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Donnerstag, 28. Februar 2008

Rettet die Schweine!!

Es ist wirklich wahr geworden! Das, was man immer dachte, dass es kommen würde, ist passiert. Wahrscheinlich nicht zum 1. Mal. Aber das so sowas überhaupt passiert. Meine Güte nochmal!!

Die Fortis Bank (Amsterdam, Holland) wird Kindern kein Sparschwein mehr geben, wenn diese ein Konto eröffnen. Die Bank hat offenbar Angst davor, Muslime zu beleidigen.

Fortis-Kunden, die das Konto "EuroKids" für ihre Kinder eröffnen, bekommen als Geschenk ein Sparschwein namens "Knorbert". Aber die Bank beendet dies, da "Knorbert nicht mehr die Anforderungen erfüllt, die die multikulturelle Gesellschaft an uns stellt", zitierte gestern "De Telegraaf" einen Sprecher.

Schweine gelten für Juden und Muslime als unreine Tiere. Eine Internet-Kampagne, in denen "Knorbert" eine führende Rolle gespielt hat, wurde ebenfalls durch Fortis eingestellt.

Laut einer Sprecherin gab es "eine Reihe von Reaktionen auf das Schwein". An einem neuen Geschenk wird gearbeitet, das "Spaß für alle Kinder welcher Überzeugung auch immer" bringt. Als Übergangslösung bietet die Bank derzeit eine Kinder-Enzyklopädie.

Später versuchte Fortis die Idee einzudämmen, dass dieses Handeln durch den Islam verursacht ist. "Die Geschichte ist ein bißchen ausgewogener." Das "Knorbert"-Produkt hat das Ende seines Lebenszyklus erreicht", so der Versuch von Sprecherin Marianne Honkoop.

Es fällt doch auf, dass Schweine für Juden und Muslime unrein sind. Aber ich habe noch keinen Juden erlebt, der sich über Sparschweine aufregt! :-))
Wenns nicht so traurig wäre, könnte man drüber lachen.

Lies weiter ...

Beck vs. Parzany: Homosexualität und Christ(ival )

Seit Wochen tobt der Streit um den evangelikalen Jugendkongress Christival. Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen im Bundestag, Volker Beck (Berlin), hatte ihn mit seinem Protest an dem inzwischen abgesagten Seminar „Homosexualität verstehen – Chance zur Veränderung“ ausgelöst und mit seiner Fraktion sogar eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung mit z. T. kritischen Anfragen an die evangelikale Bewegung gestartet. Daraufhin schrieb der Leiter der Evangelisationsreihe ProChrist, Pfarrer Ulrich Parzany (Kassel), einen idea-Kommentar unter der Überschrift „Steht auf, wenn ihr Christen seid“. idea hat die beiden Kontrahenten nun in Berlin an einen Tisch gebracht.
Dort stritten sie, moderiert von idea-Reporter Marcus Mockler, über Meinungsfreiheit, Wissenschaft und das richtige Verständnis der Bibel.

idea: Herr Beck, wenn Sie einem Menschen begegnen, der sagt, er sei homosexuell, komme damit aber nicht zurecht und wolle sich ändern – was antworten Sie dem?
Beck: Ich sage ihm, dass er lernen sollte, sich selbst anzunehmen, wie er ist und wie ihn Gott geschaffen hat – und dass man ihm dabei helfen kann. Das ist auch der Erkenntnisstand der Humanwissenschaften. Die Bundesregierung hat in ihrer Antwort auf unsere Kleine Anfrage festgestellt: Homosexualität ist weder therapiebedürftig noch einer Therapie zugänglich. Es gibt dazu andere Auffassungen, aber die sind nicht wissenschaftlich anerkannt. Es ist sogar gefährlich, wenn Menschen sich auf antihomosexuelle Therapien einlassen.

idea: Aber es gibt doch Menschen, die von sich sagen, sie hätten eine Veränderung von der Homosexualität hin zur Heterosexualität erfahren. Täuschen die sich über sich selbst?
Beck: Es existieren keine wissenschaftlichen Untersuchungen, die belegen, dass es tatsächlich eine Möglichkeit gibt, homosexuelle Prägung oder auch heterosexuelle Prägung durch Therapie oder Willensentscheidung zu beeinflussen. Allenfalls gelingt es Bisexuellen, die also Neigungen zum eigenen wie zum anderen Geschlecht haben, ihre homosexuelle Komponente zeitweise zu unterdrücken. Aber Homosexualität ist eine Prägung, die ebenso wenig zu therapieren ist wie die Körpergröße eines Menschen. Hier zu behaupten, „da gibt es doch was von ratiopharm“, wäre Scharlatanerie.

idea: Herr Parzany, hat das Christival Scharlatanerie angeboten?
Parzany: Ich bedauere es, dass Herr Beck es nötig hat, mit solchen Ausdrücken die Leute zu verhauen. Wenn es wirklich um wissenschaftliche Erkenntnisse ginge, brauchte man nicht mit so beleidigenden Begriffen zu arbeiten. Selbstverständlich gibt es Fachleute, die die Möglichkeit sehen, dass Menschen ihre homosexuelle Neigung verändern und dass da Hilfe möglich ist. Mir geht’s aber vor allem um die Frage: Warum geben Sie, Herr Beck, diesen Freiraum nicht? Sie legen die Menschen fest und sagen, dem Homosexuellen, der seine Neigung in Frage stellt, könne nur dadurch geholfen, dass er sie annimmt. Und Sie gehen aggressiv gegen Hilfsangebote vor, die Menschen gemacht werden, die die Freiheit zur Veränderung wahrnehmen wollen ...

idea: ... was Herr Beck auch darauf zurückführt, dass Gott den Homosexuellen eben so geschaffen habe.
Parzany: Naja, diese Welt ist nach biblischer Sicht nicht mehr einfach Gottes gute Schöpfung. Was die Bibel Sünde, Trennung von Gott, nennt, durchzieht alle Bereiche – auch die Art und Weise, wie Menschen miteinander leben.

Beck: Ich will das hier mal klären: Selbstverständlich habe ich niemandem verboten, ein solches Seminar durchzuführen. Kritik heißt ja nicht Unterdrückung und Verbot! Nun hat diese Veranstaltung aber eine Bundesministerin als Schirmherrin und bekommt Zuschüsse aus Steuermitteln. Aufgabe von Abgeordneten ist es auch zu schauen, ob wir staatliche Gelder verantwortlich ausgeben. Die Bundesregierung ist mit mir einer Meinung, dass es sich im Blick auf das Konzept des Seminars um wissenschaftlich nicht haltbare Thesen und um gefährliche Therapien handelt. Die Bundesregierung weist auf die möglichen Folgen von Depressionen bis hin zum Suizid hin. Davor habe ich gewarnt.
Parzany: Ich bin Ihnen für Ihre Kritik insofern dankbar, da sie Christen zum Aufwachen bringt. Zum einen in der Behandlung des Themas Homosexualität, zum anderen in der Erkenntnis, was es bedeutet, öffentliche Zuschüsse anzunehmen. Wenn der Staat sich anmaßen würde, mit seinen Finanzen in christliche Veranstaltungen hineinzuregieren, müssen wir als Christen sehr sensibel werden.

Beck: Bei allen Nichtregierungsorganisationen knüpft der Staat an seine Zuwendungen Bedingungen. Beim Christival gelten die Bedingungen des Kinder- und Jugendplans ...
Parzany: ... und nichts bei dieser Veranstaltung widerspricht dem Kinder- und Jugendplan. Dennoch müssen Christen künftig bei der Annahme von Zuschüssen mehr aufpassen, damit nicht gilt „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“.

idea: Herr Parzany, sehen Sie sich in der Frage der Homosexualität in einer Minderheitenposition?
Parzany: Solche Positionen sind ganz breit in den Kirchen vertreten. So haben der Rat der EKD und die Kirchenkonferenz (der Zusammenschluss aller Kirchenleiter der EKD) 2002 eine Orientierungshilfe herausgegeben, die sehr deutlich den „biblischen Widerspruch gegen homosexuelle Praxis“ formuliert. Dort heißt es, es gebe keine biblischen Aussagen, die Homosexualität in positive Beziehung zum Willen Gottes setzen – im Gegenteil. Ehe und Familie seien die Leitbilder. Ist der Rat der EKD eine „fundamentalistische Randgruppe“, wenn er so etwas formuliert? Die Kritik an praktizierter Homosexualität hat übrigens mit Diskriminierung nichts zu tun. Die Kritik am Handeln eines Menschen ist zu verbinden mit der Wertschätzung der Person, die jedem Menschen gebührt. Das macht Paulus etwa im ersten Korintherbrief, Kapitel 6, deutlich.

Beck (holt eine Taschenbibel heraus): Wo steht das? Ich wusste bislang nur, dass im Römerbrief von Gleichgeschlechtlichem gesprochen wurde. (liest) „... Irrt euch nicht, weder Unzüchtige noch Götzendiener noch Ehebrecher noch Lustknaben noch Knabenschänder ... werden das Reich Gottes ererben.“ – Da lese ich nichts von Homosexualität.
Anmerkung von mir: Die Stelle, die Beck hier zitiert, ist aus 1.Kor. 6,9. Die Stelle aus dem Römerbrief ist aus Röm.1,27:
Ebenso haben die Männer die natürliche Beziehung zur Frau mit einer unnatürlichen vertauscht: Männer begehren Männer und lassen ihrer Lust freien Lauf. So erfahren sie die gerechte Strafe für ihren Götzendienst am eigenen Leib.

Klingt etwas deutlicher als Herr Beck sich das wünscht.


Parzany
: Doch, das ist hier gemeint.
Beck: Das ist die in der Antike als soziale Institution anerkannte Päderastie (Knabenliebe, d.Red.). Es geht hier um Verkehr von erwachsenen Männern mit Knaben, wie es ihn in der griechischen Gesellschaft gab. Das hat mit einvernehmlicher Sexualität zwischen zwei Erwachsenen gleichen Geschlechts überhaupt nichts zu tun und ist heute ein Straftatbestand. Dies gleichzusetzen ist diffamierend.
Parzany: Hier ist eindeutig aktive und passive Homosexualität gemeint. Das geht aus dem griechischen Urtext hervor.
Beck: Nein. Die hier verwendeten griechischen Begriffe haben nichts mit gleichgeschlechtlicher Liebe zu tun. Es geht um Päderastie und allenfalls heidnische Tempelprostitution.

Parzany: Aber mir geht es ja um etwas ganz anderes: Die Kritik an der Praxis der Homosexualität ist in der Bibel immer verbunden mit der Einladung zur Gemeinschaft in die Gemeinde, denn der Text geht weiter „... solche sind etliche unter euch gewesen.“ (1.Kor. 6,11) Es gibt keine Ausgrenzung, keine Ablehnung. Man muss die biblische Kritik an homosexueller Praxis in der Öffentlichkeit sagen können, ohne dass sie als Diskriminierung von Menschen eingestuft wird.

idea: Herr Parzany, kann ein Christ gleichzeitig praktizierender Homosexueller sein? Oder ist das unmöglich?
Parzany: Es steht mir überhaupt nicht zu, solche Urteile zu fällen. Aber wir müssen grundsätzlich Menschen mit der biblischen Kritik an der homosexuellen Praxis konfrontieren können, so wie das ja auch der Rat der EKD getan hat.

Beck: Das finde ich gut, dass Sie keine Pauschalurteile fällen wollen. Denn diejenigen, die das Seminar beim Christival anbieten wollten, fällen solche Urteile. Die sagen, eine Gleichberechtigung der Homosexualität wird sich „zerstörerisch auf unsere Kinder und die nächste Generation auswirken“. Widersprechen muss ich Ihnen beim biblischen Befund. Ich bin wie Sie Christ, komme beim Lesen der Bibel aber zu einem anderen Ergebnis. Wenn Sie die ganze Bibel wörtlich nehmen, müssten Sie laut dem 3. Buch Mose eigentlich die Todesstrafe für Homosexuelle fordern. Also müssen wir mal sehen, in welchem Kontext solche Gebote stehen. Von den dortigen Gesetzen des Heiligkeitskodex halten wir Christen praktisch keine mehr für verbindlich. Wir essen Blutwurst und tragen Kleidung aus unterschiedlichen Stoffen, obwohl das dort verboten ist. Im Neuen Testament finden wir von Jesus kein Wort zum Thema Homosexualität und bei Paulus nur die eine Stelle im Römerbrief, die aber eher als Metapher für die Verkehrtheit der Welt zu deuten ist. Sie meint offenbar Heterosexuelle, die in Verkehrung ihrer Identität homosexuellen Praktiken nachgehen. Genauso hielte ich es für eine Verkehrung im Sinne des Römerbriefs, wenn ein Schwuler oder eine Lesbe zu heterosexuellen Beziehungen gedrängt würde. Die Bibel kennt Homosexualität überhaupt nicht, wie wir sie heute aus der Sozial- und Sexualwissenschaft verstehen.

