralität unterstellt wird, setzten auf Grund ihrer politischen Agenda irreführende Fakten in die Welt.
Unter www.ngo-monitor.org läßt sich übrigens etwas über diese NGOs und ihre Pressestimmen nachlesen.
Montag, 10. März 2008
Israel ist Schuld am Leid im Gaza-Streifen, denn einer muß ja Schuld sein
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Markus
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10.3.08
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Dienstag, 26. Februar 2008
Wer wählt was und was hat das mit Politik zu tun?
Sehr interessanter Artikel über die "backstage"-Landschaft der politischen Parteien, deren Werte und Möglichkeiten, zusammenzuarbeiten - also Koalitionen zu bilden.
Werte spielen dabei eine ganz wichtige Rolle.
Für uns als Christen stellt sich immer die Fragen: Wen oder was können wir wählen? Wählen wir Parteien oder wählen wir Personen? Welche Werte vertreten sie?
Man ist ja inzwischen immer stärker geneigt, Personen zu wählen, da sie anscheinend die noch größere Stabilität garantieren. Eine Partei kann innerhalb weniger Stunden ihre Meinung ändern (so wie á la Kurt Beck: Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?)
Aber in der politischen Auseinandersetzung gehen die Werte immer weiter unter - zugunsten der politischen Machterhaltung. Da koaliert eine SPD lieber mit den Linken (oder lässt sich von ihnen wählen...) als sich an ihr Wahlversprechen zu halten.
Denn so könnten sie die Ministerpräsidentin stellen.
Keiner kann mit keinem
von Klaus-Peter Schöppner, Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid
Nichts geht mehr nach den Landtagswahlen in Hessen.
Nach der Wahl ist vor der Wahl. Die Entscheidung für den richtigen Koalitionspartner ist – siehe Hessenwahl – oft die noch spannendere Wahl. Dabei wird so getan, als würden die Wähler alle Koalitionskakophonien widerstandsfrei akzeptieren. Oft allerdings wird zusammengehörig gemacht, was nicht zusammengehört. Ein Blick hinter die Wertestruktur einzelner Wählergruppen zeigt klar, was bündnistechnisch möglich ist: Fast nichts!
Die Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen haben zumindest eines belegt: Deutschland hat kleine große und große kleine Parteien. Und ein Fünfparteiensystem, das es notwendig macht, über neue, aufregendere Parteienkonstellationen nachzudenken.
Die Phase der Koalitionsverhandlung ist inzwischen die Zeit der Wundertütenpolitik: Nie war der Wähler unsicherer, was er letztlich gewählt hat. Wer SPD ankreuzt, kann Rot-Schwarz, aber auch Rot-Dunkelrot gewählt haben, die Sozialdemokraten koalieren derzeit mit jeder Partei. Und CDU-Wähler finden sich statt mit der FDP plötzlich in einem Bündnis mit der SPD wieder. Die Nachwahlzeit dominiert das „Toyota-Syndrom“: Nichts ist unmöglich…
Doch im „Anything goes“ ist der Koalitionsstreit gleich miteinprogrammiert. Je stärker Machtinteressen dominieren, desto weniger wird auf das „Passt schon“ bei der Bildung von Bündnissen Wert gelegt. Obwohl Politiker genau wissen, dass für erfolgreiche Koalitionen ähnliche Wertemuster ihrer Wähler unverzichtbar sind, spielen diese bei der Partnerwahl keine Rolle. Ärger, Streit, oft sogar das Aufkünden sind die Folgen.
Notwendig ist also, möglichst gut über das Wertebild der eigenen und der Wähler möglicher Koalitionspartner informiert zu sein. Schließlich sind Werte Vorstellungen der Politwünsche, die Einstellungen, Verhalten, letztlich also die Stabilität von Regierungen bedingen. Koalitionen funktionieren nur dann, wenn sie das Wertemapping ihrer Wähler angemessen berücksichtigen.
Dazu hat TNS Emnid das Modell „Semiometrie“ („Wörtermessung“) entwickelt. Dieses misst die Wertestruktur von Wählern anhand von 210 Begriffen, die sich in 14 Wertedimensionen zusammenfassen lassen. Diese Grundwerte wiederum sind als Position in einem zweidimensionalen Raum darstellbar, deren Achsen die Endpunkte sozial versus individual sowie Pflicht versus Lebensfreude definieren.
Die Sympathiemessung dieser Begriffe identifiziert also die Wertestruktur unterschiedlicher Wählergruppen. Und beantwortet brennend aktuelle Fragen wie: Geht Schwarz-Grün? Wie differieren deren Wähler? Und sind diese überbrückbar? Wie nah liegt Rot-Dunkelrot beieinander? Und ähneln die FDP- eher den CDU- oder SPD-Wählern? Wie gut repräsentieren Kurt Beck oder Angela Merkel die eigenen Anhänger? Und ist es ein Nachteil für die SPD, auf Müntefering verzichten zu müssen?
Antwort auf diese Fragen liefert das Profil der verschiedenen Anhängerschaften: Welche Werte charakterisieren welche Wähler?
Die CDU/CSU-Wähler sind konservativ – homogen! Sie eint ihr Werte- und Pflichtbewusstsein, ihre Traditionsverbundenheit, andererseits nur geringer Hedonismus und Abenteuerlust. Keine Partei kann ihre Wähler gezielter und einheitlicher ansprechen.
Ganz anders der SPD-Wähler, den es im Grunde nicht gibt; es gibt gleich zwei Typen: einerseits den pflichtbewussten, redlichen, gewerkschaftlich orientierten Arbeiter. Genauso häufig den intellektuellen, kulturell interessierten Akademiker. Beide passen nicht zusammen. Für die SPD gilt wie für keine andere: „Ich bin zwei Parteien!“
Die FDP-Anhänger charakterisieren sich durch Machtstreben und Hierarchiebewusstsein, Solidarität und Familienorientierung sind eher Fremdbegriffe.
Der typische Grüne ist idealistisch, intellektuell und emotional. Dagegen kaum traditionsverbunden, pflichtbewusst, materiell und konfliktfreudig.
Viel schwammiger dagegen ist das Profil der Linken. Hauptcharakteristikum ist deren Pragmatismus: Sie handeln nicht nach Idealen, schon gar nicht im Wunsch, die Gesellschaft sozial zu verändern. Sie einen persönliche Vorteile, die sie durch Politagitation erreichen können. Linkswähler sind stramme Egoisten.
Das prägnantste Profil haben die rechten Wähler: Kritisch, kämpferisch und dominant sind sie wie keine andere Wählergruppe. Pflichtbewusstsein, Werte und Intellekt sind ihnen dagegen fremd. Die Wähler von Rechtsparteien identifizieren sich nicht über Inhalte noch politische Ziele. Sie verbindet ihr gefährlicher Wille zur Macht.
Was nun sind die Konsequenzen dieses Wertemappings für den politischen Alltag im Fünfparteien-Deutschland? Wenn Dreierkoalitionen zur Regel werden? Was geht, was unter Qualen, welche Bündnisse nicht?
Schwarz-Grün respektiert in keiner Weise das Werteprofil ihrer Wähler, zwischen ihnen gibt es keinerlei Parallelität. Die Zeit ist längst nicht reif für Schwarz-Grün: Wo die CDU Traditions-, Pflicht- und Wertebewusstsein hat, orientieren sich Grüne an Emotionen und Sinnlichkeit. Was den Union-Sympathisanten wiederum ziemlich fremd ist.
Genauso schwer wäre für die SPD die Koalition mit den Linken, den Lafontaine-Faktor nicht einmal eingerechnet, zu ertragen: Vor allem das „alte“ Arbeitermilieu kann gar nichts anfangen mit den politisch eher desinteressierten, dafür aber stark egozentrierten Dunkelroten.
Auch Koalitionen mit der viel umworbenen FDP gestalten sich schwieriger als gedacht: Gerade in ihrer „unsozialen“ Haltung „passen“ FDP-Partnerschaften nicht wirklich, schon gar nicht zu SPD und Grün. Eine Ampel erlaubt das Werteprofil nicht, eine „Schwampel“ kaum.