Parzany: Der Schlüssel zum Umgang mit dem Heiligkeitsgesetz aus dem 3. Buch Mose ist die Bergpredigt. Jesus hat das Gesetz nicht aufgehoben. Mit seinem „Ich aber sage Euch“ hat er ein tieferes Verständnis dieses Gesetzes geschaffen, weshalb völlig klar ist, dass es heute die Todesstrafe nicht geben kann. Wir hatten in den letzten Jahrzehnten viele Debatten zum Thema Homosexualität, aber der Rat der EKD hat das schon richtig zusammengefasst: Der biblische Befund ist eindeutig!

Beck: Die rheinische Landeskirche bei mir zu Hause sieht das ganz anders. Die Bibel kennt keine Lesben und Schwulen, sagt nichts Eindeutiges zur Homosexualität als solcher.
Parzany: Ich komme auch aus der rheinischen Kirche.
Beck: Sie müssen sich schon entgegenhalten lassen, dass es unter Theologen und innerhalb der evangelischen Kirche unterschiedliche Auffassungen gibt. Aber ich lasse Ihnen ja Ihren Glauben, dass Homosexualität von Gott nicht gewollt ist. Sie müssen mir meinen Glauben lassen, dass Gott ein all-liebender und barmherziger Gott ist, der niemanden für etwas bestraft, wozu er ihn gemacht hat. Die Grenze zum Fundamentalismus wird allerdings überschritten, wenn Sie Ihren Glauben auf die wissenschaftliche Arbeit übertragen und sagen, Homosexualität sei eine Krankheit, die man heilen kann. Dabei sagen mehr als 99 Prozent der Wissenschaftler, die auf diesem Gebiet forschen: „Diese Auffassung ist widerlegt, Homosexualität ist keine Krankheit.“ Dann sagen manche, es muss aber anders sein, weil es in meiner Bibel anders steht.

Parzany: Nein, Wissenschaft ist kein Glaubensgegenstand, sondern eine Frage der Information. Es gibt durchaus Untersuchungen, die Homosexualität und ihre Veränderbarkeit anders beurteilen.
Beck: Aber das sind keine seriösen Studien.
Parzany: Das ist ein fragwürdiges Wissenschaftsbild, wenn Sie jeder Studie, die zu einem anderen Ergebnis kommt, die Seriosität absprechen.

idea: Herr Beck, wenn heute einer ein Forschungsprojekt vorschlüge, das Möglichkeiten der Veränderung von Homosexualität untersuchen wollte – der würde doch im gegenwärtigen gesellschaftlichen Klima überhaupt kein Geld für ein solches Projekt bekommen.
Beck: Es gibt Studien, die das untersucht haben; die kommen aber zu einem anderen Ergebnis, als sich Herr Parzany das wünscht. Und es gibt wissenschaftliche Standards, die von den „Ex-Schwulen“-Grüppchen einfach ignoriert werden. Es gibt hier auch keinen studienfreien Bereich – es wird heutzutage alles erforscht. Man sollte also nicht so tun, als würde politisch verhindert, dass irgendeine Wahrheit ans Licht kommt.
Parzany: Doch, genau so ist es. Diese Absicht beobachte ich bei Ihnen, und das wundert mich. Sie müssten doch solche Untersuchungen und einen alternativen Umgang mit Homosexualität nicht scheuen. Es nimmt Ihnen doch gar keiner die Freiheit, selbst damit umzugehen, wie Sie wollen.

idea: Herr Beck, was würden Sie denn mit einer neuen Untersuchung machen, die zum Ergebnis käme, es gebe doch Hinweise auf die Veränderbarkeit von Homosexualität?

Beck: Es wird keine wissenschaftliche Untersuchung geben, die zu diesem Ergebnis kommt. Der Autor der fragwürdigen Studie, die die Freunde von Herrn Parzany immer für sich in Anspruch nehmen, sagt selbst: Es wäre „Missbrauch der Forschungsergebnisse", wenn man daraus schließen wolle, „dass sie beweist: Veränderung einer homosexuellen Orientierung ist für die meisten hochmotivierten Personen möglich", und es wäre ein Missbrauch, wenn auf Grund der Studie den Homosexuellen „Bürgerrechte vorenthalten" würden. Um aber zum Auslöser dieses Gesprächs zurück zu kommen: Es ist erstmal klar, dass aus dem Bundeshaushalt nicht Gelder für die Diskriminierung und Verfolgung von Minderheiten ausgegeben werden dürfen. Wenn etwas angeboten worden wäre, das sich gegen Juden richtete, könnte die Regierung das auch nicht unterstützen...
Parzany: ...und das finde ich eine Unverschämtheit, dass Sie das Angebot des Christival nun in die Nähe des Antisemitismus rücken. Das ist beleidigend und diskriminierend.

Beck: Nein, das tue ich ja gar nicht. Aber warum ist die Herabsetzung von Juden etwas anderes als die Herabsetzung von Lesben und Schwulen? Sie sehen hier nur, wie sehr bestimmte Aussagen aus Ihrer Ecke Homosexuelle als Minderheit beleidigen. Auch von unserer Minderheit wurden zwischen 5.000 und 10.000 Menschen in die Konzentrationslager verschleppt. Die meisten wurden umgebracht. Viele wurden pseudomedizinischen Versuchen unterworfen, um mit Hormonen, Operationen und Kastrationen die Homosexualität aus ihnen herauszutherapieren. Ich fühle mich in meiner Menschenwürde angegriffen, wenn jemand sagt: „Du als homosexuell lebender Mensch bist eigentlich ein Kranker.“ Und trotzdem will ich solche Seminare, wie sie das Christival im Angebot hatte, nicht verbieten, weil auch das zur Meinungsfreiheit gehört. Deswegen ist Ihr Appell, Herr Parzany, „Steht auf, wenn ihr Christen seid“, völlig überzogen. Hier ist keine Freiheit gefährdet. Bei aller Kritik am Inhalt: Ich würde ihre Freiheit gegen jeden Repressionsversuch verteidigen!

Parzany: Dieser Appell ist nach innen gerichtet. Christen haben schon die Schere im Kopf und wagen es teilweise nicht mehr, bestimmte Dinge auszusprechen, weil das politisch nicht korrekt ist. Dass uns Christen der Wind schärfer ins Gesicht bläst, das ist nichts Schlimmes, das muss wohl so sein, obwohl wir uns an der Freiheit freuen und auch die der Andersdenkenden verteidigen. Jedenfalls dürfen wir eine biblische Wahrheit, die bestimmtes Verhalten von Menschen auch kritisch beleuchtet, nicht verschweigen.

Beck: Ob das die biblische Wahrheit ist, sehe ich mit vielen Theologen anders. Sie sprechen für einen Teil der Christen, ich gehöre zu einem anderen Teil. Vielleicht sind wir uns bei anderen Themen ja näher. Bei der aktuellen Debatte um die Forschung an embryonalen Stammzellen sehe ich bei Evangelikalen und katholischer Kirche ähnliche Argumente, wie auch ich sie vertrete. Embryonale Stammzellen werden durch das Töten von Embryonen, also das Vernichten menschlichen Lebens, gewonnen. Dieses Töten wird durch eine Änderung des Stichtages erneut legitimiert. Deshalb bin ich wie die Evangelikalen und die katholische Kirche dagegen. Beim Thema Homosexualität sind wir als Christen uneins. Aber man darf in unserer Gesellschaft ja glauben, woran man will – an Jehova, an keinen oder den dreieinigen Gott, an Allah oder an viele Gottheiten, aber auch an Abwegiges wie an die Veränderbarkeit von Homosexualität oder an das Spaghettimonster …

Parzany: ... warum reden Sie so diffamierend über die Leute, die eine andere Meinung haben als Sie? Ich empfinde solche Sätze als verachtend und beleidigend. Das haben Sie doch überhaupt nicht nötig.

Beck: Ich rede darüber nicht diffamierend. Sie teilen aus, würdigen Homosexuelle als quasi krank herab, fühlen sich aber von jedem meiner Sätze angegriffen oder verfolgt. Brauchen Sie diese Verfolgungsperspektive zur Mobilisierung in den eigenen Reihen?

idea: Herr Parzany, Sie werden beim Christival dabei sein. Herr Beck, Sie auch?
Beck: Ich gehöre nicht zum Zielpublikum, da es ein Jugendfestival ist, und man hat mich auch nicht eingeladen, dort etwas zu sagen. Sicher werde ich nicht hinfahren, um zu kontrollieren, was dort stattfindet.
Parzany: Ich werde dort ein Seminar zum Thema „Glauben wir alle an denselben Gott?“ halten. Das ist ebenfalls kein unverfängliches Thema.
idea: Wir danken Ihnen beiden für das Gespräch.

Leider versäumt es Ulrich Parzany hier, die falschen Sichtweisen von Herrn Beck stärker zu entkräften. Auch die falsch zitierte Bibelstelle hätte ihm eigentlich auffallen müssen. Er war anscheinend schlecht vorbereitet. Schade.
So kann sich Herr Beck als der Sieger dieses Streitgespräches fühlen. Ein rhetorisch besser beschlagener Interviewpartner hätte hier wesentlich mehr kontra bieten können.
In der Großen Anfrage zur Religions- und Glaubensfreiheit betonen Beck und die Grünen-Fraktion völlig zu recht, dass die Veränderung der religiösen Orientierung ein elementares Menschenrecht sei:
„Zur Religions- und Glaubensfreiheit gehört die Möglichkeit, seinen Glauben frei und ohne Zwang wechseln zu können.“ Da stellt sich die Frage, warum aus „grüner“ Sicht zwar der Wechsel der Religion als ein Menschenrecht anerkannt wird, aber nicht der Wechsel einer sexuellen Orientierung.
Genauer gesagt: Warum soll es einerseits in Ordnung sein, dass - wie zum Beispiel auf Evangelischen Kirchentagen - für einen homosexuellen Lebensstil geworben wird, andererseits aber verwerflich, dass ein Homosexueller heterosexuell werden will und er dabei Unterstützung in Anspruch nimmt?
Er argumentiert wie ein Muslim:
Er unterstellt, dass es - ohne seelischen Schaden - keine Abkehr von der Homosexualität geben kann, sie bestehen darauf, dass ein Muslim niemals - ungestraft - vom Glauben abfallen darf. Ganz ohne jede böse Absicht kann man sagen, dass Herr Beck und die Grünen-Fraktion mit zweierlei Maß messen.


Hier die Geschichte (bei Idea.de) zum Nachlesen:
Streit um Christival erhitzt weiter die Gemüter (27.02.08)
Keine Angst vor „Fanfarenstößen“ der Atheisten (24.02.08)
Landesbischof stellt sich vor Jugendkongress Christival (23.02.08)
Christival-Streit: Volker Beck weist Vorwürfe zurück (22.02.08)
Evangelische Allianz: Volker Beck verleumdet Christival (21.02.08)
Grüne werben um „humanistische Christen“ (20.02.08)
Einmal schwul - immer schwul? (20.02.08)
Solidarität mit Christival wächst (18.02.08)
Steht auf, wenn ihr Christen seid! (18.02.08)
EC-Verband wirft Grünen Kampagne gegen Christival vor (17.02.08)
Grüne weiten Kritik am Christival aus (14.02.08)
Streit um Christival: Intervenierte das Familienministerium? (13.02.08)
Kontroverse um Christival-Seminar wird schärfer (11.02.08)
Grüne legen in ihrer Kritik an Christival nach (31.01.08)
Christival: Roter Teppich für Mitarbeiter (28.01.08)
Kontroverse um Jugendkongress Christival (09.01.08)

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Dienstag, 26. Februar 2008

Wer wählt was und was hat das mit Politik zu tun?

Sehr interessanter Artikel über die "backstage"-Landschaft der politischen Parteien, deren Werte und Möglichkeiten, zusammenzuarbeiten - also Koalitionen zu bilden.
Werte spielen dabei eine ganz wichtige Rolle.

Für uns als Christen stellt sich immer die Fragen: Wen oder was können wir wählen? Wählen wir Parteien oder wählen wir Personen? Welche Werte vertreten sie?

Man ist ja inzwischen immer stärker geneigt, Personen zu wählen, da sie anscheinend die noch größere Stabilität garantieren. Eine Partei kann innerhalb weniger Stunden ihre Meinung ändern (so wie á la Kurt Beck: Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?)
Aber in der politischen Auseinandersetzung gehen die Werte immer weiter unter - zugunsten der politischen Machterhaltung. Da koaliert eine SPD lieber mit den Linken (oder lässt sich von ihnen wählen...) als sich an ihr Wahlversprechen zu halten.
Denn so könnten sie die Ministerpräsidentin stellen.


Keiner kann mit keinem

von Klaus-Peter Schöppner, Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid

Nichts geht mehr nach den Landtagswahlen in Hessen.

Nach der Wahl ist vor der Wahl. Die Entscheidung für den richtigen Koalitionspartner ist – siehe Hessenwahl – oft die noch spannendere Wahl. Dabei wird so getan, als würden die Wähler alle Koalitionskakophonien widerstandsfrei akzeptieren. Oft allerdings wird zusammengehörig gemacht, was nicht zusammengehört. Ein Blick hinter die Wertestruktur einzelner Wählergruppen zeigt klar, was bündnistechnisch möglich ist: Fast nichts!