Die Wunschkoalition der Deutschen ist die „Große“, zumindest solange bei der SPD der Wertekern erhalten bleibt. Schwarz-rote Wähler eint Pflichtbewusstsein und Moral – keine schlechte Voraussetzung in einer Zeit, in der der Werteverfall in der Gesellschaft mit Recht beklagt wird.
Weil die Unterscheidbarkeit der Parteien – inzwischen halten fast 80 Prozent die Parteiprogramme der Großen für austauschbar – extrem nachlässt, kann die Bedeutung der Spitzenkandidaten, wie Hessen und Niedersachsen gezeigt hat, nicht überschätzt werden. Neben Sympathie und Kompetenz dominiert dabei die Adäquanz. Die Frage also, wer zum Werteprofil der Wähler „passt“.
Um Erfolg zu haben, sollten Partei- und Politikerprofil die gleichen Wähler ansprechen. Wo trifft das zu, wo nicht?
Für die CDU-Wähler verkörpert Wolfgang Schäuble am ehesten deren Wertevorstellungen. Angela Merkel ist vielen zu rational, außerdem traditionsfremd. Schäuble verkörpert dagegen Union-Tradition und deren konservatives Weltbild. Eine unter Politikern seltene Identität ist zwischen der Kanzlerin und Ursula von der Leyen zu finden.
Bei der SPD ist der Wertesteckbrief Kurt Becks am weitesten vom SPD-Bild entfernt. Passender Kandidat ist Außenminister Steinmeier, er symbolisiert Pflichtbewusstsein und Disziplin am ehesten. Ein gemeinsames Manko von Beck und Steinmeier: Keiner bedient den „Stallgeruch“, den meisten sind sie zu rational und pragmatisch. Das Resümee: Beck verkörpert das Profil der SPD-Wähler schlechter als Merkel das der CDU-Anhänger.
Links-Wähler identifizieren sich weit stärker mit Gregor Gysi als mit Oskar Lafontaine. Grund ist der hohe PDS-Anteil, also die Dominanz ostdeutscher Werte innerhalb der Linken. Daher gilt der Westdeutsche als zu konfliktfreudig, Gysi bedient dagegen deren atheistische Grundhaltung.
FDP-Anhänger und Parteichef Guido Westerwelle wollen ebenfalls nicht recht zusammenpassen: FDP-Anhänger bemängeln sein zu soziales und werteorientiertes Auftreten sowie seine zu geringe Kampfbereitschaft.
Wie in den Märkten gilt auch in der Politik: Die Wähler werden immer beweglicher und anspruchsvoller, der Wettbewerb um das richtige Kreuzchen immer intensiver und zielgruppenfokussierter. Was Wähler wirklich wollen, ist nicht nur durch Angebot, Argument und Aktualität bestimmt, Wollen, Wünsche, Werte spielen eine ähnlich wichtige Rolle: Werte selektieren, strukturieren, stabilisieren und konformisieren den Wählerwillen. Nur durch sie kann der Wechselbereitschaft Einhalt geboten werden.
Die Qual der Wahl, ob vor dem Kreuz mit dem Kreuzchen für die Wähler oder nachher für die Parteien: Es gewinnt zumeist der, der weiß, wie Wähler ticken.
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Markus
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26.2.08
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Freitag, 15. Februar 2008
Alarmismus: Wie man mit Angst Politik macht
Sehr gute Analyse über den aufgescheuchten und hektisch alles vor sich hertreibenden Alarmismus. Dabei werden ganz schnell alle möglichen Dinge über Bord geworfen - im Namen der Angst.
Leseprobe aus dem Buch "Anleitung zum Zukunfts-Optimismus. Warum die Welt nicht schlechter wird" von Matthias Horx
Das Phänomen des Alarmismus
Es ist Zeit für eine Definition. Unter Alarmismus verstehen wir ein soziokulturelles Phänomen, bei dem Zukunftsängste epidemieartig in weiten Bevölkerungskreisen grassieren. Diese Ängste entstehen aus einer bestimmten Interpretation von Gefahrenmomenten, die durchaus reale Ursprünge (oder Teilaspekte) aufweisen kann. Diese Gefahren werden jedoch symbolisch überhöht und auf ein vereinfachtes, eben katastrophisches Modell reduziert. Eine alarmistische Epidemie verläuft immer nach dem gleichen Muster:
1. Inkubation. Eine Gefahr wird aufgegriffen und in einem medialen Prozess gebrandet. Sie bekommt einen drastischen, wohlklingenden, angsterregenden Namen, zum Beispiel: "Waldsterben" - "Atomtod" - "Rinderwahn" - "Vogelgrippe" - "Klimakatastrophe" - "Feinstaub" - "Überalterung" - "Krieg der Kulturen" - "neoliberalistische Globalisierung" - "neue Unterschicht".
2. Fieberphase. Nun läuft eine kaskadenartige Sinnproduktion an. Experten treten auf und werden über Nacht zu Berühmtheiten. Sendungen zum Thema häufen sich im Fernsehen, die Schlagzeilen werden in immer größeren Lettern gedruckt. Bücher kommen in schnellem Takt auf dem Markt. Bis irgendwann alle "davon" sprechen. Und jeder eine Meinung dazu hat: "Haben Sie schon gehört! Das wird ja immer bedrohlicher!"
3. Ritualphase. Man versucht, etwas zu tun, verweigert etwa bestimmte Kaufakte, meidet Orte. Schuldzuweisungen häufen sich, der Ton wird noch hysterischer.
4. Abklingphase. Das Phänomen hat seinen Höhepunkt überschritten. Es wird plötzlich langweilig oder fällt auf die Stufe des "postkatastrophalen Entertainments" (Matthias Beltz) zurück. Nun erscheinen erste Betrachtungen, die das Phänomen nüchterner und komplexer betrachten, es sinnvoller einordnen, gar rationale Lösungsvorschläge machen. Allerdings werden diese kaum mehr wahrgenommen. Denn nun setzt bereits der nächste Zyklus ein ...
Alarmismus ist kulturgeschichtlich nichts Neues - hysterische Angstepidemien begleiten die Menschheitsgeschichte. Nicht zuletzt basiert das katastrophische Lebensgefühl auf einem psychologischen "Angstlust"-Effekt, den der Publizist Friedrich Sieburg schon in der Nachkriegszeit, 1957, beschrieb:
Die Weltuntergangsstimmung durch scharfe Analysen ins allgemeine Bewusstsein zu heben und sie gleichzeitig auch noch zu genießen, gehört zu den Lieblingsbeschäftigungen des Menschen von heute ... Der Alltag mit seinen tristen Problemen ist langweilig. Aber die bevorstehenden Katastrophen sind hochinteressant. Niemand soll uns um unsere Krise bringen! Wir haben ein Recht auf sie! Aber dass mir niemand zum jüngsten Gericht zu spät kommt!
Seit zu Beginn der siebziger Jahre die elektronischen Massenmedien eine wichtige Funktion übernahmen, scheint sich der "Issue Attention Cycle" jedoch immer stärker zu beschleunigen. Die Verlaufskurve von Phase 1 bis 4 liegt heute bei etwa drei bis vier Monaten. Es gibt aber auch Alarme, die ihre Wirkkraft über Jahrzehnte entfalten. ("Globalisierung" zum Beispiel, oder auch "Global Warming").
Alarmismus ist, wie ich in diesem Buch zeigen möchte, nicht nur ein kulturgebundener Reflex auf Bedrohungen, sondern verselbstständigt sich zu einer gewaltigen Industrie. Mit Alarmismus kann man Politik machen; Machtpolitik, Geldpolitik, Mentalpolitik. Hier geht es um die "große Knappheit" der Informationsgesellschaft: Aufmerksamkeit. Wodurch kann man Aufmerksamkeit besser organisieren als durch Ängste? Und wodurch kann man Macht besser erreichen oder festigen als durch Inszenierungen von Angst?
Alarmismen erzeugen ständig neue Nachfragen nach Angstfetischen, seien es obskure Geräte gegen Magnetstrahlen oder Turnschuhe aus Bio-Jute. Sie generieren völlig neue, durchaus sinnvolle Marktsegmente, etwa den Bio-Lebensmittelmarkt. Aber nur der amerikanische Alarmismus bringt es fertig, innerhalb von einem Jahr die gesamte Nahrungskette zu verändern, sodass inzwischen in allen Supermärkten Fleisch, Eier und Fett ganz vorne in den Theken stehen, während Nudeln und Müsli in die Schmuddelecke befördert wurden! Und das alles nur, weil "Wissenschaftler festgestellt haben", dass die grassierende Fettleibigkeit an zu vielen Kohlehydraten liegt!
Wie also funktioniert dieses System? Woraus speist es seine enormen mentalen Energien? Wer sind die Spieler auf dem Feld? Und vor allem: Wie müssen wir es interpretieren? Ist das Ganze nur ein Medienspektakel, das uns letztendlich ein wenig unterhalten, gruseln und das Fürchten lehren soll - ein zwar irgendwie überhitztes, aber funktionierendes Frühwarnsystem?
Oder haben wir womöglich gute Gründe, im Namen der Zukunft nicht nur skeptisch, sondern gar alarmistisch gegenüber dem Alarmismus zu sein?
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Markus
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15.2.08
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Mittwoch, 6. Februar 2008
Wissenschaft: Meinung oder Fakten?
Wie stehe ich als Christ zur Wissenschaft? Bin ich per se der viel beschrieene Feind der Wissenschaft, nur weil ich deren Erkenntnisse nicht als "ultima ratio" sehe, sondern immer nur als eine Zwischenerkenntnis?
Nein, ganz bestimmt nicht, denn das sehen auch Nicht-Christen und sogar Atheisten ganz genau so. Wissenschaftliche Erkenntnisse haben immer nur eine bestimmte Haltbarkeit. Sie ist dann vorbei, wenn die nächste Erkenntnis kommt, die die vorherige über den Haufen wirft. Das ist hundertfach in der Vergangenheit so passiert.
Wie aber verhält sich dieses Prinzip bei so strittigen - weil existenzielle Fragen betreffenden - Themen wie Klimawandel oder Evolution/Schöpfung?
Da werden diese Prinzipien auch mal schnell über den Haufen geworfen, wenn es denn der Stärkung der eigenen Meinung dient.
Ein schönes Beispiel so einer Posse (es geht um die Frage, wie schnell unser Klima kippen kann) kommentiert die "Zeit":
Gerade darum ist die Wissenschaft in der Pflicht, Wissen zu generieren, das wirklich als belastbare Basis für eine gesellschaftliche Debatte taugt. Dazu gibt es eindeutige Qualitätsstandards und eine klare wissenschaftliche Methodik. In ihrem Kern sitzt der Zweifel: Sind die eigenen Ergebnisse wirklich sicher? Muss man mit einer noch besseren Methode forschen? Wo sind die Fehler im bisherigen wissenschaftlichen Verständnis? Nur wenn dies die Forschung antreibt, kann sie immer besser werden. Kollektive Mutmaßungen aus einer Auswahl weltweiter Labors haben innerhalb dieser Regeln keinen Platz als Bausteine im großen Gebäude des Wissens.
Hier der ganze Artikel.
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Markus
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6.2.08
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Montag, 4. Februar 2008
Hisbollah-Satellitensender "Al-Manar" wird in Frankreich gekippt
Für die französischen Verwaltungsrichter ist es erwiesen, dass Al-Manar in seinen Programmen «zu Hass und Gewalt wegen Religion oder Nationalität anstiftet». Der Sender steht angeblich der extremistischen Hisbollah nahe und solidarisiert sich nicht nur in den Debatten und Nachrichten, sondern auch in den Unterhaltungsprogrammen mit dem Kampf der Palästinenser.
Der Staatsrat, Frankreichs oberstes Verwaltungsgericht, hat angeordnet, dass Eutelsat die Ausstrahlung des libanesischen Fernsehsenders Al-Manar innert 48 Stunden einstellen muss. Die französische Justiz will damit ein Exempel im Kampf gegen antisemitische Hetze statuieren.
Für die französischen Verwaltungsrichter ist es erwiesen, dass Al-Manar in seinen Programmen «zu Hass und Gewalt wegen Religion oder Nationalität anstiftet». Der Sender steht angeblich der extremistischen Hisbollah nahe und solidarisiert sich nicht nur in den Debatten und Nachrichten, sondern auch in den Unterhaltungsprogrammen mit dem Kampf der Palästinenser.
Diese Parteinahme störte nicht nur Israel, denn sie glitt auch nach Auffassung der französischen Medienhüter von der politischen Kritik am Zionismus in offenen Judenhass. Schon 2003 hatte in Frankreich der Repräsentative Rat der Jüdischen Institutionen Alarm geschlagen, als auf Al-Manar eine plump antisemitische Serie ausgestrahlt wurde. Damit begann ein juristisches Seilziehen, ohne das Al-Manar unter den zahlreichen Satellitensendern vielleicht in anonymer Bedeutungslosigkeit verblieben wäre. Das Verbot aber verhilft den libanesischen Fernsehmachern zu unverhofftem Ruhm, sie bezeichnen sich als Märtyrer und als Opfer «einer von der zionistischen Lobby in Frankreich organisierten Kampagne». Und bereits drohen die libanesischen Medienbehörden französischen Sendern mit Retorsionsmassnahmen.
Der französische Gerichtsentscheid ist spektakulär, seine unmittelbaren Folgen sind jedoch eher symbolisch. Eutelsat wird die Verbreitung von Al-Manar unterbrechen, was technisch gar nicht so einfach ist; denn zusammen mit Al-Manar werden auch acht andere arabische Fernsehprogramme für das Publikum in Europa ausgestrahlt. Dank Arabsat und via Internet kann man Al-Manar indes auch weiterhin empfangen. Paris schafft jedoch einen Präzedenzfall. Laut den Medienüberwachern des Conseil Supérieur de l'Audiovisuel müssen «zehn bis zwölf» andere Sender wegen rassistischer Programme mit ähnlichen Sanktionen rechnen.
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Markus
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4.2.08
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Donnerstag, 24. Januar 2008
Gaza-Streifen-Blockade - Inszenierung einer Krise
Seltsam. Warum hört man so etwas nicht in unseren Mainstream-Medien (ARD, ZDF, NDR, ...)?
Die Inszenierung war perfekt. Ein Palästinenser kommt mit einer brennenden Kerze in der einen Hand und einer brennenden Zigarette in der anderen aus seinem Haus, beleuchtet das Türschloss seines chromblitzenden Autos, dreht den Zündschlüssel herum und fährt davon. Besser hätte Al Dschasira die angebliche "humanitäre Krise" im Gazastreifen nicht darstellen und gleichzeitig beweisen können, dass Propaganda kurze Beine hat. Die Kerze war reine Show, denn der Stromausfall im Gazastreifen lag weder an den Israelis noch an einem Mangel an Diesel für das Kraftwerk in Gaza. Die brennende Zigarette zeigte, dass der Lieferstopp der Israelis keineswegs perfekt ist. Und wenn der Herr mit seinem Auto wegfahren konnte, scheint es doch mehr Benzin zu geben, als behauptet.
Inszenierung einer Krise
Von Ulrich W. Sahm
Festgefahrene Lage
Die Ereignisse rund um den Gazastreifen haben sich seit Donnerstag überschlagen, wobei Wirklichkeit und Wahrnehmung schwer auseinanderzuhalten sind. Nachdem israelische Tanklastwagen am Donnerstag früh die übliche Menge von zwei Millionen Litern Kraftstoff für die Stromherstellung, hunderte Tonnen Kochgas und eine reduzierte Menge Benzin beim Terminal Nachal Oz in den Gazastreifen fließen ließen, verkündete Israels Verteidigungsminister Ehud Barak eine Blockade. Beabsichtigt war, Druck auf die palästinensische Bevölkerung auszuüben, damit die Hamas den Raketenbeschuss auf die israelische Kleinstadt Sderot, auf Aschdod und grenznahe Kibbuzim einstellen möge. In letzter Zeit explodierten Salven mit bis zu 30 Raketen täglich in israelischen Grenzorten, während israelische Attacken auf Raketenschützen, Stellungen der Hamas und gezielte Tötungen palästinensischer Kämpfer mit über 300 Toten seit Jahresbeginn nur das Gegenteil bewirkten, nämlich noch mehr Raketenangriffe.