Die Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen haben zumindest eines belegt: Deutschland hat kleine große und große kleine Parteien. Und ein Fünfparteiensystem, das es notwendig macht, über neue, aufregendere Parteienkonstellationen nachzudenken.
Die Phase der Koalitionsverhandlung ist inzwischen die Zeit der Wundertütenpolitik: Nie war der Wähler unsicherer, was er letztlich gewählt hat. Wer SPD ankreuzt, kann Rot-Schwarz, aber auch Rot-Dunkelrot gewählt haben, die Sozialdemokraten koalieren derzeit mit jeder Partei. Und CDU-Wähler finden sich statt mit der FDP plötzlich in einem Bündnis mit der SPD wieder. Die Nachwahlzeit dominiert das „Toyota-Syndrom“: Nichts ist unmöglich…

Doch im „Anything goes“ ist der Koalitionsstreit gleich miteinprogrammiert. Je stärker Machtinteressen dominieren, desto weniger wird auf das „Passt schon“ bei der Bildung von Bündnissen Wert gelegt. Obwohl Politiker genau wissen, dass für erfolgreiche Koalitionen ähnliche Wertemuster ihrer Wähler unverzichtbar sind, spielen diese bei der Partnerwahl keine Rolle. Ärger, Streit, oft sogar das Aufkünden sind die Folgen.
Notwendig ist also, möglichst gut über das Wertebild der eigenen und der Wähler möglicher Koalitionspartner informiert zu sein. Schließlich sind Werte Vorstellungen der Politwünsche, die Einstellungen, Verhalten, letztlich also die Stabilität von Regierungen bedingen. Koalitionen funktionieren nur dann, wenn sie das Wertemapping ihrer Wähler angemessen berücksichtigen.
Dazu hat TNS Emnid das Modell „Semiometrie“ („Wörtermessung“) entwickelt. Dieses misst die Wertestruktur von Wählern anhand von 210 Begriffen, die sich in 14 Wertedimensionen zusammenfassen lassen. Diese Grundwerte wiederum sind als Position in einem zweidimensionalen Raum darstellbar, deren Achsen die Endpunkte sozial versus individual sowie Pflicht versus Lebensfreude definieren.
Die Sympathiemessung dieser Begriffe identifiziert also die Wertestruktur unterschiedlicher Wählergruppen. Und beantwortet brennend aktuelle Fragen wie: Geht Schwarz-Grün? Wie differieren deren Wähler? Und sind diese überbrückbar? Wie nah liegt Rot-Dunkelrot beieinander? Und ähneln die FDP- eher den CDU- oder SPD-Wählern? Wie gut repräsentieren Kurt Beck oder Angela Merkel die eigenen Anhänger? Und ist es ein Nachteil für die SPD, auf Müntefering verzichten zu müssen?
Antwort auf diese Fragen liefert das Profil der verschiedenen Anhängerschaften: Welche Werte charakterisieren welche Wähler?

Die CDU/CSU-Wähler sind konservativ – homogen! Sie eint ihr Werte- und Pflichtbewusstsein, ihre Traditionsverbundenheit, andererseits nur geringer Hedonismus und Abenteuerlust. Keine Partei kann ihre Wähler gezielter und einheitlicher ansprechen.

Ganz anders der SPD-Wähler, den es im Grunde nicht gibt; es gibt gleich zwei Typen: einerseits den pflichtbewussten, redlichen, gewerkschaftlich orientierten Arbeiter. Genauso häufig den intellektuellen, kulturell interessierten Akademiker. Beide passen nicht zusammen. Für die SPD gilt wie für keine andere: „Ich bin zwei Parteien!“

Die FDP-Anhänger charakterisieren sich durch Machtstreben und Hierarchiebewusstsein, Solidarität und Familienorientierung sind eher Fremdbegriffe.

Der typische Grüne ist idealistisch, intellektuell und emotional. Dagegen kaum traditionsverbunden, pflichtbewusst, materiell und konfliktfreudig.

Viel schwammiger dagegen ist das Profil der Linken. Hauptcharakteristikum ist deren Pragmatismus: Sie handeln nicht nach Idealen, schon gar nicht im Wunsch, die Gesellschaft sozial zu verändern. Sie einen persönliche Vorteile, die sie durch Politagitation erreichen können. Linkswähler sind stramme Egoisten.

Das prägnantste Profil haben die rechten Wähler: Kritisch, kämpferisch und dominant sind sie wie keine andere Wählergruppe. Pflichtbewusstsein, Werte und Intellekt sind ihnen dagegen fremd. Die Wähler von Rechtsparteien identifizieren sich nicht über Inhalte noch politische Ziele. Sie verbindet ihr gefährlicher Wille zur Macht.

Was nun sind die Konsequenzen dieses Wertemappings für den politischen Alltag im Fünfparteien-Deutschland? Wenn Dreierkoalitionen zur Regel werden? Was geht, was unter Qualen, welche Bündnisse nicht?

Schwarz-Grün respektiert in keiner Weise das Werteprofil ihrer Wähler, zwischen ihnen gibt es keinerlei Parallelität. Die Zeit ist längst nicht reif für Schwarz-Grün: Wo die CDU Traditions-, Pflicht- und Wertebewusstsein hat, orientieren sich Grüne an Emotionen und Sinnlichkeit. Was den Union-Sympathisanten wiederum ziemlich fremd ist.

Genauso schwer wäre für die SPD die Koalition mit den Linken, den Lafontaine-Faktor nicht einmal eingerechnet, zu ertragen: Vor allem das „alte“ Arbeitermilieu kann gar nichts anfangen mit den politisch eher desinteressierten, dafür aber stark egozentrierten Dunkelroten.

Auch Koalitionen mit der viel umworbenen FDP gestalten sich schwieriger als gedacht: Gerade in ihrer „unsozialen“ Haltung „passen“ FDP-Partnerschaften nicht wirklich, schon gar nicht zu SPD und Grün. Eine Ampel erlaubt das Werteprofil nicht, eine „Schwampel“ kaum.

Die Wunschkoalition der Deutschen ist die „Große“, zumindest solange bei der SPD der Wertekern erhalten bleibt. Schwarz-rote Wähler eint Pflichtbewusstsein und Moral – keine schlechte Voraussetzung in einer Zeit, in der der Werteverfall in der Gesellschaft mit Recht beklagt wird.

Weil die Unterscheidbarkeit der Parteien – inzwischen halten fast 80 Prozent die Parteiprogramme der Großen für austauschbar – extrem nachlässt, kann die Bedeutung der Spitzenkandidaten, wie Hessen und Niedersachsen gezeigt hat, nicht überschätzt werden. Neben Sympathie und Kompetenz dominiert dabei die Adäquanz. Die Frage also, wer zum Werteprofil der Wähler „passt“.
Um Erfolg zu haben, sollten Partei- und Politikerprofil die gleichen Wähler ansprechen. Wo trifft das zu, wo nicht?

Für die CDU-Wähler verkörpert Wolfgang Schäuble am ehesten deren Wertevorstellungen. Angela Merkel ist vielen zu rational, außerdem traditionsfremd. Schäuble verkörpert dagegen Union-Tradition und deren konservatives Weltbild. Eine unter Politikern seltene Identität ist zwischen der Kanzlerin und Ursula von der Leyen zu finden.
Bei der SPD ist der Wertesteckbrief Kurt Becks am weitesten vom SPD-Bild entfernt. Passender Kandidat ist Außenminister Steinmeier, er symbolisiert Pflichtbewusstsein und Disziplin am ehesten. Ein gemeinsames Manko von Beck und Steinmeier: Keiner bedient den „Stallgeruch“, den meisten sind sie zu rational und pragmatisch. Das Resümee: Beck verkörpert das Profil der SPD-Wähler schlechter als Merkel das der CDU-Anhänger.
Links-Wähler identifizieren sich weit stärker mit Gregor Gysi als mit Oskar Lafontaine. Grund ist der hohe PDS-Anteil, also die Dominanz ostdeutscher Werte innerhalb der Linken. Daher gilt der Westdeutsche als zu konfliktfreudig, Gysi bedient dagegen deren atheistische Grundhaltung.
FDP-Anhänger und Parteichef Guido Westerwelle wollen ebenfalls nicht recht zusammenpassen: FDP-Anhänger bemängeln sein zu soziales und werteorientiertes Auftreten sowie seine zu geringe Kampfbereitschaft.

Wie in den Märkten gilt auch in der Politik: Die Wähler werden immer beweglicher und anspruchsvoller, der Wettbewerb um das richtige Kreuzchen immer intensiver und zielgruppenfokussierter. Was Wähler wirklich wollen, ist nicht nur durch Angebot, Argument und Aktualität bestimmt, Wollen, Wünsche, Werte spielen eine ähnlich wichtige Rolle: Werte selektieren, strukturieren, stabilisieren und konformisieren den Wählerwillen. Nur durch sie kann der Wechselbereitschaft Einhalt geboten werden.
Die Qual der Wahl, ob vor dem Kreuz mit dem Kreuzchen für die Wähler oder nachher für die Parteien: Es gewinnt zumeist der, der weiß, wie Wähler ticken.

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Mittwoch, 20. Februar 2008

Grüner Beck: Alle "humanistisch orientierten ChristInnen" sollen vor Christival warnen

Jetzt geht's ans Eingemachte!
Konnte man am Anfang den Streit um das Christival und das dort geplante Seminar über Homosexualität noch als eine Posse eines etwas überempfindlichen Grünen-Politikers betrachten, der mal gegen eine christliche Veranstaltung querschiessen und sich dabei ein wenig profilieren wollte, spitzt sich das Ganze nun immer mehr zu einer Grundsatzdiskussion zu, in der es um viel mehr geht als um ein Seminar beim Christival.

Der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, versucht hier, Christen in 2 Lager zu spalten: Die "fundamentalistischen Christen" und die "humanistisch orientierten" Christen, die ihn und seine Positionen akzeptieren.
Die "Fundamentalisten" (in der heutigen Zeit ein gefährliches Wort und das weiß Beck natürlich) glauben an die Bibel als das Wort Gottes und sind daher folgerichtig der Meinung, dass Homosexuelle Veränderung erfahren können, wenn sie wollen. Niemand will sie dazu zwingen, aber die Angebote sind da.

Die "Demokraten und humanistisch orientierten" Christen (und das in einem Satz! Als wären nicht-humanistisch orientierte Christen keine Demokraten!) werden dazu aufgefordert, vor Veranstaltungen wie dem Christival zu warnen.
Humanistisch-orientierte Christen - das ist schon ein Widerspruch in sich. Entweder bin ich als Christ Gott-orientiert oder ich bin humanistisch-orientiert - im Sinne der Richtungsgebung: Wer bestimmt mein Leben?
Hier wird fein säuberlich getrennt: Auf der einen Seite sind die (Kultur-)Christen, die den gesellschaftlichen Entwicklungen nachfolgen und keine oder wenig Probleme mit einigen Dingen haben, die dem Willen und Wort Gottes entgegenstehen, solange sie politisch opportun sind und auf der anderen Seite diejenigen, die Gott folgen und sein Wort über menschliche Sichtweisen stellen.
So beginnt Christenverfolgung.

siehe auch IDEA: Steht auf, wenn ihr Christen seid!, ein Kommentar von Ulrich Parzany:
Bei der „Grünen“-Attacke auf das Christival geht es ans Eingemachte. Niemand sollte glauben, dass sich diese Intoleranz nur auf das Gebiet der Homosexualität beschränken wird. Mit der gleichen Logik lässt sich die christliche Verkündigung, dass der Mensch in seiner Gottvergessenheit und Gottlosigkeit unter dem Gericht Gottes steht und nur durch Jesus Christus gerettet werden kann, als Diskriminierung des selbstbestimmten Menschen, der nicht an Gott glauben will, beurteilen.


und ebenfalls IDEA: Einmal schwul - immer schwul?, ein Kommentar von Wolfgang Polzer:
Da stellt sich die Frage, warum aus „grüner“ Sicht zwar der Wechsel der Religion als ein Menschenrecht anerkannt wird, aber nicht der Wechsel einer sexuellen Orientierung. Genauer gesagt: Warum soll es einerseits in Ordnung sein, dass - wie zum Beispiel auf Evangelischen Kirchentagen - für einen homosexuellen Lebensstil geworben wird, andererseits aber verwerflich, dass ein Homosexueller heterosexuell werden will und er dabei Unterstützung in Anspruch nimmt? [...] Ganz ohne jede böse Absicht kann man sagen, dass Herr Beck und die Grünen-Fraktion mit zweierlei Maß messen.

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Dienstag, 19. Februar 2008

Israel und Deutsche - Antisemitismus, Antizionismis oder vernünftige Kritik?

Eine Gruppe deutscher Akademiker hat die Bundesregierung aufgefordert, die "im Holocaust wurzelnde blinde Unterstützung für Israel" zu beenden. Die vier Wissenschaftler nahmen am Montag an einem Diskussionsabend in der israelischen Küstenstadt Netanja teil. Sie gehören zu den 25 Unterzeichnern eines israelkritischen Manifests, das nach dem Zweiten Libanonkrieg veröffentlicht wurde.