Über eine Großinvasion wird seit zwei Jahren geredet. Wahrscheinlich gibt es kein anderes wirksames Mittel gegen den Raketenbeschuss, solange eine "politische Lösung" ausgeschlossen ist. Doch kein Israeli will die Verantwortung für hunderte oder gar tausende Tote tragen, die ein massiver Einmarsch bedeuten würde. Und so blieb nur die Idee, die Hamas durch Stromausfall und Benzin-Kürzungen unter den Druck der eigenen Bevölkerung zu setzen, während Ministerpräsident Ehud Olmert wie eine Mantra wiederholte: "Wir werden eine humanitäre Krise im Gazastreifen nicht zulassen."
Es wird heißer gekocht
Freitags und samstags wird wegen Feiertag ohnehin nichts geliefert. Dennoch startete die Hamas schon am Sonntag früh mit dem Abschalten des Kraftwerks im Gazastreifen ihre konzertierte Kampagne des plötzlichen Notleidens der Menschen infolge der israelischen Blockade. Gleichwohl floss weiterhin israelischer Strom und deckte über 80 Prozent Bedarfs in Gaza. Und die Tanks des palästinensischen Kraftwerks waren doch erst am Donnerstag gefüllt worden. Pünktlich zu den Nachrichtensendungen in Israel und Europa, am Sonntag um 19:00 Uhr MEZ, standen in Gaza hunderte Kinder mit Kerzen bereit, als die Hamas den Strom ganz ausschaltete.
Gleichzeitig verschicken Menschenrechtsorganisationen, Caritas und Oxfam, Amnesty und Betzelem sowie Sprecher der UNO-Flüchtlingshilfeorganisationen tief besorgte Emails an die Presse. Sie "drohten" mit dem Ausbruch einer humanitären Krise "innerhalb von Tagen" oder "innerhalb von Wochen", falls Israel nicht sofort seine Blockade aufhebe. Verteidigungsminister Barak, dem schon als Premierminister eine unstete "Zickzack-Politik" vorgeworfen wurde, bekam kalte Füße und orderte am Dienstag die sofortige Lieferung von Kraftstoff für das Kraftwerk und eine reduzierte Menge Benzin. Die Lastwagen der UNO sollten wieder Mehl und Zucker austeilen können. Das Benzin wurde aber am Grenzterminal nicht abgeholt, "weil Israel nicht die volle Menge geliefert hat", protestierten Sprecher in Gaza.
Hamas verbucht politischen Sieg
Am Dienstagabend nutzte die Hamas die weltweite Welle des Mitgefühls, zumal Ägyptens Präsident Hosni Mubarak bei Olmert angerufen hatte, um eine Aufhebung der Blockade zu fordern. Tausende Demonstrantinnen von Hamas-Frauenorganisationen wurden zur ägyptischen Grenze bei Rafah vorgeschickt, um physisch die Blockade zu durchbrechen. Ägyptische Soldaten schossen mit scharfer Munition in die Menge. Mindestens eine Frau starb. Dutzende erlitten Verletzungen. Am Mittwochmorgen sprengte dann die Hamas (vor laufenden Kameras) die ehemals israelischen Grenzbefestigungen. Zehntausende Palästinenser, teilweise beladen mit schweren Koffern auf dem Rücken und Frauen mit Babys im Arm, strömten unkontrolliert von Gaza nach Ägypten.
Ratlos kommentierten israelische Experten das Geschehen an der einst schwer bewachten Grenze, während Hamas einen weiteren politischen Sieg verbuchte. Die israelische Blockade hat Hamas mit ihrer Kampagne und dem Aufbrechen der Grenze wirkungslos gemacht. Gleichzeitig zwang sie den Ägyptern die undankbare Aufgabe auf, nun für den Gazastreifen die Verantwortung zu tragen. Aus Kairo kommt schon die erste Schuldzuweisung, gegen Israel natürlich: Nur weil Israel den Ägyptern die Verlegung von zusätzlichen 700 Soldaten an die Grenze bei Rafah verweigert habe, könne der unkontrollierbare Menschenstrom "verhungernder Palästinenser" (so Präsident Mubarak) nicht gestoppt werden.
Kommentar
Die Palästinenser im Gazastreifen schwelgen nicht im Überfluss. Kein Zweifel. 79 Prozent Arbeitslosigkeit, abgeriegelte Grenzen und Mangel an Zigaretten machen das Leben schwer und unerträglich. Die "humanitäre Krise" wird bisher nur angedroht, also als politisches Brecheisen in einem globalen Chor von arabischen Politikern, UNO-Funktionären und friedliebenden Menschenrechtsorganisationen verwendet. Für die Nöte der Israelis in Reichweite der Hamas-Raketen ließen sie noch keine Tränen des Mitgefühls fließen.
Was sich auf dem Rücken der Menschen beiderseits der Grenze zum Gazastreifen abspielt, ist hohe Politik. Die islamistische Hamas-Organisation hat Israel, der Welt und der Autonomiebehörde in Ramallah bewiesen, dass sie die Politik mit Geschick und Gewalt bestimmen kann. Mit ihren Raketen auf Israel kann sie jegliche Friedenshoffnungen zerstören. Mit ihrer inszenierten Kampagne einer Instant-Krise, noch ehe Israels angekündigte Blockade überhaupt greifen konnte, machte sie Israels Politik lächerlich, weil ohne Biss.
Das von der Hamas grandios dirigierte weltweite Trommelfeuer der Kritik an Israel dürfte Jerusalem mehr schmerzen als die Raketen auf Sderot. Und jetzt hat sich die Hamas mit Erfolg auch noch über alle Abmachungen und Verträge zwischen Israel und Ägypten vor dem einseitigen israelischen Rückzug aus Gaza im Sommer 2005 hinweggesetzt.
Die Grenze zwischen Gaza und Sinai wurde kamerawirksam gesprengt und dann mit Bulldozern beiseite geräumt. Hiermit wischte Hamas die Osloer Verträge beiseite, die Grundlage der palästinensischen Selbstverwaltung, die Existenzberechtigung der Autonomie-Regierung in Ramallah und die vertragliche Abmachung, wonach Israel alle Außengrenzen kontrolliere. Zugleich rächte sich Hamas an der Weigerung von Anwar el Sadat, im Rahmen des Friedensvertrags mit Israel den Gazastreifen wieder von Ägypten verwalten zu lassen.
Fortan muss Ägypten zwangsweise schauen, wie es seine "grenzenlosen" Beziehungen mit den Brüdern der ägyptischen Moslembrüder in dem von Hamas beherrschten Gazastreifen gestaltet. Gleichzeitig wird sich die israelische Regierung fragen müssen, wie dumm sie nur sein konnte, eine Blockadepolitik zu beschließen, die erfahrungsgemäß zu einem Schuss ins eigene Knie werden musste.
Eingestellt von
Markus
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24.1.08
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Donnerstag, 17. Januar 2008
Jugendliche Intensivtäter - warum und woher?
Darf man so eine Frage stellen? Zum Glück gibt es Leute, die solche Fragen stellen. Z.B.:
Roman Reusch ist Chef der Intensivtäterabteilung bei der Berliner Staatsanwaltschaft. Er vertritt Ansichten, mit denen seine Vorgesetzten nicht einverstanden sind und soll deswegen aus “fürsorglichen Gründen” versetzt werden. Hier ein Vortrag von ihm über Migranten mit Kriminalitätshintergrund:
http://www.hss.de/downloads/071207_VortragReusch.pdf
Ein paar Ausschnitte aus dem Vortrag:
Insgesamt haben knapp 80 % aller eingetragenen Intensivtäter einen Migrationshintergrund.
Der Anteil der ethnischen Deutschen liegt nach Abzug der Russland-Deutschen bei rund 17 %, bei Zuzählung derselben bei rund 20 %. Der Annahme, daß es ohne die Migrationsbewegungen der letzten Jahrzehnte kein nennenswertes Intensivtäterproblem gäbe, könnte somit schwerlich widersprochen werden.
[...]