Die Diskussion, wie man als Mensch Israel und Juden gegenüber auftritt und sich äußert, ist schon an sich eine spannende.
Da wird auf der einen Seite der Antisemitismus als eine angeblich vernünftige Kritik oder als Antizionismus (Juden ja, Israel nein) getarnt.
Offen geäußerter Antisemitismus ist übrigens keine Seltenheit (siehe Irans Präsident Ahmadinedschad und die arabische Welt)! Aber viele versuchen ihn doch schamhaft zu verbergen (die deutsche Linke tarnt ihn gerne als Antizionismus).

Auf der anderen Seite gibt es - sagen wir mal sehr sensible - Juden wie auch Nichtjuden, die schnell den Antisemitismus wittern, wenn auch nur ein falsches Wort gesagt wird.
Vernünftige und konstruktive Kritik hat in dieser Konstellation einen schweren Stand.

Noch spannender wird es, wenn man ein Deutscher ist und dazu auch ein Christ. Denn Israel und Deutschland verbindet genauso eine besondere Beziehung wie Christen und Israel - im Guten wie im Schlechten.
Und auch hier wird polarisiert: Die einen werfen der Bundesregierung eine "blinde Unterstützung" vor und regen sich darüber auf, dass "deutsche Schuldgefühle hinsichtlich des Holocaust manipuliert [werden]", die anderen sehen Deutschland in einer ewigen Schuld gegenüber Israel und neigen zu einer wenig realitätsnahen Romantik.

Aber hier stellen sich 4 deutsche Wissenschaftler hin und verkünden auf einer Konferenz in! Israel, dass

  1. "die 'im Holocaust wurzelnde blinde Unterstützung für Israel' zu beenden" sei.
  2. die deutsche Verantwortung gegenüber den Palästinensern "eine Seite der Folgen des Holocaust [ist], die viel zu wenig Aufmerksamkeit erhält".
  3. ohne die Judenvernichtung der NS-Zeit Israel nach Auffassung der Unterzeichner nicht soviel materielle und politische Hilfe aus den USA erhalten hätte.
  4. wir "als Deutsche nicht nur eine Verantwortung für Israels Existenz teilen, sondern auch für die Lebensbedingungen des palästinensischen Volkes."
  5. der Holocaust werde von Israel und Deutschland zur politischen Manipulation verwendet werde.
Die Antwort der Israelis:
"Gleichzeitig ist dieses Manifest ein Versuch, deutsche Schuldgefühle hinsichtlich des Holocaust zu manipulieren, indem man sie auf die Palästinenser überträgt." Dabei sollten sich Deutsche, die sich schuldig fühlten, lieber an Polen, Niederländer und Juden wenden. "Es besteht kein Bedarf, so weit zu gehen, dass man sich für das schuldig fühlt, was mit den Palästinensern passiert."
Zu den vier deutschen Akademikern sagte der Israeli: "Sie sind in der Minderheit, aber sie lehren junge deutsche Geister, und wir können es uns nicht leisten, ihre Kritik als Antisemitismus abzutun. Wir müssen uns ihr entgegenstellen."

Ich habe selten die Ansicht angetroffen, dass wir als Deutsche Israel "blind" unterstützen. Davon kann hier keine Rede sein.
Im Gegenteil: Schaut man sich gewisse und durchaus einflußreiche Strömungen in Deutschland an, lebt der Antisemitismus in Deutschland und Israel kann sich weder über zu wenig Kritik und seltsam-romantisch Hinwendung mancher Deutscher zu den Palästinensern beklagen noch die Palästinenser über fehlende deutsche Solidarität (inklusive vieler €) und Blauäugigkeit.
Das einzige, was man sagen kann, ist: Der Antisemitismus zeigt sein Angesicht in Deutschland noch nicht so offenherzig wie in anderen Ländern dieser Welt.
Wenn sich 4 Wissenschaftler (philosophische Anthropologie / Frieden und Konfliktlösung) hinstellen und der deutschen Bundesregierung einerseits eine blinde Unterstützung für Israel vorwerfen und andererseits eine stärkere für die Palästinenser fordern, ist das unausgewogen und daher falsch.

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Freitag, 15. Februar 2008

Alarmismus: Wie man mit Angst Politik macht

Sehr gute Analyse über den aufgescheuchten und hektisch alles vor sich hertreibenden Alarmismus. Dabei werden ganz schnell alle möglichen Dinge über Bord geworfen - im Namen der Angst.

Leseprobe aus dem Buch "Anleitung zum Zukunfts-Optimismus. Warum die Welt nicht schlechter wird" von Matthias Horx

Das Phänomen des Alarmismus
Es ist Zeit für eine Definition. Unter Alarmismus verstehen wir ein soziokulturelles Phänomen, bei dem Zukunftsängste epidemieartig in weiten Bevölkerungskreisen grassieren. Diese Ängste entstehen aus einer bestimmten Interpretation von Gefahrenmomenten, die durchaus reale Ursprünge (oder Teilaspekte) aufweisen kann. Diese Gefahren werden jedoch symbolisch überhöht und auf ein vereinfachtes, eben katastrophisches Modell reduziert. Eine alarmistische Epidemie verläuft immer nach dem gleichen Muster:

1. Inkubation. Eine Gefahr wird aufgegriffen und in einem medialen Prozess gebrandet. Sie bekommt einen drastischen, wohlklingenden, angsterregenden Namen, zum Beispiel: "Waldsterben" - "Atomtod" - "Rinderwahn" - "Vogelgrippe" - "Klimakatastrophe" - "Feinstaub" - "Überalterung" - "Krieg der Kulturen" - "neoliberalistische Globalisierung" - "neue Unterschicht".
2. Fieberphase. Nun läuft eine kaskadenartige Sinnproduktion an. Experten treten auf und werden über Nacht zu Berühmtheiten. Sendungen zum Thema häufen sich im Fernsehen, die Schlagzeilen werden in immer größeren Lettern gedruckt. Bücher kommen in schnellem Takt auf dem Markt. Bis irgendwann alle "davon" sprechen. Und jeder eine Meinung dazu hat: "Haben Sie schon gehört! Das wird ja immer bedrohlicher!"
3. Ritualphase. Man versucht, etwas zu tun, verweigert etwa bestimmte Kaufakte, meidet Orte. Schuldzuweisungen häufen sich, der Ton wird noch hysterischer.
4. Abklingphase. Das Phänomen hat seinen Höhepunkt überschritten. Es wird plötzlich langweilig oder fällt auf die Stufe des "postkatastrophalen Entertainments" (Matthias Beltz) zurück. Nun erscheinen erste Betrachtungen, die das Phänomen nüchterner und komplexer betrachten, es sinnvoller einordnen, gar rationale Lösungsvorschläge machen. Allerdings werden diese kaum mehr wahrgenommen. Denn nun setzt bereits der nächste Zyklus ein ...

Alarmismus ist kulturgeschichtlich nichts Neues - hysterische Angstepidemien begleiten die Menschheitsgeschichte. Nicht zuletzt basiert das katastrophische Lebensgefühl auf einem psychologischen "Angstlust"-Effekt, den der Publizist Friedrich Sieburg schon in der Nachkriegszeit, 1957, beschrieb:

Die Weltuntergangsstimmung durch scharfe Analysen ins allgemeine Bewusstsein zu heben und sie gleichzeitig auch noch zu genießen, gehört zu den Lieblingsbeschäftigungen des Menschen von heute ... Der Alltag mit seinen tristen Problemen ist langweilig. Aber die bevorstehenden Katastrophen sind hochinteressant. Niemand soll uns um unsere Krise bringen! Wir haben ein Recht auf sie! Aber dass mir niemand zum jüngsten Gericht zu spät kommt!

Seit zu Beginn der siebziger Jahre die elektronischen Massenmedien eine wichtige Funktion übernahmen, scheint sich der "Issue Attention Cycle" jedoch immer stärker zu beschleunigen. Die Verlaufskurve von Phase 1 bis 4 liegt heute bei etwa drei bis vier Monaten. Es gibt aber auch Alarme, die ihre Wirkkraft über Jahrzehnte entfalten. ("Globalisierung" zum Beispiel, oder auch "Global Warming").
Alarmismus ist, wie ich in diesem Buch zeigen möchte, nicht nur ein kulturgebundener Reflex auf Bedrohungen, sondern verselbstständigt sich zu einer gewaltigen Industrie. Mit Alarmismus kann man Politik machen; Machtpolitik, Geldpolitik, Mentalpolitik. Hier geht es um die "große Knappheit" der Informationsgesellschaft: Aufmerksamkeit. Wodurch kann man Aufmerksamkeit besser organisieren als durch Ängste? Und wodurch kann man Macht besser erreichen oder festigen als durch Inszenierungen von Angst?
Alarmismen erzeugen ständig neue Nachfragen nach Angstfetischen, seien es obskure Geräte gegen Magnetstrahlen oder Turnschuhe aus Bio-Jute. Sie generieren völlig neue, durchaus sinnvolle Marktsegmente, etwa den Bio-Lebensmittelmarkt. Aber nur der amerikanische Alarmismus bringt es fertig, innerhalb von einem Jahr die gesamte Nahrungskette zu verändern, sodass inzwischen in allen Supermärkten Fleisch, Eier und Fett ganz vorne in den Theken stehen, während Nudeln und Müsli in die Schmuddelecke befördert wurden! Und das alles nur, weil "Wissenschaftler festgestellt haben", dass die grassierende Fettleibigkeit an zu vielen Kohlehydraten liegt!
Wie also funktioniert dieses System? Woraus speist es seine enormen mentalen Energien? Wer sind die Spieler auf dem Feld? Und vor allem: Wie müssen wir es interpretieren? Ist das Ganze nur ein Medienspektakel, das uns letztendlich ein wenig unterhalten, gruseln und das Fürchten lehren soll - ein zwar irgendwie überhitztes, aber funktionierendes Frühwarnsystem?
Oder haben wir womöglich gute Gründe, im Namen der Zukunft nicht nur skeptisch, sondern gar alarmistisch gegenüber dem Alarmismus zu sein?

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Mittwoch, 13. Februar 2008

Was ist die Scharia und was hat sie mit uns zu tun?

Interview mit Christine Schirrmacher aus Anlass des Erscheinens ihres neuesten Buches in der Reihe „Hänssler kurz und bündig“

(Bonn, 08.02.2008)
BQ (Bonner Querschnitte): „Die Scharia“ „kurz und bündig“ in 2 Stunden! Können Sie uns auch in 2 Sätzen sagen, was die Scharia ist?

Christine Schirrmacher: Unter der Scharia versteht man die mit dem Islam begründeten Regeln für die Religion (Gebet, Fasten, Feste, Wallfahrt, Almosen), für Ehe und Familie (Ehe- und Erbrecht), für das Strafrecht und den öffentlichen Raum, also die Politik. Die Grundlagen der Scharia finden sich im Koran, in der islamischen Überlieferung (den Berichten über Muhammad und seine Gefährten) und in den Auslegungen von Theologen und Juristen der ersten islamischen Jahrhunderte – sie sind aber nie in einem einzigen Buch gesammelt worden. Die Scharia muss deshalb immer wieder interpretiert werden, das macht sie flexibel. Ihre Entstehung im 7.-10. Jahrhundert und ihre Unantastbarkeit als göttliches Gesetz macht eine grundsätzliche Kritik jedoch sehr schwer.


BQ: In welchen Ländern spielt die Scharia denn eine große Rolle?

CS: Vor allem dort, wo sich einzelne Länder allein auf die Scharia als Gesetzesgrundlage berufen, wie z. B. Pakistan, Jemen, Iran, Sudan. Das bedeutet nicht, dass sie dort auch ganz umgesetzt würde – das ist höchstens zu Teilen der Fall. Aber sie prägt dort und zu Teilen auch in anderen Ländern das Rechtsdenken der Bevölkerung.

Auch alle anderen islamisch geprägten Länder berufen sich auf die Scharia als eine ihrer Gesetzesgrundlagen; eine Ausnahme ist lediglich die Türkei, wo Kemal Atatürk im Zuge der Gründung der türkischen Republik 1923/1924 die Scharia offiziell abschaffte.


BQ: Ein religiöses Gesetz? Was hat das denn mit Politik zu tun?

CS: Religion und Gesetz sind im Islam eng miteinander verzahnt. Dies war schon bei Muhammad der Fall, der zugleich religiöser Führer und Gesetzgeber, aber auch Heerführer seiner ersten Gemeinde war. Die Erb-, Ehe- und Strafgesetze, die er erließ, begründete er mit der Religion des Islam, also göttlichen Vorschriften. Auch wenn diese Gesetze später von Juristen und Theologen unterschiedlich interpretiert wurden, bleibt doch die eigentliche Begründung der Scharia eine religiöse. Weil es sich nach muslimischer Überzeugung um das Gesetz Allahs handelt, darf es nie offiziell hinterfragt, geändert oder kritisiert werden.


BQ: Warum sollte sich ein Deutscher mit der Scharia beschäftigen. Ist das nicht ein fernes Problem?

CS: Schon lange nicht mehr. Zum einen prägt auch hier die Scharia das Rechtsdenken vieler Muslime, ist ihr ideeller Bezugspunkt für ein Leben in einer erstrebenswerten „gerechten“ Gesellschaft, die nach göttlichen Maßstäben organisiert wäre anstatt nach den weltlichen, von Menschen erdachten Richtlinien der Demokratie.