Die Täter stammen – jedenfalls aus gesamtgesellschaftlicher Perspektive – von wenigen Ausnahmen abgesehen aus sozial randständigen Familien, insbesondere solchen mit bildungsfernem Hintergrund. Gleichwohl finden sich je nach ethnischer Herkunft erhebliche Unterschiede. So stammen die ethnischen Deutschen regelmäßig aus Familienverhältnissen, welche üblicherweise als kriminalitätsfördernd beschrieben werden. Alkoholmißbrauch, fehlende Zuwendung für die Kinder, Gewalt innerhalb der Familie etc. bestimmen das Bild und damit die Kindheit und Jugend der dort aufgewachsenen Täter. Hiervon unterscheiden sich die Familienverhältnisse der orientalischstämmigen Täter meist deutlich. Hier findet man vorwiegend Familien vor, die sich selbst keineswegs als irgendwie auffällig empfinden oder gar beschreiben würden, sondern die sich mehr oder minder nahtlos in die übrigen Migrantenfamilien ihres Wohngebietes einordnen und die – gemessen an den eigenen Maßstäben – meist auch über halbwegs intakte familiäre Strukturen verfügen. Übereinstimmendes Merkmal zwischen den verschiedenen orientalischen Ethnien dürfte die Gewaltanwendung des männlichen Familienoberhauptes gegenüber seiner Familie sein. Körperliche Züchtigungen, auch heftige Schläge, sind, wie die jungen Migranten immer wieder berichten, gängige Erziehungspraxis.
Dem devianten Verhalten ihrer Söhne stehen diese Familien teils unwissend, teils verharmlosend, aber auch hilflos gegenüber. Die heimatliche Tradition verbietet es geradezu, Hilfen von außerhalb, noch dazu eine solche des fremden Staates, zuzulassen oder gar zu erbitten. Bei den bereits beschriebenen türkischkurdisch-libanesischen Großfamilien muss zudem davon ausgegangen werden, dass dort keineswegs selten eine konsequente Erziehung zur professionellen Kriminalitätsausübung stattfindet. Aus Berichten von Mitarbeitern der Jugenduntersuchungshaftanstalt Kieferngrund wissen wir, dass Jugendliche aus solchen Familien schildern, wie sie von Kindesbeinen an von ihren Müttern bereits zum Stehlen angehalten wurden und z.B. erst nach Hause zurückkehren durften, wenn eine bestimmte Mindestbeutesumme erreicht war. In diesen Familien gilt seit je her – wie vor einiger Zeit die Geschäftsführerin des Arabischen Frauenvereins „Al-Dar“, Frau Abul-Ella, auf einer Diskussionsveranstaltung erläuterte – der Leitsatz:
„Knast ist für Männer“. Bei diesen Familien wird somit als völlig normale Gegebenheit vorausgesetzt, dass ihre Männer früher oder später Haftstrafen zu verbüßen haben, dies ist Teil des „Geschäftskonzepts“. Jugendliche aus solchen Familien dazu anzuhalten, zu lernen und zu arbeiten, kommt dem Versuch gleich, Wasser mit einem Sieb aufzufangen. Sie erleben schließlich, dass ihr Vater, die älteren Brüder, Cousins, Onkel etc. ebenfalls kaum lesen und schreiben können und trotzdem „dicke Autos“ fahren.
Generell wachsen die meisten der bei uns geführten Täter in einem Umfeld auf, indem – jedenfalls für junge Männer - die Begehung auch schwerster Straftaten zur völligen Normalität gehört, weshalb die meisten auch schon in strafunmündigem Alter delinquent werden. Sie wissen zwar, dass ihr Handeln grundsätzlich verboten ist, dies schert sie jedoch wenig. Sie haben eine Selbstbedienungsmentalität entwickelt, die darauf abzielt, sich zu nehmen, was immer sie wollen und wann und so oft sie es wollen. Ihre Taten dienen in erster Linie der Finanzierung eines aufwendigen Lebensstils, den sie sich bei ihrem Bildungs- und Ausbildungsstand durch Arbeit nie leisten könnten. Außerdem erlangen sie durch ihr „Gangstertum“ in ihrem Umfeld ein durch Arbeit ebenfalls nicht erlangbares Sozialprestige. Sie mieten sich hochwertige Autos, wofür sie in bar zahlen, und fahren an Schulen und anderen Jugendtreffpunkten vor, um mit ihrem Lebensstil anzugeben. Bei Begehung der Taten legen sie auch stets Wert darauf, ihre Opfer zu demütigen und zu erniedrigen, woraus sie für sich selbst ein weiteres Mal Bestätigung ziehen.
[...]
Opfer sind ganz überwiegend Nichterwachsene. Nach den Feststellungen der zuständigen Dienststelle des Berliner Landeskriminalamtes haben in Berlin Jugendliche ein 40fach höheres Risiko als über 60-jährige, Opfer einer Gewalttat zu werden. Für dieses Risiko zeichnen u.a. die von uns bearbeiteten Täter verantwortlich. Erwachsene werden nur vereinzelt und meist auch nur dann Opfer, wenn sie konstitutionell in ihrer Abwehrfähigkeit herabgesetzt sind, wie z.B. alte Menschen oder aber auch Betrunkene. Mädchen und junge Frauen, die diesen Tätern im wahrsten Sinne des Wortes in die Hände fallen, müssen immer auch damit rechnen, Opfer sexueller Übergriffe zu werden, meist einhergehend mit wüsten Beschimpfungen wie „deutsche Schlampe, deutsche Hure etc.“. Gerade solche Taten sind häufig von einer Anmaßung und Menschenverachtung seitens der Täter geprägt, die ihre Wurzeln meist im national-religiösen Überlegenheitswahn muslimischer Jungkrimineller haben, welcher sich gerade gegenüber "ungläubigen“ Frauen und Mädchen in besonders abstoßender Weise äußert. Die diesen Taten zugrundeliegende Einstellung kommt auch darin besonders deutlich zum Ausdruck, daß der größte Vorwurf, der einem muslimischen Mädchen gemacht werden kann, der ist, sie benehme sich wie eine Deutsche. Generell ist zu konstatieren, daß in jüngerer Zeit ausgesprochen deutschfeindliche – wie übrigens auch antijüdische - Übergriffe zunehmen.
[...] dass die zahlenmäßig größte Tätergruppe, nämlich junge männliche Kriminelle orientalischer Herkunft, in einer Sozialisation heranwachsen, in welcher - außerhalb der Familie - das Bestehen eines gänzlich gesetzlosen Lebenskonzeptes zur weitverbreiteten Normalität gehört. Die Angehörigen dieser Tätergruppe zeichnen sich denn auch insbesondere durch völlig fehlende Unrechtseinsicht und weitgehende Resistenz gegen polizeiliche und justizielle Maßnahmen aus. War dies früher nur ein sich aufdrängender Eindruck, so ist nunmehr in zahlreichen Fällen durch Erstellung der Lebensläufe bewiesen, dass weder polizeiliche Vorladungen und Vernehmungen noch gerichtliche Hauptverhandlungen für sich genommen auch nur den geringsten Eindruck auf diese Täter zu machen scheinen. Selbst kurzzeitige Freiheitsentziehungen wie vorläufige Festnahmen und Arreste gehen scheinbar spurlos an ihnen vorbei. Nicht einmal der Erlaß von Haftbefehlen mit sofortiger Haftverschonung oder die drohende Verurteilung zu einer Jugendstrafe mit Bewährung respektive Vorbewährung kann die übergroße Mehrheit von ihnen von weiterer serienmäßiger Begehung schwerer Straftaten abhalten. [...] Es gibt nur eine einzige Maßnahme, die sie wirklich beeindrucken könnte, nämlich die Haft. So entspricht es polizeilichen Erfahrungen, dass Täter, die bereits einige Monate Untersuchungshaft hinter sich haben, in ihrem Auftreten und Verhalten deutlich vorsichtiger geworden sind.
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Markus
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Sonntag, 13. Januar 2008
Nachrichten dieser Zeit
Die Nachrichtenindustrie schafft eine künstliche Medienwelt, die nichts mit der realten Welt gemeinsam hat, meint der holländische Auslandsreporter Joris Luyendijk: Die Nachrichtenindustrie schafft eine künstliche Medienwelt, die nichts mit der realten Welt gemeinsam hat, meint der holländische Auslandsreporter Joris Luyendijk. taz: Herr Luyendijk, als Sie Korrespondent für die arabische Welt wurden: Was hat Sie anfangs am meisten überrascht? Joris Luyendijk: Dass die Mehrheit der Auslandskorrespondenten kein Arabisch spricht! Ob man nun die New York Times, Newsweek oder die Süddeutsche Zeitung nimmt - selbst der berühmte britische Journalist Robert Fisk spricht kein Arabisch. Ich finde das immer noch unglaublich. JORIS LUYENDIJK, 36, war fünf Jahre lang als Korrespondent für niederländische Medien im Nahen Osten unterwegs. Zuvor hatte er Sozialwissenschaften und Arabisch studiert. Sein selbstkritischer Bericht über seinen Job avancierte in den Niederlanden zum Sachbuch-Bestseller. Auf Deutsch ist sein Buch unter dem Titel "Wie im echten Leben. Von Bildern und Lügen in Zeiten des Krieges" im Tropen-Verlag (19,80 Euro) erschienen. An welchem Punkt haben Sie Ihr Vertrauen in die gängige Berichterstattung verloren? Das Schüsselereignis war der 11. September 2001. Mich hat bestürzt, dass es über die jahrzehntelange Unterstützung arabischer Diktaturen durch den Westen anfangs überhaupt keine Debatte gab. Das war wie ein Tabu, wie eine geheime Verschwörung: Wir sprechen jetzt einfach nicht über den weißen Elefanten im Raum. Wir können über alles andere reden: den Lärm, den Dreck, die Scheiße des Elefanten - aber nicht über den Elefanten selbst. Dass dieser weiße Elefant eine Diktatur ist. Und dass diese Diktatur nur dank unserer Unterstützung überlebt. Sie eröffnen Ihr Buch mit einem Zitat aus einem Song von Leonhard Cohen: Es gibt einen Krieg zwischen denen, die sagen, es ist Krieg, und denen, die sagen, da ist keiner. Ist das die Grundthese Ihres Buches? Ich glaube, als Journalist kann man nicht wirklich objektiv sein. Nehmen wir etwa den Nahostkonflikt. Wir Journalisten geben da immer den Radikalen das Wort. Die radikalen Israelis sagen, der Terror der Palästinenser beweist, dass sie keinen Frieden wollen. Und die radikalen Palästinenser sagen, nein, die israelische Regierung ist der wirkliche Verbrecher. Würden wir einem Aktivisten der Friedensbewegung das Wort geben, dann bekämen wir ein ganz anderes Bild. In Ihrem Buch schreiben Sie über medial bedingte Missverständnisse. Haben Sie dafür ein prägnantes Bespiel? Die palästinensischen Steinewerfer sind mein Lieblingsbeispiel. Als ich damals in Beirut wohnte, bat mich meine Redaktion, nach Ramallah zu fahren. Ich hatte im Fernsehen Bilder von Steinewerfern gesehen, und diese Szenen sahen wirklich furchtbar aus. Ich dachte, jetzt gehe ich in den Krieg. Als ich dann endlich in Ramallah ankam, war es dort so friedlich wie in Köln oder Amsterdam: Kinder kamen aus der Schule, Busse fuhren ihre Runden, die Tomaten waren im Sonderangebot. Als ich dann nach den Steinewerfern fragte, antwortete man mir: Immer geradeaus, dann nach links. Dort finden Sie jeden Tag nach zwei Uhr die Steinewerfer. Und tatsächlich, am nächsten Tag habe ich dort dann die Steinewerfer angetroffen. Die Bilder auf CNN hatten ein völlig verzerrtes Bild geliefert. Woran lag das? An den Nahaufnahmen. Wenn man eine andere Kameraperspektive gewählt hätte, dann hätte man erkennen können, dass es da auch Zuschauer gab, die in Ruhe ihren Falafel aßen. Wenn man einen anderen Blickwinkel gewählt hätte, dann hätten die Bilder aber eben auch nicht halb so dramatisch gewirkt. Was kann man gegen solche Verzerrungen tun? Wir müssen die Auswahl dessen, worüber berichtet wird, besser prüfen. Ein Beispiel: Wenn israelische Regierungen in einem Jahr zwischen 1.000 und 3.000 Palästinenser ermorden, dann bekommt das sehr viel Aufmerksamkeit. Aber wenn Russland in Tschetschenien 100.000 Leute ermordet, dann wird darüber kaum berichtet, denn es ist für einen Journalisten praktisch unmöglich, nach Tschetschenien zu gehen. Im Laufe eines Jahres finden sich in unseren Medien deshalb vielleicht drei oder vier Berichte über Tschetschenien - und 25 über Israel. Deshalb denken die Zuschauer, dass Israel wirklich ein schrecklicher Staat ist. Dabei ist Israel im Vergleich noch ein sehr anständiger Staat. Sie beschreiben in Ihrem Buch, wie Korrespondenten vor Ort arbeiten. Wie sieht das aus? Ich dachte einmal, ein Journalist sei jemand, der einfach aufschreibt, was geschieht. Dann habe ich gelernt, wie der heutige Fallschirm-Journalismus funktioniert: Man macht eine Punktlandung, wie mit einem Fallschirm. Und wenn man ankommt, braucht man vor Ort einen Dolmetscher und einen "Fixer", der einem die Termine "fixt" - das ist jemand, der einem in Gaza-Stadt eine Witwe organisiert, die bei einem israelischen Angriff ihren Mann verloren hat. So ein Fixer hat meist ein ganzes Portefeuille solcher Kontakte parat, aus denen ich dann auswählen kann. Der gleiche Fixer arbeitet auch für die New York Times, die BBC und die Süddeutsche Zeitung. Und er weiß, wie wichtig vor allem fürs Fernsehen die Originalzitate sind, die sogenannten O-Töne. Was ist daran so besonders? Im Fernsehen hat man im Schnitt nur 12 Sekunden für einen O-Ton. Man braucht also in der Regel einen Interviewpartner, der versteht, dass er nur 12 Sekunden hat - und keine 12 Minuten. Diese Fixer haben meist eine Liste von solchen "Talking Heads" bereit. Es ist dabei nicht wirklich wichtig, ob ein solcher "Experte" auch wirklich ein Experte ist: Wenn er nur oft genug auf CNN erscheint, dann wird er wichtig. So bekommt man eine künstliche Medienwelt, die meilenweit entfernt ist von der realen Welt. Da gibt es Experten, bei denen alle wirklichen Kenner die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und sagen: Das ist doch ein Vollidiot! Aber der wird dann zu einem Selbstläufer. Ist ein Hauptproblem im Journalismus also die Zeit? Ja. Die Nachrichtenindustrie verkauft die Illusion, dass es ein Verstehen auf Knopfdruck gibt. Aber es ist einfach unmöglich, ein komplexes Problem in ein paar Sekunden zu erklären. Alle Experten, die vor dem Irakkrieg erklärt haben, warum das, was die USA im Irak versuchen, unmöglich funktionieren könne, haben dafür fünf Minuten gebraucht. Man kann der Ambiguität dieser Welt nicht in zwölf Sekunden gerecht werden. Dafür bräuchte es einen völlig neuen Nachrichtenjournalismus. Unsere Wahrnehmung wird durch unsere Sprache geprägt. Welcher Sprache bedienen sich die Medien? Es ist ein asymmetrisches Vokabular. Für die wichtigsten Dinge gibt es keine unparteiischen Begriffe. Wenn etwa die Haltung des syrischen Präsidenten den Interessen des Westens widerspricht, dann sagt man, er sei "antiwestlich". Von einen US-Präsidenten heißt es dagegen nie, er sei "antiarabisch" oder "antiiranisch". "Anti" heißt: Er hasst uns. Wenn nicht, ist er gemäßigt. Ich bin kein Neonazi. Aber nennt man mich darum einen "gemäßigten Europäer"? Doch ein Muslim, der kein Dschihadist ist, wird als "gemäßigter Muslim" bezeichnet. Das impliziert, dass er als Extremist geboren wurde, aber diesen Extremismus hat er zum Glück gemildert. Welchen Ausweg sehen Sie aus diesem Dilemma? Ich weiß auch nicht, wie man den Journalismus objektiver machen kann. Das ist ein altes Thema. Aber ich glaube, wir müssen offener mit den Problemen umgehen und dem Publikum klarer machen, dass wir nur eine Version der Wahrheit abbilden. Aber ist das Publikum wirklich bereit, das zu hören? Dass wir vielleicht von unserer eigenen Regierung manipuliert werden? Ich glaube, viele Leute schalten die Nachrichten ein, um zu hören, dass ihre Regierung letztendlich recht hat.