Auch hierzulande propagieren manche muslimischen Gruppen, dass die Scharia das einzige gerechte System auf Erden ist und allen Menschen Frieden bringen würde, wäre sie nur erst überall eingeführt. Die Scharia steht jedoch mit ihrem rigiden Strafrecht (Amputation, Auspeitschung, Steinigung, Wiedervergeltung) den Menschen- und Freiheitsrechten der UN-Menschenrechtserklärung und damit den Grundlagen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung entgegen. Ebenso ist die in der Scharia verankerte rechtliche Benachteiligung der Frau im Erb- und Eherecht und die Verurteilung des vom Islam „Abgefallenen“ zum Tode noch nicht einmal als rein theoretischer Anspruch akzeptabel, auch wenn es in islamischen Ländern kaum je Gerichtsprozesse wegen Apostasie gibt (dafür kommen aber Konvertiten manchmal durch Selbstjustiz der Familie oder Gesellschaft um). In Deutschland wurde in der Vergangenheit bei einzelnen Prozessen ein nicht-europäisches Rechtsempfinden aufgrund des kulturellen Hintergrundes eines Täters aus einem nahöstlichen Kulturkreis (z. B. im Falle von Ehrenmord oder ehelicher Misshandlung) als mildernder Umstand gewertet – m. E. ein nicht zu rechtfertigendes Zugeständnis an Scharianormen in Deutschland, wo Recht und Gesetz gleichermaßen für alle Menschen gelten muss.

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Sonntag, 10. Februar 2008

Olmert kommt nach Deutschland

Israels PM Olmert kommt nach Deutschland und natürlich beschäftigen sich deutsche und israelische Medien mit dem Besuch.

Was sind die kritischen Punkte?
1. Natürlich - der Nahost-Konflikt.

Interessanter sind aber vielleicht die anderen Themen:
2. Das iranische Atomprogramm und seine Drohungen gegen Israel
Die neue UN-Sanktionen, die möglicherweise gar nicht von allen im Sicherheitsrat angenommen werden, werden auf jeden Fall den florierenden Handel zwischen Deutschland und Iran nicht behindern . Deutschland war in der Europäische Union der größte Exporteur in den Iran und 2007 (3,5 Milliarden Euro Warenwert), verkauften sie für fast 1,5 Milliarden Euro Engineering-Produkte und High-Tech-Geräte, zwei Kategorien, die sich in der Grauzone von "Dual-use-Technologie" bewegen. Das ist "Made in Germany"-Ware, die entweder für eine nicht-militärische Nutzung oder für die Schaffung eines nuklearen Waffenarsenal angewendet werden können.
Ende Januar hat der deutsche Maschinenbau-Riese Siemens, der im "Dual-Use-Energie"- und im medizinischen Sektor im Iran aktiv ist, eingeräumt, dass er für 19 Millionen Euro iranische Amtsträger bestochen hat, um Geschäfte zu machen. Die genaue Art der quid pro quo im deutsch-iranischen Bestechungsskandal bleibt ein Geheimnis.)

Dieser Abschnitt stand übrigens nicht in der deutschen Zeitung!! 3,5 Milliarden €. Viel Geld. Kein Wunder, dass deutsche Politiker so zögerlich gegen den Iran vorgehen, oder?

3. Die Verwunderung der israelischen Seite, dass in Deutschland die Drohung des Irans, Israel von der Landkarte zu fegen, immer noch heruntergespielt wird. Gerade Deutschland sollte da etwas mehr Fantasie haben! Aber: Siehe Punkt 2.

4. Jährliche Konsultationen
Bei dem Besuch Olmerts in Berlin werden nach Merkels Worten die deutsch-israelischen Regierungskonsultationen im März dieses Jahres in Jerusalem vorbereitet. Anlässlich des 60. Gründungsjahrestages Israels solle mit jährlichen Beratungen begonnen werden.
Die Fachminister sollen eine Reihe von bilateralen Projekten beraten, «die ganz wesentlich auch in die Zukunft blicken».

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Türken in Deutschland - Ausländer oder Deutsche?

Durch die Ereignisse in Ludwigshafen ist das Thema Türkei und Türken in Deutschland weit oben.
In der Welt wird über den türkischen PM Erdogan berichtet, der in KölnArena vor etwa 20.000 meist türkischen Zuhörern, die aus ganz Deutschland, aber auch aus Frankreich, Belgien und den Niederlanden angereist waren, sagte:
"Assimilierung ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Ich verstehe sehr gut, dass ihr gegen die Assimilierung seid. Man kann von euch nicht erwarten, euch zu assimilieren."

Es sei zwar wichtig, Deutsch zu lernen, aber die türkische Sprache dürfe darüber nicht vernachlässigt werden. Die Türken stünden in Europa vor der Herausforderung, ihre Identität und ihre Kultur zu bewahren. Im Übrigen betonte er die Friedfertigkeit aller im Ausland lebenden Türken: "Wir haben mit Hass überhaupt nichts zu tun, wir haben mit Feindschaft, mit Streit und Gewalt überhaupt nichts zu tun."

Die verschiedenen Presseorgane schrieben dann auch mal von "Erdogan fordert mehr Integration von Türken" (ZDF) bis zu "Assimilierung ist Verbrechen": Erdogan warnt Landsleute" (n-tv).

Naja. Eine klare Aufforderung zur Aufgabe von Parallelgesellschaften und zur Integration sieht anders aus. Und dass Türken im Ausland "mit Hass, Feindschaft, mit Streit und Gewalt überhaupt nichts zu tun haben", halte ich für ein Gerücht, um es vorsichtig auszudrücken. Genauer: Eine Lüge.

In der FAZ dagegen wird dargestellt, warum junge Muslime Probleme in unserer Gesellschaft haben/machen:
"Diese im Kern auf Gehorsam, Nichtinfragestellen von religiösen und weltlichen Autoritäten, auf Vergeltung und nicht auf Vergebung gerichtete Weltsicht prägt die Sozialisation der Kinder. Heute, hier, mitten in Deutschland. Und sie ist das Erziehungsmuster in den muslimischen Familien, in Koranschulen, in den Moscheen. Auch die Islamverbände vertreten diese autoritären Erziehungsziele und geben sie in der Öffentlichkeit als Integrationsarbeit aus."

"Vergeltung statt Vergebung". Haben wir hier ein Kernproblem? Ich denke schon. Die Bibel lehrt uns klar, dass wir Vergebung brauchen.

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Freitag, 8. Februar 2008

Brand in Ludwigshafen - wo zeigen Politiker Präsenz?

Sowie der türkische Ministerpräsident Erdogan in Ludwigshafen nach dem verheerenden Brand Präsenz gezeigt hat, können sich viele Politiker ein Stück davon abschneiden. Natürlich war der Zeitpunkt "günstig" - Erdogan plante sowieso, dieses Wochenende in Deutschland zu sein -, aber für viele war sein Aufenthalt und seine Ansprache eine Hilfe.

Türkische Zeitungen hatten schnell und heftig Kritik an den deutschen Rettungskräften geübt und sofort einen fremdenfeindlichen Hintergrund unterstellt. Trotz der ungeklärten Brandursache waren sie in den vergangenen Tagen fest von einem neonazistischen Anschlag ausgegangen und hatten Parallelen zu dem tödlichen Brandanschlag von Solingen 1993 gezogen.

Soweit die Fakten. Was ist bemerkenswert und was ist anzumerken?
Erdogan kommt nach Deutschland und kümmert sich vor Ort um die Situation, versucht zu beruhigen und unterstützt die operativen Kräfte.

Wo waren deutsche Politiker, als z.B. Marco W. aus Uelzen monatelang in einem türkischen Untersuchungsgefängnis saß?
Richtig! In Berlin und Brüssel und Hannover. Auf ihren Stühlen in den warmen Büros. Dort haben sie mal weniger, mal mehr vernünftige Dinge von sich gegeben, auf jeden Fall gab es einigen Ärger.

Wo war aber türkische Ministerpräsident Erdogan, als z.B. in der Türkei im April letzten Jahres 1 Deutscher und 2 Türken bestialisch umgebracht wurden, weil sie Christen waren?
Oder nach dem Mord am Priester Andrea Santoro in Trabzon, dem Mord an dem armenischen Journalisten Hrant Dink, der Entführung des Priesters Edip Daniel in Midyat, dem durch Messerstiche verwundeten Priester Adriano Tranchini bei Izmir und einem durch den türkischen Geheimdienst dieser Tage verhinderten Mordversuch an einem türkischen evangelischen Pastor in Antalya?

Da hätte man sich auch gewünscht, dass Politiker aufgestanden (und sich auch auf den Weg gemacht hätten) und dafür gesorgt hätten, dass Ruhe einkehrt und die Rechtsstaatlichkeit verteidigt wird.
Aber weder deutsche noch türkische Politiker waren vor Ort und haben sich die Sache zu ihrer eigenen gemacht. Sie haben sich auch nicht hinter die Christen in der Türkei gestellt und ihnen ihre Hilfe angeboten.
Türkische Christen leben heute in großer Angst und teilweise sogar in Verfolgung.

Hierzu auch ein Ausschnitt aus der Sendung "report":

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Donnerstag, 7. Februar 2008

Englischer Erzbischof: Sharia jetzt einführen!

Dr. Rowan Williams, der Erzbischof von Canterbury, hat einen politischen Sturm ausgelöst, indem er forderte, dass Aspekte der Sharia in Großbritannien angewendet werden. Williams sagte, es "scheine unumgänglich", dass Elemente des islamischen Gesetzes wie Scheidungsvorgänge in das britische Gesetz aufgenommen würden.
Dr. Williams sagte, dass das Vereinigte Königreich "sich der Tatsache stellen müsse", dass sich einige Bürger nicht mit den britischen Gesetzen identifizieren und argumentierte, dass das offizielle Bewilligen der Sharia die Beziehung der gesellschaftlichen Gruppen untereinander verbessern würde

Kein Kommentar - mir fehlen die Worte.

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Mittwoch, 6. Februar 2008

Wissenschaft: Meinung oder Fakten?

Wie stehe ich als Christ zur Wissenschaft? Bin ich per se der viel beschrieene Feind der Wissenschaft, nur weil ich deren Erkenntnisse nicht als "ultima ratio" sehe, sondern immer nur als eine Zwischenerkenntnis?
Nein, ganz bestimmt nicht, denn das sehen auch Nicht-Christen und sogar Atheisten ganz genau so. Wissenschaftliche Erkenntnisse haben immer nur eine bestimmte Haltbarkeit. Sie ist dann vorbei, wenn die nächste Erkenntnis kommt, die die vorherige über den Haufen wirft. Das ist hundertfach in der Vergangenheit so passiert.
Wie aber verhält sich dieses Prinzip bei so strittigen - weil existenzielle Fragen betreffenden - Themen wie Klimawandel oder Evolution/Schöpfung?
Da werden diese Prinzipien auch mal schnell über den Haufen geworfen, wenn es denn der Stärkung der eigenen Meinung dient.

Ein schönes Beispiel so einer Posse (es geht um die Frage, wie schnell unser Klima kippen kann) kommentiert die "Zeit":
Gerade darum ist die Wissenschaft in der Pflicht, Wissen zu generieren, das wirklich als belastbare Basis für eine gesellschaftliche Debatte taugt. Dazu gibt es eindeutige Qualitätsstandards und eine klare wissenschaftliche Methodik. In ihrem Kern sitzt der Zweifel: Sind die eigenen Ergebnisse wirklich sicher? Muss man mit einer noch besseren Methode forschen? Wo sind die Fehler im bisherigen wissenschaftlichen Verständnis? Nur wenn dies die Forschung antreibt, kann sie immer besser werden. Kollektive Mutmaßungen aus einer Auswahl weltweiter Labors haben innerhalb dieser Regeln keinen Platz als Bausteine im großen Gebäude des Wissens.
Hier der ganze Artikel.

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Montag, 4. Februar 2008

Islam und Christen und v.v.

Zur Person
Ursula Spuler-Stegemann wurde 1939 geboren. Sie studierte Orientalistik, Vergleichende Religionswissenschaft, Semitistik (u.a. Arabisch, Persisch und Türkisch) und Germanistik. Sie ist Honorarprofessorin an der Philipps-Universität in Marburg. Dort lehrt sie an den Fachbereichen „Gesellschaftswissenschaften und Philosophie“ und „Fremdsprachliche Philologien“ (Orientwissenschaft, Türkisch). Außerdem lehrte sie am Fachbereich Evangelische Theologie Religionsgeschichte mit dem Schwerpunkt Islam. Als Sachverständige berät sie politische Institutionen und war Mitglied der Ökumenischen Kammer der Landeskirche Kurhessen-Waldeck.

Hier äußert sie sich in einem Interview mit der WELT:

WELT ONLINE: Wir erfahren sehr viel über Christen, die Moslems geworden sind, hören aber wenig über Moslems, die zum Christentum gefunden haben. Woran liegt das?