"Die palästinensischen Steinewerfer sind mein Lieblingsbeispiel. Als ich damals in Beirut wohnte, bat mich meine Redaktion, nach Ramallah zu fahren. Ich hatte im Fernsehen Bilder von Steinewerfern gesehen, und diese Szenen sahen wirklich furchtbar aus. Ich dachte, jetzt gehe ich in den Krieg. Als ich dann endlich in Ramallah ankam, war es dort so friedlich wie in Köln oder Amsterdam: Kinder kamen aus der Schule, Busse fuhren ihre Runden, die Tomaten waren im Sonderangebot. Als ich dann nach den Steinewerfern fragte, antwortete man mir: Immer geradeaus, dann nach links. Dort finden Sie jeden Tag nach zwei Uhr die Steinewerfer. Und tatsächlich, am nächsten Tag habe ich dort dann die Steinewerfer angetroffen. Die Bilder auf CNN hatten ein völlig verzerrtes Bild geliefert."Fallschirm-Journalisten
"Schon unser Vokabular ist parteiisch"
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Markus
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13.1.08
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Donnerstag, 3. Januar 2008
"Google ist die mächtigste Detektei, die es je gab"
Vor 10-20 Jahren haben wir alle fröhlich Microsoft(MS)-Produkte benutzt:
Word und Excel waren großartige Programme und auch der etwas später kommende Internet-Explorer war schnell akzeptiert.
Dass dadurch Programme wie Word Perfect oder der Netscape Navigator gnadenlos verdrängt wurden, haben viele erst einmal hingenommen, hat aber dann immer mehr Unmut erregt. So langsam entwickelten einige Menschen eine "Microsoft"-Allergie und dies gipfelt heutzutage in der Benutzung von sogenannten "Open-Source"-Programmen wie Linux, Firefox, Thunderbird, OpenOffice und viele anderen, mit denen sich manche von der MS-Vorherrschaft befreien möchten.
Suchen wir heutzutage Informationen, dann sind Google, Wikipedia und Konsorten die 1.Wahl und nicht irgendwelche Enzyklopädien auf CD.
Wollen wir uns darstellen, gibt es Myspace, Youtube, StudiVZ/SchülerVZ und andere Anbieter. Fotoalben und Freundebücher (auf Papier!) haben ausgedient.
Wir wollen uns die Welt anschauen und Informationen zu bestimmten Orten bekommen: Google Earth/maps stehen parat, der alte Atlas verstaubt im Regal.
Und so geht das weiter. Was viele nicht wissen, dass sich auch hier wieder eine Kombination der verschiedenen Unternehmungen von Google wie YouTube, Google Earth, Google Mail etc. entstanden ist, die im Komglomerat die gesammelten Informationen untereinander austauschen, bewusst koordinieren und verschmelzen.
Vor 10-20 Jahren haben wir alle fröhlich Microsoft(MS)-Produkte benutzt:
Word und Excel waren großartige Programme und auch der etwas später kommende Internet-Explorer war schnell akzeptiert.
Dass dadurch Programme wie Word Perfect oder der Netscape Navigator gnadenlos verdrängt wurden, haben viele erst einmal hingenommen, hat aber dann immer mehr Unmut erregt. So langsam entwickelten einige Menschen eine "Microsoft"-Allergie und dies gipfelt heutzutage in der Benutzung von sogenannten "Open-Source"-Programmen wie Linux, Firefox, Thunderbird, OpenOffice und viele anderen, mit denen sich manche von der MS-Vorherrschaft befreien möchten.
MS stand auch immer wieder in der Kritik, heimlich Daten über die Benutzer seiner Produkte zu sammeln. Nachgewiesen wurde das meines Wissens nach nicht.
Aber gegenüber der heutigen Situation wirkt dieser Vorwurf geradezu lächerlich klein.
Welche "Programme" benutzen wir heute? Von Programmen im eigentlichen Sinne kann man gar nicht mehr guten Gewissens sprechen, denn die Nutzeranwendungen verlagern sich immer mehr auf das Internet.
Suchen wir Informationen, dann sind Google, Wikipedia und Konsorten die 1.Wahl und nicht irgendwelche Enzyklopädien auf CD.
Wollen wir uns darstellen, gibt es Myspace, Youtube, StudiVZ/SchülerVZ und andere Anbieter. Fotoalben und Freundebücher (auf Papier!) haben ausgedient.
Wir wollen uns die Welt anschauen und Informationen zu bestimmten Orten bekommen: Google Earth/maps stehen parat, der alte Atlas verstaubt im Regal.
Und so geht das weiter. Was viele nicht wissen, dass sich auch hier wieder eine Kombination der verschiedenen Unternehmungen von Google wie YouTube, Google Earth, Google Mail etc. entstanden ist, die im Komglomerat die gesammelten Informationen untereinander austauschen, bewusst koordinieren und verschmelzen.
Google selbst betreibt PC-unabhängige Dienste wie Google Text&Tabellen, Google Scholar (für Wissenschaftler), Google Books, Google Desktop (um den eigenen PC zu durchsuchen), Google Picasa für eigene Fotoalben, Google Earth/Maps usw., usw.
Menschen geben scheinbar hemmungslos ihre Daten preis - in den USA führt das immer mehr zu schmerzhaften Nachteilen. Potentielle Arbeitgeber schauen z.B. erst einmal nach, was denn der Bewerber so in MySpace veröffentlicht hat. Gefällt dies dann nicht, - und da reichen manchmal Bilder von Partys mit Alkohol - wird der Bewerber abgelehnt.
Der Grazer Professor Hermann Maurer hat in einem sehr interessanten und aufschlußreichen Interview die Ergebnisse seiner Untersuchung über Google erläutert. Hier ein paar Auszüge:
Die Problematik ist zunächst die, dass Google als größte und mächtigste Detektei, die es jemals gab, über jede wichtige Person und Organisation ein sehr genaues Dossier mit Informationen hat. Das alleine ist natürlich schon gefährlich. Für Privatpersonen deshalb, weil dadurch unsere Privatsphäre zutiefst gefährdet wird und Informationen auch fallweise gegen uns benutzt werden können. Es wäre durchaus denkbar, dass, wenn jemand so viele Informationen über Personen hat, er diese unter Umständen an andere verkauft und zu seinen Gunsten ausnützt. Ich will Google nicht beschuldigen, dass so etwas schon getan wird. Eine gewisse Versuchung muss es allerdings schon sein, wenn jemand eine größere Summe bietet, um Informationen über eine bestimmte Gruppe von Menschen zu kriegen. Was aber vielleicht noch wichtiger ist, ist die Tatsache, dass Google auch viel über Firmen, Unternehmungen und ökonomische Strömungen in der Welt weiß. In gewissen Bereichen kann das Unternehmen so recht gute Prognosen der Zukunft abgeben. Natürlich ist da die Versuchung für eine Firma groß, das auch beispielsweise am Aktienmarkt auszunützen. (...)
Die Verwendung des Internets hat bereits begonnen zu einer Wissensverflachung zu führen. Ich habe da vor allem Wikipedia vor mir, das wir alle benutzen und das ich eigentlich für eine gute Geschichte halte. Wichtig ist aber zu wissen, dass Wikipedia als Quelle von Informationen mit Vorsicht zu genießen ist, denn viele dort gesammelte Artikel sind mit einer bestimmten Absicht geschrieben oder enthalten eine persönliche Meinung, die nicht unbedingt den eigentlichen Tatsachen entspricht. Was das Verhältnis von Google und Wikipedia betrifft, bestreiten beide nicht ausdrücklich eine Zusammenarbeit. Es ist aber doch auffällig, dass vor allem in der deutschsprachigen Version von Google die Einträge von Wikipedia bei Suchanfragen viel höher gereiht werden als bei anderen Suchmaschinen. Man könnte jetzt sagen, das liege an der Art wie Google die Rankings von Suchergebnissen vornimmt. Ich glaube aber, dass da mehr dahinter steckt. So konnten wir mittels statistischem Vergleich deutlich nachweisen, dass Wikipedia-Einträge bei Google signifikant besser abschneiden als bei anderen Suchmaschinenanbietern. (...)
Wenn Anwender bereit sind, intime Informationen über sich ins Internet zu stellen, dann können sie später unter Umständen eine böse Überraschung erleben. Als besonders problematisch empfinde ich hier den Umstand, dass Suchmaschinenbetreiber die gesammelten Userinformationen so lange aufheben dürfen. (...)
Bis jetzt war es den meisten Menschen gar nicht bewusst, dass hier ein Problem vorliegt. Darum sind sie auch in ihrem Umgang mit dem Internet sehr leichtsinnig vorgegangen. (...)
Mehr Misstrauen ist beim Surfen im Internet sicherlich generell angebracht. Was immer an Information gefunden wird, sollte man versuchen anhand des Originals oder alternativer Quellen zu überprüfen. Neben dem gesunden Misstrauen gegenüber den Informationen, die man im Netz findet, sollte man aber auch lernen, beim Veröffentlichen persönlicher Informationen mehr Vorsicht walten zu lassen.
Hugh.
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Markus
am
3.1.08
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Die New York Times analysiert die fabrizierte Klimahysterie
Sie werden sehr schlechtes Wetter erleben. Im Jahr 2008 wird das Fernsehen ihnen erschreckende Bilder der Verwüstung im natürlichen Zusammenhang mit der globalen Erwärmung zeigen. Man wird ihnen erzählen, dass solch bizarres Wetter ein Zeichen des gefährlichen Klimawandels sein muss - und dass diese Bilder nur eine Vorschau dessen sind, was kommen wird, wenn wir nicht schnell handeln, um den Planeten abzukühlen.
Ausschnitt. Von JOHN TIERNEY, NYT
Ich möchte ihnen ein glückliches neues Jahr wünschen, aber ich fürchte, ich habe eine andere Art der Vorhersage.
Sie werden sehr schlechtes Wetter erleben. Im Jahr 2008 wird das Fernsehen ihnen erschreckende Bilder der Verwüstung im natürlichen Zusammenhang mit der globalen Erwärmung zeigen. Man wird ihnen erzählen, dass solch bizarres Wetter ein Zeichen des gefährlichen Klimawandels sein muss - und dass diese Bilder nur eine Vorschau dessen sind, was kommen wird, wenn wir nicht schnell handeln, um den Planeten abzukühlen.
Leider kann ich nicht genauer werden. Ich weiß nicht, ob die Katastrophe durch Überschwemmungen oder Dürren, Hurrikans oder Stürme, Feuer oder Eis kommt. Auch habe ich keine Ahnung, wie stark sich der Planet in diesem Jahr erwärmen wird oder was das für ihr Wetter vor Ort bedeutet. Langzeit-Klima-Modelle können das Wetter von heute nicht erklären.
Aber es gibt sicher noch irgendwo verrücktes Wetter und wir werden darauf reagieren wie die Seeleute in dem Buch Jona. Als ein Sturm das Schiff traf, konnten sie den nicht einem saisonalen Wettermuster zuordnen. Sie ermittelten schnell die Ursache (Jonas Sünde) und einigten sich auf eine angemessene politische Reaktion (Jona über Bord werfen).
Die heutigen Interpreten des Wetters sind das, was von Sozialwissenschaftlern "verfügbare Unternehmer" genannt wird: die Aktivisten, Journalisten und presseversierten Wissenschaftler, die selektiv den Globus überwachen und aktuelle Beweise für eine neue Form der Sünde suchen: die Verbrennung fossiler Brennstoffe.
Vor einem Jahr machten britische Meteorologen Schlagzeilen, als sie prognostizieren, dass die Anhäufung von Treibhausgasen dazu beitragen werde, dass 2007 als das heißeste Jahr in den Annalen eingehen würde. Am Jahresende, auch wenn britische Wissenschaftler berichten, die durchschnittliche globale Temperatur sei kein ein neuer Rekord - sie war tatsächlich die niedrigste seit 2001 - verkündete die BBC selbstbewusst , "die Daten im Jahr 2007 bestätigen den Erwärmungs-Trend."
Als die Eisfläche der Arktis im vergangenen Jahr auf den niedrigsten Stand überhaupt sank, die je von Satelliten gemessen wurde, war das eine große Neuigkeit und wurde als ein Zeichen dafür gewertet, dass der ganzen Planet sich erwärmt. Als die antarktische Eisfläche im letzten Jahr die höchste jemals von Satelliten gemessene Größe erreichte, wurde das ziemlich ignoriert. Ein großer Teil der Antarktis kühlt sich seit einiger Zeit ab, doch die meisten konzentrieren sich auf einen kleinen Teil der Erde, der sich erwärmt hat.
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Markus
am
3.1.08
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Freitag, 14. Dezember 2007
Klimawandel - eine Treibjagd?
Ich habe schon öfter gedacht - und auch gesagt - dass es erstaunlich ist, wie schnell und wie heftig manche Themen auf die Tagesordnung rutschen. Das Thema "Klimawandel" z.B. Der Zeitschrift "Nature", eine der führenden wissenschaftlichen Zeitschrift in der Welt, veröffentlichte ein Dokument von zwei allgemein anerkannten Wissenschaftlern in dieser Woche - Gabriel Vecchi und Brian Soden - das besagt, dass die globale Erwärmung eine minimale Auswirkungen auf Hurrikane haben kann. Jetzt im Gegensatz dazu ein Dokument, dass im Juli in einer ziemlich obskuren Zeitschrift von zwei anderen Wissenschaftlern - Peter Webster und Greg Holland - veröffentlicht wurde, das besagt, dass die globale Erwärmung einen großen Einfluss auf die Hurrikane hat. Dieses Dokument führte über zwei Tage zu 79 Nachrichten . Was spricht für das Verhältnis von 26 zu 1 in den Nachrichten?
Nicht, dass ich dagegen wäre. Absolut nicht. Wir sollen mit unserer Welt in guter Weise umgehen.
Aber die Hysterie und das schon fast "Missionarische" gefällt mir nicht. Da wird auch gemauschelt und geschoben, die öffentliche Meinung jedenfalls und die Menschen werden in eine Richtung gedrängt, die sie gerne annehmen, weil es auf allen Kanälen zu hören ist - also muss es ja richtig sein.
Ich habe schon öfter gedacht - und auch gesagt - dass es erstaunlich ist, wie schnell und wie heftig manche Themen auf die Tagesordnung rutschen. Das Thema "Klimawandel" z.B.
Nicht, dass ich dagegen wäre. Absolut nicht. Wir sollen mit unserer Welt in guter Weise umgehen.
Aber die Hysterie und das schon fast "Missionarische" gefällt mir nicht. Da wird auch gemauschelt und geschoben, die öffentliche Meinung jedenfalls und die Menschen werden in eine Richtung gedrängt, die sie gerne annehmen, weil es auf allen Kanälen zu hören ist - also muss es ja richtig sein.
Die Medien spielen dabei natürlich eine wichtige Rolle. Dass da nicht immer alles mit rechten Dingen zugeht: S.u. Insofern sollte man immer vorsichtig sein mit dem, was man liest/hört.
Ich habe im Allgemeinen gedacht, dass die Medien einen guten Job machen, wenn es um die Frage des Klimawandels während der letzten 20 Jahre geht.
Natürlich gibt es Führer und Nachzügler, aber insgesamt bin ich der Meinung, dass die Journalisten in einer sehr schwierigen Frage einen guten Job gemacht haben. Allerdings gibt es Zeiten, da bin ich weniger beeindruckt. Hier ist ein Beispiel:
Nach mehr als zwei Tagen erschienen in den Medien - gemessen mit Google News - eine Gesamtsumme von 3 Nachrichten über dieses Dokument.
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Markus
am
14.12.07
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Labels: Gesellschaft, Klima, Nachrichten