Spuler-Stegemann: Zunächst daran, dass der Abfall vom Islam als abscheuliches Verbrechen gegenüber der Umma, der Gemeinschaft der Gläubigen, und als unvergebbare Sünde gilt. Konvertiten zum Christentum werden auch in Deutschland bedroht oder misshandelt. Wir haben – oder besser: der Islam – hat ein Gewaltproblem. Es darf in keinem demokratischen Land möglich sein, dass Menschenrechte, und die Religionsfreiheit ist ein Menschenrecht, mit Füßen getreten werden. Hier stehen die muslimischen Gemeinschaften in der Verantwortung!

WELT ONLINE: Islamischer Religionsunterricht – eine unendliche Geschichte. Nun gibt es seit einem Dreivierteljahr einen Ansprechpartner für den Staat: den Koordinierungsrat der Muslime. Dennoch geht es nicht voran. Warum?

Ursula Spuler-Stegemann: Der gordische Knoten ist tatsächlich noch nicht durchgeschlagen. Zum einen ist der Rat islamistisch orientiert, zum andern gibt es noch keine wirklich sachgemäße Lehrerausbildung, die unseren Grundgesetzvorstellungen entspricht.

WELT ONLINE: Im Koordinierungsrat ist aber auch die Ditib vertreten, der deutsche Arm der türkischen Religionsbehörde, die man eigentlich nicht als islamistisch einordnen kann.
Spuler-Stegemann: Sie hat als einzige der vier im Rat vertretenen Gruppierungen ein Vetorecht; das war der Preis für das Mitwirken. Aber die spannende Frage ist nicht nur, wohin der Rat tendiert, sondern wohin der türkische Staat tendiert. Es gibt schon gewisse Annäherungen der Ditib an die vom Verfassungsschutz beobachtete Vereinigung Milli Görush. Das muss uns besorgt machen. Dass sich die Ditib mit drei problematischen Verbänden zusammengetan hat – Zentralrat der Muslime, Islamrat, Verband der islamischen Kulturzentren–, das kann nicht ohne inhaltliche Annäherung abgegangen sein. Das macht mir Bauchschmerzen.

WELT ONLINE: Wie schätzen Sie die Rolle deutscher Konvertiten ein, die in den Verbänden eine gewisse Rolle spielen?

Spuler-Stegemann: Eigentlich könnten die eine Brücke sein, weil sie in unserem demokratischen System aufgewachsen sind. Aber oft genug erleben wir, dass gerade Konvertiten 150-prozentig zu ihrem neuen Glauben stehen.

WELT ONLINE: Die Kirchen bekennen sich ganz eindeutig zur Einführung von islamischem Religionsunterricht. Aus welchen Motiven wohl?

Spuler-Stegemann: Sie fürchten nicht zu Unrecht, dass eine Tendenz zu einem rein religionswissenschaftlichen Unterricht, wie er einigen vorschwebt, das Einfallstor zu einer Relativierung des klassischen christlichen Religionsunterrichts, nach den Grundsätzen der jeweiligen Religionsgemeinschaft, sein könnte oder dass er ganz aus dem Curriculum gestrichen wird. Das ist die Crux. Auf keinen Fall darf ein islamischer Verband den Unterricht übernehmen, wie in Berlin geschehen.

WELT ONLINE: Gigantische islamische Bauvorhaben in deutschen Großstädten sorgen für Schlagzeilen. Die Grundsatzfrage scheint noch nicht geklärt: Was ist eine Moschee: ein Gotteshaus oder ein Multifunktionsgebäude?

Spuler-Stegemann: Ob eine Moschee überhaupt als Gotteshaus bezeichnet werden kann, ist selbst innerhalb des Islam umstritten. Gar mancher Strenggläubige sagt, dass jeder Muslim an jedem Ort beten könne und man allenfalls für das Freitagsgebet Moscheen benötige. Aber es ist überhaupt keine Frage: Unsere Religionsfreiheit gestattet den Bau von Moscheen. Auffallend ist freilich, dass in jüngster Zeit große Moschee-Zentren gebaut werden – von manchmal ganz kleinen Vereinen. Der Gebetsraum ist nur ein kleiner, allerdings wesentlicher Teil. Teilweise entstehen zusätzliche Gebäude, so dass in der Tat der Eindruck einer islamischen Enklave und einer Parallelgesellschaft nicht von der Hand zu weisen ist. Und wir haben wenig verbandsunabhängige Moscheen.

WELT ONLINE: Wir haben es also meist mit Verbänden zu tun, die einen Islam vertreten, der nicht unbedingt politisch gewünscht sein kann?

Spuler-Stegemann: So ist es. Ich habe Probleme damit, wenn eine Moschee bewusst „Eroberermoschee“ (Fatih Camii) heißt oder „Hagia Sophia Moschee“ (Ayasofya Camii) als Symbol für die Eroberung von Byzanz 1453 und den damit verbundenen Niedergang Ostroms, also des christlichen Orients. Da greift man nicht zu hoch, wenn man sagt: Das kann eigentlich nur Programm sein! Diese Muslime wollen hier nicht nur ihre Präsenz zeigen, sondern sie auch verfestigen und ausweiten. Und wo der Minarettruf zu hören ist, da ist aus bestimmter muslimischer Sicht islamisches Terrain. Aber wir müssen natürlich auch an die Muslime denken, die vor dieser Auslegung des Islam hierher, zu uns, gekommen, ja geradezu geflüchtet sind. Sie brauchen auch eine Stimme.

WELT ONLINE: Moslemische Funktionäre sprechen von einer Hetze gegen den Islam. Einige vergleichen das sogar mit der Hetze gegen Juden.

Spuler-Stegemann: Das ist abenteuerlich! Unglaublich! Historisch nicht haltbar! Diese Opferrolle, in die sich Muslime hineinmanövrieren, verstehe ich nicht. Vor allem nicht angesichts der Medienpräsenz, die ihre Organisationen haben. Einer Instrumentalisierung unserer Geschichte muss auch seitens der Kirchen entgegengetreten werden, um das zu erreichen, was wir hierzulande am allernötigsten brauchen: eine Normalisierung im Umgang miteinander.

WELT ONLINE: Nicht zu leugnen ist freilich eine Islamophobie in Teilen unserer Gesellschaft.
Spuler-Stegemann: Schwarzweißmalerei gibt es, das bedrückt mich auch. Auf der anderen Seite haben wir es mit den Gutmenschen zu tun, den besonders Wohlwollenden. Und so schaukelt sich leider im Augenblick das Problem bedenklich hoch.

WELT ONLINE: Wir erfahren sehr viel über Christen, die Moslems geworden sind, hören aber wenig über Moslems, die zum Christentum gefunden haben. Woran liegt das?
Spuler-Stegemann: Zunächst daran, dass der Abfall vom Islam als abscheuliches Verbrechen gegenüber der Umma, der Gemeinschaft der Gläubigen, und als unvergebbare Sünde gilt. Konvertiten zum Christentum werden auch in Deutschland bedroht oder misshandelt. Wir haben – oder besser: der Islam – hat ein Gewaltproblem. Es darf in keinem demokratischen Land möglich sein, dass Menschenrechte, und die Religionsfreiheit ist ein Menschenrecht, mit Füßen getreten werden. Hier stehen die muslimischen Gemeinschaften in der Verantwortung!

WELT ONLINE: Was haben die Kirchen in der Auseinandersetzung mit dem Islam versäumt?

Spuler-Stegemann: Sie haben ihn zu lange ignoriert, haben nicht gemerkt, dass der Islam bei uns angekommen ist. Und dann haben sie gedacht, wir kommen nur gut miteinander aus, wenn wir uns ganz öffnen; das ist in brüderlicher und schwesterlicher Nächstenliebe, wenn auch manchmal etwas naiv, auch geschehen. Man hat nicht gefragt, welche Organisationen extremistisch sind oder ob die behauptete Verfolgung von Muslimen den Tatsachen entspricht. Man hat auf den Dialog gesetzt, ohne die kritischen Punkte anzusprechen. Und so lange man den christlichen Wertekanon auf den islamischen und vice versa den islamischen auf den christlichen überträgt, wird man unter falschen Voraussetzungen miteinander kommunizieren.

WELT ONLINE: Mit dem heftig diskutierten EKD-Papier „Klarheit und gute Nachbarschaft“ ist aber eine Wende eingetreten.

Spuler-Stegemann: Aber wenn man so viele Jahre schnurstracks wie auf einer Schiene gelaufen ist und nun bremsen oder zurückmarschieren will, so macht das Schwierigkeiten. Man konnte als kritischer Geist sagen, was man wollte, man war immer der Spielverderber. Tatsächlich ist die neue EKD-Handreichung eine deutliche Verbesserung gegenüber der vorausgegangenen. Doch die Gegenschrift – mit Beiträgen überwiegend christlicher Theologen – ließ nicht lange auf sich warten. Schon der Untertitel „Wie sich die EKD gegen den Islam profiliert“ ist in sich widersinnig.

WELT ONLINE: Es war volltönend von den drei abrahamitischen Religionen die Rede: Christentum, Judentum, Islam. Heute gehen Kirchenleute dazu auf Distanz. Hier hat sich doch etwas verändert?

Spuler-Stegemann: Aber noch nicht genug. Und man kann nicht eine Zentralgestalt oder Symbolfigur wie Abraham für einen Trialog in Anspruch nehmen und Gemeinsamkeit vortäuschen. Wir müssen sehen, dass wir wirklich zu einem streitbaren, kritischen Dialog mit dem Islam finden. Nur dies kann zu eine, Ziel führen. Wir dürfen uns nicht in Scheingemeinsamkeiten verstricken. Ob wir freilich mit den Vertretern der bestehenden Organisationen Brücken bauen können oder sollten, das ist die große Frage. Wir können diese Verbände nicht wegdrücken, sie sind da, aber wir müssen ernsthaft nach wirklich gleichwertigen liberalen Partnern suchen, mit denen wir gemeinsam die Zukunft gestalten können – sie gibt es; aber nicht dort.

WELT ONLINE: Ein dezidierter theologischer Dialog mit den bestehenden Verbänden scheint allerdings unmöglich. Oder?

Spuler-Stegemann: Ja. Ist denn Herr Köhler vom Zentralrat Theologe? Oder Herr Kizilkaya vom Islamrat? Den Organisationen fehlt das theologische Potenzial. Deshalb gilt unsere bescheidene Hoffnung den Professuren, die sich allmählich an unseren Universitäten etablieren.

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"Wir opfern eher unsere Söhne als unsere Prinzipien"

Immer offener wird klar, dass der Islam keine grundsätzlich friedliebende Religion ist - obwohl sicherlich unbenommen ist, dass die meisten Muslime friedliebend sind -, sondern durchaus diverse Radikale nicht nur ihre eigenen Gesellschaften, sondern auch Israel und nun auch den Rest der Welt nach der Maßgabe des Islam/Koran "verändern" wollen. Ein Kalifat von Tschetschenien bis nach Spanien?
Sagte da nicht letztens der Leiter des Hamburger Orient-Instituts Prof. Udo Steinbach, dass er nicht glaube, dass Europa sich von Iran bedroht fühlen müsste?
"Europa wäre sicher das letzte Ziel, das Iran einfallen würde, falls er wirklich aggressive Absichten verfolgen sollte", eine "Atommacht Iran" wäre nur "für seine Nachbarn" eine Bedrohung, "zum Beispiel für eine säkulare Türkei und natürlich für Israel".
Nun - eine Atombombe wäre ein Weg, unerwünschte Völker aus dem Wege zu räumen. Innere Aushöhlung - unterstützt durch naive Gutmenschen - eine andere.

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Die Muslim-Bruderschaft propagiert aber nicht nur das Patriarchat, sondern ist vielmehr der ideologische Treibsatz für Extremisten und Terrororganisationen überall auf der Welt. Osama bin Ladens Stellvertreter Ayman al-Sawahiri war ebenfalls Mitglied der Muslimbruderschaft und forderte vergangenes Wochenende die Hamas, die als politisch-terroristischer Arm der MB in den Palästinensergebieten agiert, auf, jegliche politische Lösung der Palästina-Frage abzulehnen und den Dschihad solange fortzusetzen, bis sämtliches islamisches Land, von Tschetschenien bis Spanien, befreit und unter einem Kalifat vereint sei.
Ein Hamas-Sprecher teilte darauf hin zu den Friedensverhandlungen mit Israel mit, man werde eher weiterhin seine Söhne opfern als seine Prinzipien.
Die Muslimbruderschaft ist die Mutterorganisation des politischen Islams. Die radikal-islamische Vereinigung versucht, die Regierungen ihrer jeweiligen Heimatstaaten abzulösen und einen islamistischen Gottesstaat auf der Grundlage der Scharia zu errichten. Auch in Deutschland sind die Muslimbrüder aktiv.

Die Leitsätze der Muslimbrüderschaft (MB) zu Frauenrechten sind glasklar: Frauen und Männer sind zwar gleichwertig vor Gott, aber nicht gleichberechtigt auf Erden. Familienarbeit und das Mutterdasein seien im Leben einer Frau die wichtigste Aufgabe und das eigene Heim der angemessene Aufenthaltsort. Frauen seien aufgrund ihrer körperlichen Besonderheiten für viele Aufgaben ungeeignet, müssten sich Verschleiern, und der Mann dürfe eine aufmüpfige Frau, die auf gutes Zureden nicht reagiere, auch körperlich züchtigen.
Es gibt Ausnahmen von diesen goldenen Regeln. Gefragt, ob eine Frau unter bestimmten Umständen ihr Kopftuch abnehmen könne, antwortete der Rechtsgelehrte und Chefideologe der MB, Scheich Yusuf al-Qaradawi: Ja, sie dürfe ihren Schleier abnehmen. Allerdings nur, wenn sie sich der Tarnung wegen unter Israelis mischen wolle, um diese und sich selbst in die Luft zu sprengen. So sieht Emanzipation unter Islamisten aus.

Ideologischer Treibsatz für Extremisten
Die MB propagiert aber nicht nur das Patriarchat, sondern ist vielmehr der ideologische Treibsatz für Extremisten und Terrororganisationen überall auf der Welt. Osama bin Ladens Stellvertreter Ayman al-Sawahiri war ebenfalls Mitglied der Muslimbruderschaft und forderte vergangenes Wochenende die Hamas, die als politisch-terroristischer Arm der MB in den Palästinensergebieten agiert, auf, jegliche politische Lösung der Palästina-Frage abzulehnen und den Dschihad solange fortzusetzen, bis sämtliches islamisches Land, von Tschetschenien bis Spanien, befreit und unter einem Kalifat vereint sei.
Ein Hamas-Sprecher teilte darauf hin zu den Friedensverhandlungen mit Israel mit, man werde eher weiterhin seine Söhne opfern als seine Prinzipien.

Ziel ist ein islamistischer Superstaat
Gegründet wurden die MB 1928 in Ägypten als Reaktion auf den Zusammenbruch des osmanischen Kalifats. Ziel ist die Errichtung eines weltweiten islamistischen Superstaates, regiert von einem Kalifen unter Anwendung der Scharia. Der Islam wird dabei als untrennbare Einheit von Religion und Politik definiert. "Der Islam ist die Lösung" lautet deshalb auch der Slogan der MB.

Während eines kürzlich stattgefundenen Gerichtsprozesses gegen die MB-nahe "Holy Land Foundation" in den USA tauchte ein Dokument auf, in dem die Strategie der MB für den Westen dargelegt wurde. Es gehe um einen "Gesellschafts-Dschihad", bei dem die westliche Zivilisation von innen heraus vernichtet werden solle. Und es sei die Pflicht eines Moslems, sich diesem Dschihad anzuschließen, wo immer der Gläubige sich auch befinde – bis Allahs Religion über alle anderen Religionen gesiegt habe.

Diese Gesellschafts-Dschihadisten gibt es auch bei uns. Die Muslimbrüder haben in Deutschland etwa 1300 Mitglieder, wobei die "Islamische Gemeinschaft Deutschland" (IGD) laut Verfassungsschutz als nationale deutsche Repräsentantin betrachtet werden kann.

Deren Vorsitzender Ibrahim el-Zaya war zuletzt dadurch aufgefallen, dass er im Mai diesen Jahres uneingeladen bei der Islamkonferenz von Innenminister Wolfgang Schäuble auftauchte. Zudem leitet er verschiedene dubiose Organisationen in Europa. Es ist unklar, ob el-Zayat selbst Mitglied der Muslimbruderschaft ist. Diese hatte ihn als solches geführt, worauf er eine Gegendarstellung veranlasste. Die MB titelte daraufhin auf ihrer Website: "Ibrahim el-Zayat sagt, er sei kein Mitglied der Muslimbrüder".

Muslimbrüder in Deutschland
Das Auftreten der "Islamische Gemeinschaft Deutschland" ist vielschichtig. In der Vergangenheit wurden etwa Vertreter der MB als Redner eingeladen, Mitglieder der MB waren und sind in der Organisation aktiv. In letzter Zeit appellierte die IGD, die auch Mitglied beim Zentralrat der Muslime ist, jedoch lautstark an ihre Mitglieder, sich in Deutschland zu integrieren.

Bei der diesjährigen Jahrestagung waren Frauen ohne Kopftuch anwesend, und der Versuch, Frauen und Männer in der Berliner Columbia Halle zu trennen, wurde irgendwann aufgegeben. Vielleicht sind dies Anzeichen dafür, dass neben der rethorischen auch eine tatsächliche Modernisierung der IGD stattfindet. Oder es ist der Versuch, im trojanischen Pferd den Gesellschafts-Dschihad, also die Islamisierung der Gesellschaft von innen heraus, zu betreiben.
Islamisten, auch die in Nadelstreifen, wollen totalitäre Gottesstaaten errichten und unterscheiden sich von islamistischen Terroristen häufig nur durch die Wahl ihrer Mittel. Deshalb ist es eine der wichtigsten Aufgaben, Aliierte von Gegnern unserer freiheitlichen Demokratie zu unterscheiden. Wo die Muslimbrüder stehen, ist klar. Aber wo steht die IGD?

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Donnerstag, 24. Januar 2008

Hamburger Lektionen - die Nachtseite des »Dialogs mit dem Islam«

Wir wissen aber nicht Bescheid. Diesem Prediger geht es durchaus nicht bloß um schlichte Verwünschungen des dekadenten, unterdrückerischen Westens. Mohammed Fazazi schimpft und tobt nicht. Dieser Imam, der heute in Marokko eine langjährige Haftstrafe absitzt, hatte Verbindungen zu den Attentätern des 11. September sowie zu den Terroristen, die bei Anschlägen in Casablanca und Madrid Hunderte ermordeten. Die Ansprachen, die diesem Film zugrunde liegen, wurden im Jahr 2000 in der Hamburger Al-Quds-Moschee gehalten, einem Anlaufpunkt für Mohammed Atta und seine Gruppe. Sie wurden von einem Unbekannten gefilmt und als Videos unter Nachwuchs-Dschihadis vertrieben.

Alles in seinem Namen

Mit seinem beeindruckenden Film »Hamburger Lektionen« (Do. 24.01.2008 um 21:00 Uhr auf arte) erkundet Romuald Karmakar die Weltsicht eines islamistischen Predigers

Romuald Karmakars Film Hamburger Lektionen handelt vom Denken eines radikalen Islamisten, der zum Dschihad gegen den Westen aufruft. Dieser Tage muss man niemandem erklären, warum ein solcher Film wichtig ist: Das ganze Land beugt sich über Fritz und Daniel, unsere homegrown terrorists. Woher die kalte Entschlossenheit, woher der Glaube, im weltumspannenden Krieg mit den Ungläubigen zu stehen, und die Gewissheit, in diesem Kampf sei erlaubt, was jede überkommene Moral verbietet?

Karmakar lässt die Psychologie der Täter beiseite und schaut stattdessen auf das ideologische Angebot, das die Prediger des Dschihad jungen Männern unterbreiten. Es ist irreführend, die Hamburger Lektionen als Film über einen »Hassprediger« zu bezeichnen. Wer sich den zwei fesselnden Stunden dieses Films aussetzt, wird schnell bemerken, dass Karmakar sich nicht für die aufpeitschende, emotionale Seite der Predigten des Mannes namens Mohammed Fazazi interessiert. Wenn wir die Weltsicht eines Dschihadisten verstehen wollen, ist das bekannte Hassprediger-Outfit – Rauschebart, Dschellaba-Gewand, wutschnaubende Diktion – eher störend, weil es uns verleitet zu glauben, wir wüssten schon Bescheid.

Wir wissen aber nicht Bescheid. Diesem Prediger geht es durchaus nicht bloß um schlichte Verwünschungen des dekadenten, unterdrückerischen Westens. Mohammed Fazazi schimpft und tobt nicht. Dieser Imam, der heute in Marokko eine langjährige Haftstrafe absitzt, hatte Verbindungen zu den Attentätern des 11. September sowie zu den Terroristen, die bei Anschlägen in Casablanca und Madrid Hunderte ermordeten. Die Ansprachen, die diesem Film zugrunde liegen, wurden im Jahr 2000 in der Hamburger Al-Quds-Moschee gehalten, einem Anlaufpunkt für Mohammed Atta und seine Gruppe. Sie wurden von einem Unbekannten gefilmt und als Videos unter Nachwuchs-Dschihadis vertrieben.

Karmakar gibt uns nur das blanke Gesicht von Manfred Zapatka, der – auf einem schlichten Stuhl sitzend – zwei Vorträge von Mohammed Fazazi verliest. Zapatka tut dies gewohnt nüchtern, nur hier und da mit einem frontalen Blick in die Kamera akzentuierend. Wir finden uns direkt vor die Sprache und das Denken Fazazis gestellt. Ab und zu werden ihm Zettel mit Fragen gereicht, die er abliest und beantwortet. In den letzten Tagen des Ramadan 2000 nämlich gewährte der Imam seiner Gemeinde eine Art Kummerkastenstunde, bei der alle Themen angesprochen werden konnten. Einmal geht es um die Frage, ob die heiligste Nacht des Ramadan – Laylat Al-Qadr – eindeutig bestimmt werden kann. Leider seien sich die Gelehrten nicht einig, so Fazazi, man solle darum jede Nacht des Ramadan heiligen. Dann fragt jemand, ob eine Frau eine Flugreise ohne männlichen Begleiter tun darf, vorausgesetzt sie werde zum Flughafen gebracht und abgeholt. Nein, auch dann nicht, dekretiert der Imam, es könnte ja eine Notlandung erforderlich werden, und dann müsse die Frau im Hotel unter einem Dach mit Ungläubigen und Weintrinkern nächtigen.

Fazazi bezeichnet sich selbst als Salafi. Salafisten erkennen einzig den Propheten und die ersten drei Generationen seiner Jünger als Vorbilder an. Sie wollen den perfekten, reinen, unkorrumpierten Islam dieser durch allerlei Innovationen (bidah) verlorenen Frühzeit wiedergewinnen und die Theologie von allen außerislamischen Einflüssen – wie etwa der griechischen Logik – reinigen.

Doch Fazazi geht es um mehr. Allmählich flicht er in die Lebenshilfe Grundsätzliches ein. Wenn ich aufgrund eines Vertrages mit den Ungläubigen – also etwa mit einem deutschen Visum – hierhergekommen bin, muss ich dann nicht nach islamischer Auslegung die Gesetze achten?, fragt einer. Die Visabestimmungen entsprächen nicht der Scharia und seien damit ungültig, antwortet Fazazi. Aber gelten nicht für Ungläubige umgekehrt auch Schutzbestimmungen, sofern sie nicht gegen den Islam arbeiten und ihre Sonderabgaben zahlen? Das sei wohl so, wenn jene in einem islamischen Staat leben, in dem die Scharia gilt. Für die Ungläubigen im Westen aber gebe es keinen solchen Schutz. Ihre Ehre, ihr Hab und Gut, ihre Frauen und Kinder seien halal, sagt er, »antastbar«. Gerade weil sie in Demokratien leben, sind sie alle legitime Ziele des Dschihad. Weil in der Demokratie die Gewalt vom Volke ausgehe, und weil die westlichen Länder ein Weltsystem aufgebaut haben, das überall die Muslime bekriege, entrechte und beraube, seien alle Westler als Kombattanten zu betrachten und dürfen getötet werden, Kinder ebenso wie Soldaten. Den Muslimen Demokratie und Menschenrechte bringen zu wollen, ziele darauf, den Islam zu vernichten: Im Islam gibt es, so Fazazi, statt Volkssouveränität nur die Souveränität Gottes, und alle Rechte des Menschen leiten sich aus den Geboten Gottes.

Fazazi verfügt souverän über alle Register der postkolonialen Klage: Seit Jahrhunderten sind die Muslime beraubt, gedemütigt und betrogen worden. Migranten, sagt er, sind nichts anderes als moderne Sklaven. Der Reichtum des Westens beruht auf Raub von Menschen, Rohstoffen und Ideen. Doch seine Predigt dient nicht bloß der Abfuhr von muslimischen Demütigungs- und Ohnmachtsgefühlen. Ihm geht es um mehr: Fazazis Rede kreist um kriegerische Ermächtigung und politische Machtergreifung im Namen des Islam. Er ist kein Ultraorthodoxer, der das Gesetz besonders streng auslegt. Im altmodischen Gewand des Konservativen vertritt er in Wahrheit eine revolutionäre Botschaft. Er will seine Leute moralisch entsichern. Sie sollen nicht bloß hassen, sie sollen handeln. Und so ist es ja auch gekommen.

Es hat fast zwei Jahre gedauert, bis Romuald Karmakars Film in den Verleih kam. Was er zeigt, ist unwillkommen, weil es bestehende Ängste vor dem Islam verstärken könnte. Karmakar zeigt die Nachtseite unseres mühsamen »Dialogs mit dem Islam«. Darum sollte er auf Islamkonferenzen, in Schulen und vor allem in Moscheen diskutiert werden. Denn am Ende werden nur Muslime, die von der Auslegung ihres Glaubens als Machtergreifungsideologie angewidert sind, den Fazazis das Handwerk legen können.

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Donnerstag, 17. Januar 2008

Jugendliche Intensivtäter - warum und woher?

Darf man so eine Frage stellen? Zum Glück gibt es Leute, die solche Fragen stellen. Z.B.:
Roman Reusch ist Chef der Intensivtäterabteilung bei der Berliner Staatsanwaltschaft. Er vertritt Ansichten, mit denen seine Vorgesetzten nicht einverstanden sind und soll deswegen aus “fürsorglichen Gründen” versetzt werden. Hier ein Vortrag von ihm über Migranten mit Kriminalitätshintergrund:

http://www.hss.de/downloads/071207_VortragReusch.pdf

Ein paar Ausschnitte aus dem Vortrag:
Insgesamt haben knapp 80 % aller eingetragenen Intensivtäter einen Migrationshintergrund.
Der Anteil der ethnischen Deutschen liegt nach Abzug der Russland-Deutschen bei rund 17 %, bei Zuzählung derselben bei rund 20 %. Der Annahme, daß es ohne die Migrationsbewegungen der letzten Jahrzehnte kein nennenswertes Intensivtäterproblem gäbe, könnte somit schwerlich widersprochen werden.
[...]
Die Täter stammen – jedenfalls aus gesamtgesellschaftlicher Perspektive – von wenigen Ausnahmen abgesehen aus sozial randständigen Familien, insbesondere solchen mit bildungsfernem Hintergrund. Gleichwohl finden sich je nach ethnischer Herkunft erhebliche Unterschiede. So stammen die ethnischen Deutschen regelmäßig aus Familienverhältnissen, welche üblicherweise als kriminalitätsfördernd beschrieben werden. Alkoholmißbrauch, fehlende Zuwendung für die Kinder, Gewalt innerhalb der Familie etc. bestimmen das Bild und damit die Kindheit und Jugend der dort aufgewachsenen Täter. Hiervon unterscheiden sich die Familienverhältnisse der orientalischstämmigen Täter meist deutlich. Hier findet man vorwiegend Familien vor, die sich selbst keineswegs als irgendwie auffällig empfinden oder gar beschreiben würden, sondern die sich mehr oder minder nahtlos in die übrigen Migrantenfamilien ihres Wohngebietes einordnen und die – gemessen an den eigenen Maßstäben – meist auch über halbwegs intakte familiäre Strukturen verfügen. Übereinstimmendes Merkmal zwischen den verschiedenen orientalischen Ethnien dürfte die Gewaltanwendung des männlichen Familienoberhauptes gegenüber seiner Familie sein. Körperliche Züchtigungen, auch heftige Schläge, sind, wie die jungen Migranten immer wieder berichten, gängige Erziehungspraxis.
Dem devianten Verhalten ihrer Söhne stehen diese Familien teils unwissend, teils verharmlosend, aber auch hilflos gegenüber. Die heimatliche Tradition verbietet es geradezu, Hilfen von außerhalb, noch dazu eine solche des fremden Staates, zuzulassen oder gar zu erbitten. Bei den bereits beschriebenen türkischkurdisch-libanesischen Großfamilien muss zudem davon ausgegangen werden, dass dort keineswegs selten eine konsequente Erziehung zur professionellen Kriminalitätsausübung stattfindet. Aus Berichten von Mitarbeitern der Jugenduntersuchungshaftanstalt Kieferngrund wissen wir, dass Jugendliche aus solchen Familien schildern, wie sie von Kindesbeinen an von ihren Müttern bereits zum Stehlen angehalten wurden und z.B. erst nach Hause zurückkehren durften, wenn eine bestimmte Mindestbeutesumme erreicht war. In diesen Familien gilt seit je her – wie vor einiger Zeit die Geschäftsführerin des Arabischen Frauenvereins „Al-Dar“, Frau Abul-Ella, auf einer Diskussionsveranstaltung erläuterte – der Leitsatz:
„Knast ist für Männer“. Bei diesen Familien wird somit als völlig normale Gegebenheit vorausgesetzt, dass ihre Männer früher oder später Haftstrafen zu verbüßen haben, dies ist Teil des „Geschäftskonzepts“. Jugendliche aus solchen Familien dazu anzuhalten, zu lernen und zu arbeiten, kommt dem Versuch gleich, Wasser mit einem Sieb aufzufangen. Sie erleben schließlich, dass ihr Vater, die älteren Brüder, Cousins, Onkel etc. ebenfalls kaum lesen und schreiben können und trotzdem „dicke Autos“ fahren.
Generell wachsen die meisten der bei uns geführten Täter in einem Umfeld auf, indem – jedenfalls für junge Männer - die Begehung auch schwerster Straftaten zur völligen Normalität gehört, weshalb die meisten auch schon in strafunmündigem Alter delinquent werden. Sie wissen zwar, dass ihr Handeln grundsätzlich verboten ist, dies schert sie jedoch wenig. Sie haben eine Selbstbedienungsmentalität entwickelt, die darauf abzielt, sich zu nehmen, was immer sie wollen und wann und so oft sie es wollen. Ihre Taten dienen in erster Linie der Finanzierung eines aufwendigen Lebensstils, den sie sich bei ihrem Bildungs- und Ausbildungsstand durch Arbeit nie leisten könnten. Außerdem erlangen sie durch ihr „Gangstertum“ in ihrem Umfeld ein durch Arbeit ebenfalls nicht erlangbares Sozialprestige. Sie mieten sich hochwertige Autos, wofür sie in bar zahlen, und fahren an Schulen und anderen Jugendtreffpunkten vor, um mit ihrem Lebensstil anzugeben. Bei Begehung der Taten legen sie auch stets Wert darauf, ihre Opfer zu demütigen und zu erniedrigen, woraus sie für sich selbst ein weiteres Mal Bestätigung ziehen.
[...]
Opfer sind ganz überwiegend Nichterwachsene. Nach den Feststellungen der zuständigen Dienststelle des Berliner Landeskriminalamtes haben in Berlin Jugendliche ein 40fach höheres Risiko als über 60-jährige, Opfer einer Gewalttat zu werden. Für dieses Risiko zeichnen u.a. die von uns bearbeiteten Täter verantwortlich. Erwachsene werden nur vereinzelt und meist auch nur dann Opfer, wenn sie konstitutionell in ihrer Abwehrfähigkeit herabgesetzt sind, wie z.B. alte Menschen oder aber auch Betrunkene. Mädchen und junge Frauen, die diesen Tätern im wahrsten Sinne des Wortes in die Hände fallen, müssen immer auch damit rechnen, Opfer sexueller Übergriffe zu werden, meist einhergehend mit wüsten Beschimpfungen wie „deutsche Schlampe, deutsche Hure etc.“. Gerade solche Taten sind häufig von einer Anmaßung und Menschenverachtung seitens der Täter geprägt, die ihre Wurzeln meist im national-religiösen Überlegenheitswahn muslimischer Jungkrimineller haben, welcher sich gerade gegenüber "ungläubigen“ Frauen und Mädchen in besonders abstoßender Weise äußert. Die diesen Taten zugrundeliegende Einstellung kommt auch darin besonders deutlich zum Ausdruck, daß der größte Vorwurf, der einem muslimischen Mädchen gemacht werden kann, der ist, sie benehme sich wie eine Deutsche. Generell ist zu konstatieren, daß in jüngerer Zeit ausgesprochen deutschfeindliche – wie übrigens auch antijüdische - Übergriffe zunehmen.
[...] dass die zahlenmäßig größte Tätergruppe, nämlich junge männliche Kriminelle orientalischer Herkunft, in einer Sozialisation heranwachsen, in welcher - außerhalb der Familie - das Bestehen eines gänzlich gesetzlosen Lebenskonzeptes zur weitverbreiteten Normalität gehört. Die Angehörigen dieser Tätergruppe zeichnen sich denn auch insbesondere durch völlig fehlende Unrechtseinsicht und weitgehende Resistenz gegen polizeiliche und justizielle Maßnahmen aus. War dies früher nur ein sich aufdrängender Eindruck, so ist nunmehr in zahlreichen Fällen durch Erstellung der Lebensläufe bewiesen, dass weder polizeiliche Vorladungen und Vernehmungen noch gerichtliche Hauptverhandlungen für sich genommen auch nur den geringsten Eindruck auf diese Täter zu machen scheinen. Selbst kurzzeitige Freiheitsentziehungen wie vorläufige Festnahmen und Arreste gehen scheinbar spurlos an ihnen vorbei. Nicht einmal der Erlaß von Haftbefehlen mit sofortiger Haftverschonung oder die drohende Verurteilung zu einer Jugendstrafe mit Bewährung respektive Vorbewährung kann die übergroße Mehrheit von ihnen von weiterer serienmäßiger Begehung schwerer Straftaten abhalten. [...] Es gibt nur eine einzige Maßnahme, die sie wirklich beeindrucken könnte, nämlich die Haft. So entspricht es polizeilichen Erfahrungen, dass Täter, die bereits einige Monate Untersuchungshaft hinter sich haben, in ihrem Auftreten und Verhalten deutlich vorsichtiger geworden sind.

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Dienstag, 15. Januar 2008

Menschen müssen nicht mehr "gerade stehen" - denken einige

Selbstmordattentäter, die sich ins Jenseits sprengen und dabei Menschen mitnehmen, die gerne ihren Pfefferminztee in Ruhe zu Ende getrunken hätten, sind verzweifelte Opfer der Umstände, unter denen sie aufwachsen mußten.
Rabiate Moslems, die ihre Geiseln enthaupten, zahlen es dem Imperialismus heim. Migrantenkinder, die ihre Lehrer verhauen, wehren sich gegen ihre Ghettoisierung. Analphabeten, die Bücher verbrennen, weil sie sich von deren Inhalt beleidigt fühlen, suchen den Dialog mit den arroganten Dichtern. Alles schön und gut.
Aber das hier, das übertrifft alles. Zwei junge Schläger, die sich gegen einen Rentner gewehrt haben, der sie “angemacht” hatte. Das konnten sie ihm nicht durchgehen lassen. Der legte sich dann zehn Tage in die Klinik, nur um seinen Opfern eine Mordanklage anhängen zu können.

UPDATED am 16.01.2008

Die Menschen, die glauben, dass man alles erklären kann und dass niemand für nichts gerade zu stehen hat, was er getan hat, sind zweierlei: Verführte und Verführer.
Jeder Mensch muss vor Gott für das Rechenschaft ablegen, was er getan hat. Und dann ist da Vergebung möglich, wenn man seine Schuld bekennt.
Aber dieses reflexartige "der kann doch gar nicht dafür" und "der andere hat ihn doch böse provoziert und ist selbst schuld", ist in diesem Fall absolut unangebracht.

Kostprobe?
Da waren sie wieder diese urdeutschen Verhaltensmuster, diese notorische Anmache ihnen nicht bekannter Menschen, diese penetranten Belehrungen über den Lauf der Dinge und der Welt, dieses Zuständig-Sein für Alles und Jeden, diese Mischung aus Oberlehrer, Blockwart und Polizist, dieser Versuch des zielgerichteten psychischen (und später physischen) Niedermachens. Und da war sie auch, jene Grenze, die der Andere nicht überschreiten dürfte: Keinen Zeigefinger mehr! Keine Disziplinierung! Keine dumme Anmache mehr! Serkan und Spyros kamen der Aufforderung des Ex-Lehrers nicht nach. Stattdessen schlugen sie zu.

Wie kann man so ein Verhalten ent-"schuldigen"???
So flieht der Mensch vor der Verantwortung, die er hat. Schiebt sämtliche Schuld von sich auf Andere und hält sich sauber.
Nicht akzeptabel.

UPDATE:
aus http://www.faz.net
Eine der größten Leistungen der deutschen Nachkriegsgesellschaft war es, den „inneren Feind“ nicht zu postulieren, trotz aller Konflikte und Kontroversen nicht. Umso bedauerlicher, dass es jetzt ein geschätzter Kollege tut, und zwar mit den Mitteln jener Gesellschaftskritik der sechziger Jahre, die in jedem Hausmeister den Nazi und in jedem Rentner den Kleinbürger sah. Der Kollege Jens Jessen, Feuilletonchef der „Zeit“, vertritt in einem Videoblog seiner Zeitung, mit Blick auf den U-Bahn-Überfall in München, eine neue These. Er fragt, ob der Rentner, der in der U-Bahn sich das Rauchen verbat, nicht nur das letzte Glied einer Kette „unzähliger Gängelungen und Ermahnungen“ sei, die Ausländer in Deutschland zu erleiden haben und in diesem Fall das Fass zum Überlaufen brachte.

Vielleicht, so Jessen, kam es deshalb zu der - auch von ihm so bezeichneten - unentschuldbaren Tat. Das widerspricht zwar seiner späteren Pointe, dass es sich in München in erster Linie um gleichsam internationale Berufskriminelle handele, aber es dringt vor zur Schlussfolgerung: Er stelle die Frage, so Jessen, ob unser Problem in Wahrheit nicht darin bestehe, „dass es zu viele besserwisserische deutsche Rentner gibt, die den Ausländern hier das Leben zur Hölle machen und vielen Deutschen auch“.

Da das Video gestattet, in Jessens Gesicht zu lesen, spricht wenig dafür, dass er das ironisch meint. Vermutlich meint er es ernst...

http://www.zeit.de/online/2008/03/intoleranz-video-leserbeitraege

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